Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1898)
- Date
- 1898-11-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1687 schen gebrauchte Wort pcSn zu geben versucht. Ich erlaube mir dazu folgende Erklärung zu geben, die mir einstens mitgetheilt wurde und auch wohl Ihren werthen Lesern, so weit solche ihnen noch nicht bekannt, interessant und annehmbar erscheinen dürste. Die Namen sämmtlicher Söhne Haman's enthalten nämlich entweder als ersten oder als letzten Buchstaben, einige sogar als Anfang- und Endbuchstaben eine **. Das Wort bedeutet aber 1000. Da nun dem diese „1000" fehlen, so hat man diesen Namen als Bezeichnung eines Unvermögenden gelten lassen (dem also die 1000 d. h. das nöthige Geld fehlt). Um aber, wie Ihr Herr Plauderer, mit etwas Gutem zu schließen, möge der liebe Gott, Ihnen Herr Redacteur, und Ihren Lesern recht bald recht viel „Tausende" bescheeren. Insterburg, den 14. Nov. Von Herrn Rabb. Dr. Beermann, dem jungen und unerschrockenen Kämpfer für das gesetzestreue Judenthum, erhalten wir folgende Zuschrift: In Nr. 45 der „Allgemeinen israelischen Wochenschrift", finden sich zwei Entgegnungen, die meinen Artikel über die Noth des Judenthums in Ostpreußen entkräftigen sollen. Die erste Entgegnung kann auf eine Antwort von meiner Seite nicht rechnen. Wer lauterem Streben persönliche Beschimpfung entgegensetzt, ist nicht der Mann, mit dem ich öffentlich debattire. Mein Plan wird n"2 trotz solcher Gegner seiner Realisirung allmählig entgegenreifen, da Männer ihn fördern werden, durch deren bloße Namensnennung die ehrenkränkenden Ausführungen der ersten Entgegnung vollkommen entwerthet werden. Ich muß jedoch um Geduld bitten, da dringende Amtspflichten und eine ausgedehnte humanitäre Thätigkeit mich für's erste ganz in Anspruch nehme, aber rutm« irys! Ich glaube übrigens, daß die Tonart der ersten Entgeg» nung Nachahmung finden wird. Kleine und große Skribifaxe werden meine Bemühungen, für das gesetzestreue Judenthum in Ostpreußen einzutreten, mit Schinlpf und Hohn verfolgen. Sie glauben mich damit „tot zu machen." Darum erkläre ich schon jetzt, daß ich jeder solcher Expectorationen von meiner Seite lediglich mit verachtendem Schweigen beantworten werde. Wer zur elendesten aller Argumentationsmethode — den persönlichen Gegner zu beschimpfen — seine Zuflucht nimmt, darf Berücksichtigung von mir nicht erwarten. Furcht vor Feinde kenne ich nicht. Mir hat immer jenes kernige Wort Roseggers imponirt: Dessen Sache muß gar schlecht sein, den nicht Feinde anfallen und verhetzen. Es ist das Zeichen männlichen Wirkens, wenn das Gebrüll der Gegner unsere Ruhe stört." Nun zum Anonymus, der auch im „Israelit" seine Stimme erhob! Der sodomitischen Weisheit, die er mir entgegenruft: „Der weilt erst kurze f Zeit bei uns und will schon Richter sein," halte ich das deutsche Wahrwort entgegen: „Ein Gast auf 'ne Weil', sieht auf 'ne Weil'." Ich wußte wohl, daß die Derbheit und Offenheit meiner Sprache d*t;d c*trp verletzen würde. Ich kann aber nicht in die KorachSpolitik einftimmen und mitschreien: „Die ganze Gemeinde sind lauter Heilige:" Die Bemerkung, über die „sechs dürftigen Gemeinden," die meiner Schulaufsicht (nicht Rabbinatsaufsicht, wie ich neulich mit lapsus calami in einem Inserat schrieb), anoertraut sind, lasse ich unbesprochen. Wenn mir imputirt wird, daß ich jüdische Frömmigkeit nach dem umgebundenen Taschen» tuch beurtheile, so erwiedere ich 1) daß ich die jüdischen Verhältnisse nicht mit den Augen eines leicht zufriedenen Reformpredigers, sondern mit dem Herzen eines gesetzesireuen Rabbiners ansehe und 2) daß nur das ganze Leben, welches in seinen Höhen und Tiefen vom Gottesgesetz erfüllt und durchdrungen ist, mir die Gesetzestreue verbürgt, nicht aber eine höchstens symptomatische Aeußerlichkeit. Und wahrlich die Familien, in denen das Gottesgesetz unumschränkte Autorität genießt, sind auch nach der Anonymen Urtheil in unserem Lande dünn gesäet. Ich schließe mit den herrlichen Worten des größten aller Gottesmänner.- 2 r«'2Z 'n oy *72 frm fr* ’e „D wäre doch die ganze Gemeinde des Ewigen den Propheten gleich an Gesetzestreue!" Dr. Max B e e r m a n n, Rabbiner der Kreis-Synagogengemeinde zu Insterburg. Frankreich. Paris, 14. Rov. (Kammer.) Fourniöre (Sozialist) fragt wegen der Verfolgung des Buches von Urbain Gohier „Die Armee gegen die Nation." Dupuv erwiedert und begründet die Maßregel mit dem Beschluß der Regierung, alle kolleetiven Beleidigungen der Armee zu verfolgen. Er verliest Stellen dazwischen und es giebt furchtbare stürmische Szenen zwischen Baron Reille und den Sozialisten. Fourniöre verliest daraus Stellen eines Artikels von Drumont, die ebenfalls ungünstig für die Armee sind. Es folgen wüthende Szenen zwischen Sozialisten und Antisemiten. Drumont brüllt: ..A bas les juifs!“ Drumont beklagt unter stürmischen ironischem Beifall der Sozialisten die fortschreitende Demoralisirung des Landes und beschimpft die Juden. — Klotz (Radikaler) antwortet ihm. Drumont hätte schon oft so gesprochen; er höre ihn heute zum ersten Mal. Er sei ein Jude und Deputirter des französischen Volkes. Die Nationalisten hätten die religiöse Zwietracht in das Volk gebracht. Früher gab es nur Franzosen; wo das französische Heer auf den Schlachtfeldern Europas gesiegt habe, sei dies der Nation zu verdanken. Die Nationalisten wollen die Armee für sich pachten.