Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1898)
- Date
- 1898-11-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1707 Kriegervereine fein säuberlich in evangelische und katholische Körperschaften gesondert werden. Worms. Vor einigen Wochen hatte ein Herr aus Mannheim sich bemüht, hier eine Filiale des „Deutsch-nationalen Verbandes junger Kaufleute" zu gründen. Der größte Theil der Besucher waren Juden. Nachdem der Vorsitzende sofort erklärt hatte, daß Juden nicht ausgenommen werdet! und ihm von jüdischer Seite streng sachlich geantwortet, verließen die Israeliten den Saat und es waren nur wenige Personen zurückgeblieben. Da die Filiale trotz ge ringer Milgliederzahl in den hiesigen Zeitungen als gebildet gemeldet wurde, benutzte der Reichtagsabgeordnete von Hcyl die erste Sitzung der Handelskammer, um diese Angelegenheit zur Sprache zu bringen, woraus dieselbe einstimnrig beschließt: „daß sie ihrer Mißbilligung darüber Ausdruck giebt, daß der deutsch-nationale Verband junger Kauflente den Versuch macht, die friedlichen Beziehungen in hiesigen kaufmännischen Kreisen dadurch zu stören, daß man in Bezug auf deutschnational Unterscheidungen betont, welche in hiesiger Stadt durchaus abgelehnt werden. Die Großh. Handelskammer hegt das Vertrauen, daß die Wormser jungen Kaufleute ihren davon betroffenen Mitbürgern den Schutz gewähren werden, welcher den langjährigen Traditionen der Wormser Bürger entspricht." O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. 8 Wie«, 17. Nov. (Ei n P r o se sso r des Wiener Rabbiner-Seminars in Ara bien.) Da ich nun weiß, daß sich der „Israelit" für dre Forschungsreise, welche der Professor vom hiesigen Rabbiner-Seminar, Dr. D a v i d H ei n r i ch M ül l'e r, mit mehreren christlichen Gelehrten nach der Provinz Hadra-Maut (r,*s *ttn) in Süd-Arabien angetreten hat, sehr interessirt, so habe ich einen bekannten Orientalisten hier, der mit Arabien in Verbindung steht, ersucht, er möge an seine Freunde in Aden (pp) schreiben und sie auffordern, ihm, falls der genannte Forschungsreisende irgend welche denkwürdige, wissenschaftliche Entdeckung machen oder ein interessantes Abenteuer erleben sollte, sogleich briefliche Mittheilung davon zu machen. Nächster Tage wird dieser Orientalist auch an einen Freund in Maskat, der Hauptstadt des Sultanats Oman in Ostarabien, welches Reich die Forschungsreisenden gleichfalls besuchen werden, schreiben und ihn gleichfalls ersuchen, ihn, wenn er was von Dr. Müller erfahren sollte, sogleich davon zu benachrichtigen. Voraussichtlich werden aber auch d»e arabischen Blätter, die dieser Orientalist regelmäßig liest, manch Jnlereffantes von den Erlebniffen dieser Forschungsreisenden zu erzählen wissen, so daß der „Israelit" im Stande sein wird, falls unsere Landsleute wirklich Wichtiges für die Wissenschaft entdecken sollten, es sogleich seinen Lesern mittheilen zu können. Genannter Orientalist hat sich schon früher viel für die Provinz Hadra-Maut interesstrt, da die Bevölkerung dort seit dem Urbeginn der Geschichte dasselbe Land bewohnt und auch ihre Muttersprache rein ohne jegliche Beimischung fremder Wörter bewahrt hat, und ihrenthalben manchen Brief nach Arabien und Indien geschickt. Aus Aden theilte man ihm dann oft mit, daß für uns Israeliten sehr wenig Wiffenswerthes in Hadra-Maut zu suchen sei, da dort doch keine Glaubensgenossen wohnen und jüd. Altertümer und Inschriften dort fast gar nicht Vorkommen. Auch pflegen die Juden Adens oder Jemens nur äußerst selten nach Hadra-Maut zu reisen, erstens um keinen rav b'hr (Sabbat-Entweihung) begehen zu müssen, da man dort nicht allein reisen kann, sondern nur mit einer Karawane und diese setzt auch am Sabbat ihre Reise fort, und zweitens müßte jeder jüdische Reisende in Hadra-Maut jeden Fleischgenuß sich versagen, da dort doch keine Juden wohnen und es daher auch kein Koscherfleisch gibt. Sich Koschersleisch oder Fleischwerk aus Aden mitzunehmen, daran ist bei der tropischen Hitze, die in Süd-Arabien herrscht, gar nicht zu denken. Muß doch die Bevölkerung daselbst, da sich das Bros nicht eine Stunde lang hält, zu jeder Mahlzeit eigens erst dünne Brodkuchen (Odsc-has, rw) oder wie wir Juden sagen würden, Mazzos „backen." Müssen arabische Juden dennoch nach Hadra-Maut reisen, so warten sie stets bis sich ihrer mehrere zusammenfinden und bedingen sie dann mit dem Führer der Karawane, daß dieselbe am Sabbat rasten muß. Auch nehmen sie sich dann, wenn in ihrer Mitte kein urr.» vorhanden ist, eigens einen Schächter mit. Da ich eben von Aden spreche, so will ich hier gleich Folgendes berichten. Nimmt man Stielers vortrefflich gearbeitetcngroßenund kleinen Atlas zur Hand und studirt darin die Karte von Arabien, so wird man nördlich von Aden den Namen „Sibt Dan" (p Stamm Dan) verzeichnet finden und könnte man daher glauben, daß dort wirklich der Stainm Dan haust. Dies ist aber nicht so. Im Alterthume hieß diese Gegend nach der vort wohnenden Völkerschaft Dam: Dan. Auch der Prophet Jecheskel sagt (E. XX VII) : pjnrryvimr: p'i p: („Dan und Jawan lieferten aus Usal für deine Niederlassungen.") Auch die Juden gebrauchten diesen Namen mit Vorliebe und nannten den dort hausenden arabischen Stamm: Sibs Dan. Daher der Name. Die Juden, die heute in Arabien leben, nennen sich nach keinem Stamme, doch ist es wahrscheinlich, daß sie alle vom Stamme Juva Herkommen, der nach der Zerstörung des gleichnamigen Reiches nach der Halbinsel Arabien auSwanderte. Während nun ein Theil dieses Stammes in der arabischen Wüste zurückblieb und sich dort dem Nomadenleben widmete,