Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1898)
- Date
- 1898-11-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1693 griffe gegen unsere Glaubensbrüder gerichtet werden, sollen wir alsdann in Fragen, wie die des Assefforenparagraphen, des Ordinariats jüdischer Lehrerinnen u. a, anstatt sie durch parlamentarische Interpellationen zu bekämpfen, durch Deputationen an den Minister aus der Welt zu schaffen suchen, was kaum Erfolg haben dürfte? Was ist das Wesen einer konfessionellen Kandidatur? Daß ein Jude gewählt wird, der sich einseitig im Parlamente die Verfolgung der Zwecke jüdischer Glaubensanhänger zur Aufgabe macht. Justizrath Friedemann ist von der offiziellen Parteileitung als Kandidat aufgestellt worden, folglich nicht wegen konfessioneller Sonderintercssen. Würde Herr Friedemann mehr als den Gedanken der Gleichberechtigung verfolgen? Würde er jüdische Parteipolitik treiben? Nein, er würde nur dafür einstehen, daß die Verfaffung, die uns Gleichberechtigung gewährt, kein todter Buchstabe bleibt! Wir sollten ein jüdisches Centrum inauguriren? Die Herren Friedemann und Peltafohn beabsichtigten doch nicht, eine besondere Partei zu gründen, sondern sich einer bestehenden Partei anzuschließen. Wenn immerhin schon die liberalen Parteien auch den Gedanken der Gleichberechtigung vertreten, so ist es doch nothwendig, daß in Fragen, die uns betreffen, im Parlament jemand sitzt, der in jüdischen Fragen eingeboren und mit ihnen verwachsen ist, der den antisemitischen Angriffen gegenüber als Jude, als getroffenster, beleidigtster, aus seinem Schmerze heraus den Abwehrhieb führt. In Fragen unserer Gemeindeorganisationen kann doch nur ein Sachverständiger so unsere Interessen wahren, wie es der großen evangelischen Landeskirche und der katholischen Kirchenorganisation durch christliche Abgeordnete möglich ist. Nimmt man eS den Jntereffenten der Textilbranche übel, wenn sie von zwei Kandidaten gleicher Parteirichtung eher den wählen, der ein größeres Sachverständniß von Textilbranche besitzt und damit im Parlament im Jntereffe der Textilbranche seine Schuldigkeit thut? Nein! Wir sollen, ruft man uns zu, doch bescheiden sein, und uns nicht auffällig machen! Aber im Jntereffe des Gefammtvaterlandes haben wir das, was wir mit Recht zu fordern haben, zu verfechten, wir müffen unser Jntereffe an Erfüllung der Gleichberechtigung wahren. Friedemann hatte Alles, was die anderen Kandidaten hatten, das Eintreten für den großen liberalen Gedanken, außerdem die genaue Kenntniß jüdischen Wesens und jüdischer Gemeindeorganisationen Die „Kreuz-Zeitung" hat gesagt, daß Friedemann in erster Linie Jude, in zweiter Freisinniger sei. Was würde die „Kreuz-Zeitung" sagen, wenn wir ihr entgegenhielten, daß ihre Leute in erster Linie für Liebesgaben, erst in zweiter für Thron und Altar eintreten? Bon konfessionellen Kandidaturen kann also in keinem Sinne die Rede sein, man thut gut, sich durch solch ein Schlagwort nicht schrecken zu lasten. (Beifall.) Vorsitzender: Die Erfahrungen der letzten Woche machen stutzig; zwei Juden haben Kandidaten abgelehnt mit der Begründung, daß diese Kandidaten Juden seien. Man würde überzeugt, daß wirklich viele Juden noch der Erziehung zur politischen Reise bedürsen. Daß die beiden ins Parlament gemähte Juden (Dr. Hirsch und Peltasohn) ausdrücklich die Erklärung abgaben, sie würden antisemitische Angriffe abwehren, verdanken unsere Glaubensgenoffen unserm Verein. — Aus der längeren Diskussion hebcn wir hervor, was Herr Rektor Dr. Adler in Bezug auf die Ordinariatsangelegenheit jüdischer Lehrerinnen ausführte. Der antisemitische Zug im Schulwesen datire von 1894, wo ein Wechsel im Dezernat des Provinzialschulkollegiums stattgefunden habe. Es sei vom Minister, der die jüdischen Lehrer des gleichen Wohlwollens wie die christlichen versichert habe, nicht anzunehmen, daß die Ordinariatsbeschränkung von ihm ausgehe. Man müffe die Sache vom Standpunkte des pädagogischen Nachtheils anfaffen, der mit dem Ordinariatswechsel verknüpft sei. Der pädagogische Grundsatz der Konzentration bedinge, daß der Ordinarius oder Ordinaria mehrere Jahre mit einer Klaffe mitgehe. Die neue Maßregel fei pädagogisch ein Schaden, zu deffen Abstellung man sich an den Minister wenden müffe. Der Vorsitzende, obwohl skeptisch in Bezug auf den Erfolg solchen Schrittes, versprach in diesem Sinne vorgehen zu wollen. »G-- Anzeigen. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.. nsijn Chanukaleuchter, auö Messing (für Oel oder Kerzen) versend, franco, incl. Kiste, nach ganz Deutschland n. Oesterreich, gegen Ilebermittlnng von Mk. 8.-- [155e *». I. Hofmann, Buchhandl., Frankfurt a. M. Wiederverkäufer Rabatt. (Küche für m. Verw., jfl. 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