Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1898)
- Date
- 1898-11-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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mix. Jahrgang. Beilage;u M 92 des JtorMir. Leitender Artikel* Die ffikmg des gerndm i Men Magens. Zur Verhütung und Linderung von Magenkrankheiten. Mit besonderer Berücksichtigung der jüd Speisegesetze. Von Dr. P. Münz, pract. Arzt, Nürnberg. (Fortsetzung. *) IV. Milchnahrung. Neben dem Fleisch ist die Milch dazu bestimmt, in der Ernährung Magenkranker eine gar bedeutsame Rolle zu spielen. Zwar erscheint es angezeigt, bei allen acuten Magenerkrankungen, die mit Diarrhöen oder Brechreiz einhergehen, sowie bei Magenerweiterung den Genuss der Milch einzuschränken; desto ausgiebiger ist die Verwendung der Milch als Nährmittel in mannigfachen Zuständen chronischer Magenstörungen, den chronischen Mageneatarrhen, dem Magenkrebs, in erster Reihe beim Magengeschwür; in vielen dieser Fälle bildet ja die methodische Durchführung einer Milchcur das wesentlichste Hilfsmittel der so schwierigen Krankendiät. Die Milch genügt da für einige Zeit vollständig, um den Organismus, dessen Stoffwechselumsatz bei einem Kranken ja ohnedies kein so reger ist, auf seinem stofflichen Bestände zu erhalten. Dies hat die Milch ihren vorzüglichen Eigenschaften zu danken. Sie vereint in sich alle Vorzüge eines guten Nahrungsmittels; sie zeichnet sich nicht nur durch grosse Verdaulichkeit, sondern auch durch hohe Nährkraft aus, welche wiederum in der eigenartigen chemischen Zusammensetzung der Milch ihren Grund hat. Neben einem bei den verschiedenen Milcharten schwankenden Wassergehalte von 83 bis 90 Prozent besteht der Rest der Milch aus den Hauptnährstoffen des Menschen, aus Eiweiss. Fett sowie Kohlehydraten in Form von Milchzucker und einigen unorganischen Salzen. Vom Religionsgesetze sind nur diejenigen Milcharten zum Genüsse zulässig, welche von Thieren stammen, deren Genuss eben vom religiösen Speisegesetz gestattet ist. Es lässt *) Vergl. Nr. 86 des „Israelit“. sich nicht verkennen, dass in den religionsgesetzlich zulässigen Milcharten, wie z. B. der Kuh- und Ziegenmilch, so vorzügliche Produkte geboten werden, dass sie alle anderen an Nährkraft übertreffen; es können darum nie hygienische Gründe vorhanden sein, welche den Genuss rituell nicht gestatteter Milch, wie der Stuten- und der Eselinnenmilch, nöthig machen. Die Richtigkeit dieser Angaben wird am besten durch nachstehende Tabelle beleuchtet: rituell zulässig Wasser Eiweiss Fett Zucker Kuhmilch 87,7 3,4 3,7 4,5 0,7 Schafsmilch 83,9 5,3 5,9 4,1 0,7 Ziegenmilch rituell unzulässig 87,3 3,5 3,9 4,4 0.8 Eselsmilch 89,6 2,3 1,6 6,0 0,5 Stutenmilch 87,74 2,0 1,21 5,7 3,35 Wie in der Ernährung Gesunder, so findet auch in der Krankendiät die Kuhmilch am meisten Verwendung; zwar kommt ihr die Ziegenmilch im Grade der Verdaulichkeit und Nahrhaftigkeit sehr nahe, wird aber sehr oft wegen ihres eigentümlichen Geschmackes zurückgewiesen. In einer Beziehung verdient sie sogar vor der Kuhmilch den Vorzug, dass sie, auch roh genossen, die Gefahr der Uebertragung von Perlsucht (Tuberculose) ausschliesst, da Ziegen eben gegen diese Krankheit gefeit sind.*) Genauere Beobachtungen haben ergeben, dass sich der Gehalt der Milch nach der Art der Fütterung, dem Alter, der Race, dem Ernährungszustand der Thiere richtet. An eine gute Milch sind folgende Anforderungen zu stellen: dass sie ohne fremde Zutaten sei, dass sie sich in frischem Zustande befinde, und dass sie von gesunden Thieren stamme. Eine Vernachlässigung auch nur einer dieser Bedingungen kann die schwersten Schädigungen der Gesundheit zeitigen. Welchen beabsichtigten und unbeabsichtigten Verfälschungen und Beimengungen ist nicht die Milch hier und da ausgesetzt! Bald wird sie in betrügerischer Absicht mit "Wasser verdünnt und mit Fett versetzt, bald mit Natron oder Kreide, mit Salicylsäure, Borsäure und anderen Bestandteilen versehen, welche die Milch nicht nur in ihrem Nährwerte herabsetzen, sondern sie auch für Magenkranke schwer verdaulich machen. Die Milch muss aber auch frei von unbeabsich- *) Es ist hygienisch richtig, wenn bereits der Talmnd die Ziegenmilch für Lungenkranke in Empfehlung bringt. Baba kama 80; temura b.