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Der Israelit · 1898-11-17 · Heft 91 (17.11.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 91 (17.11.1898)
Date
1898-11-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1692 „Roth, Nürnberg, Augsburg und Würzburg" gewesen sein. Verdienstvoll war auch die Lehrtätigkeit seines Schülers Rabbi Mordechai Ben Hillel, der 1298 durch die Horden des Rindfleisch ums Leben kam. Zu dieser Zeit wirkte nacheinander in mehreren Städten Bayerns Rabbi Ephraim aus Regensburg als Rabbiner und Talmudlehrer. Rabbi Jakob Weil ist der Verfasser eines Responsenwerkes und eines verbreiteten Schächtrituals, welches die Grundlage für später folgende Werke bildete. Als hervorragenden Kenner und Verbreiter jüd. Wissenschaften begegnen wir in Regensburg dem Rabbi Israel Bruno. Rabbi Moses Minz ist als letzter der bedeutenden Rabbinen jener Zeit zu nennen, er lehrte in Landau, Augsburg und Bamberg. Nicht nur aus Ortsangesessenen und in der Nähe Wohnenden bestand der Kreis der Hörer, welcher diesen Meistern im Thorastudium lauschte, sondern auch aus weiter Ferne, aus Frankreich und Italien strömten die Schüler herbei, um die Worte der heiligen Lehre zu hören. Nürnberg und Regensburg waren weitaus die berühmtesten Jeschiwas in Bayern, außerdem gab es freilich auch solche in Augsburg, Würzburg und Nördlingen. In Fürth gab es 1640 keine Talmudschule, und wenn heute Fürth im Thoraftudium Nürnberg überflügelt hat, so bedeudet dies einen wesentlichen Wandel gegenüber den alten Zeilen. Ein Nrtheil von christlicher Seite ist bezeichnend für die Bedeutung Nürnbergs als jüd. Hochschule, so sagt Würfel in „Geschichte der Judengemeinden" 1757: „Diese hohe Schule in Nürnberg ist die hervorragendste in Bayern." Und schon weit früher wird dieselbe erwähnt in einer Verordnung des Nürnbergers Rathes von 31. August 1406, worin die Erfolge und die umfassende Thätigkeit derselben hervorgehoben werden; gleichzeitig wird angeordnet, daß künftig nur Söhne Nürberger Bürger, aber keine Fremden mehr in diesen Schulen lernen durften. Wer nicht Nürnberger Bürger war, sollte seine Kinder nur zu Hause so unterweisen lassen, wie es von Alters her Gewohnheit gewesen; auch der Regensburger Jeschiba geschieht Erwähnung in einer Urkunde von 1478 die sich in der Regensburger Chronik befindet. Es heißt da u. a.: „Aus dieser hiesigen Schule sind äoetores et patres für alle Theile Deutschlands hervorgegangen." In Regensburg fanden zu Zeiten der dortigen Hochschule auch Disputationen zwischen Juden und Christen statt. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß die Anregung zu solchen Redekämpfen nicht von den Juden ausging. Diese wußten sehr wohl, daß bei solchen gewöhnlich das herauskommt, was die Fabel vom Lamm, welches dem Wolf das Wasser getrübt, lehrt. Trotzdem warnt Pater Berthold von Regensburg in seinen Predigten, die Christen sich nicht in ihrem Glauben durch die Juden wankend machen zu lassen. Die Juden hatten einen feinen Plan ersonnen, um die Christen irre zu leiten. Cr rühmt jedoch an ihnen, daß sie besser als die Christen, die ihnen vorgeschriebenen Feiertage halte», daß ihre Ehen mustergiltig seien, und daß sie in Reinheit und Mäßigkeit als Vorbild dienen könnten. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. \V. Berlin, 44. Nov. Ueber „konfessionelle Kandidaturen" sprach am Mittwoch Abend Herr Rechtsanwalt Dr. E. F u ch S im „Centralverem deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens." Bor etwa 20 Jahren, so führte der Redner aus, erscholl zum ersten Male der Ruf: Wählet keine Juden! In diesem Jahre nun ist die 20jährige Jubelfeier der Bewegung so getrübt, als Herrn Stöcker zum Trotz zwei Juden in« preußische Parlament einz ehen. Dadurch, daß der Centraloerein am 15. October seinen Mitgliedern empfahl, im ersten Wahlkreis für die freisinnigen Kandidaten einzutreten, hat er vielen Tadel auf sich gezogen. Man hielt ihm vor, er sei kein politischer Verein und solle sich nicht mit Parteien identifiziren. In gewisier Angst und Leisetreterei habe der Vorsitzende einer freisinnigen Urwählerversammlung versichert, wir seien ein religiöser Verein — weil es im Adreßbuch so stehe! Wir sind kein religiöser Verein, wir kümmern uns nicht um Kultus u. s. w. Zwar bestimmt der Glaube den Kreis unserer Mitglieder, aber der Glaube ist nicht unser Zweck. Mit demselben Rechte könnte man einen Verein ehemaliger Freiwilliger einen Kriegerverein nennen, wie man uns als religiösen Verein bezeichnet. Wenn das Statut besagt, daß wir zur Wahrung der Gleichberechtigung deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens verbunden sind, so ist unsere wesentliche Aufgabe die, Gerichten, Behörden und dem Staate gegenüber unsere Gleichberechtigung zu verfechten. Ein Wahlverein sind wir nicht, denn wir verfolgen nicht parteipolitische Zwecke, da wir uns ja mit keiner Partei, weder mit der Freisinnigen Vereinigung, noch mit der Volkspartei, identificiren. Bei den Berliner Stadtverordnetenwahlen haben wir stets zu den Parteien, die den Antisemiten gegenüberstanden, gehalten, einerlei, ob diese Parteien nationalliberal oder freisinnig oder sozialdemokratisch waren. Sind wir deßhalb identisch mit diesen Parteien? Wenn in den Parlammten das politische Leben gipfelt und dort die schärfsten An-

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