Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1898)
- Date
- 1898-11-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1686 roar es, die Seminarlehrer der Reihe nach an diesem Samstag zur Thora aufzurufen. Zur Jubiläumsfeier selbst hatten sich cv. 120 auswärtige Lehrer, Schüler der Anstalt, eingefunden. Diese und eine sehr ansehnliche Zahl hiesiger Gemeindemitglieder füllten die festlich geschmückten Säle der „Börse", um am Festaktus, der am 7. November stattfand, und um 11 Uhr begann, theilzunehmen. Eingeleitet wurde der Aktus durch den von Herrn Chordirigenten Rose in Musik gesetzten 34. tßfalrn. In der Festrede entwarf Herr Seminardirektor Dr. K n o l l e r in kurzen Zügen ein Bild des Unterrichts- und Erziehungswesens der Juden im Alterthum und Mittelalter und schilderte alsdann die Entstehung und Entwickelung der Anstalt, deren Aufgabe es sei, echt jüdische Lehrer mit jüdischer Gesinnung und deutscher Gesittung ausgerüstet in die Gemeinden zu senden. Nach dem Festredner sprach im Namen des Königlichen Provinzialschulkollegiums und im Aufträge Seiner Excellenz des Herrn Oberprästdenten Grafen zu Stolberg— Werningerode, Herr Geheimer Regierungs und Provinzialschulrath Wendland. Herr Landrabbiner Dr. G r o ne man n überbrachte vre Grüße und Glückwünsche der Landrabbiner der Provinz Hannover, Herr Schatzrarh L i ch t e n b e r g die des Landesdirektoriums, Herr Justizrath Bensey verlas ein Glückwunschschreiben des Deutsch-Israelitischen Gemeindebunds, Herr Julius K a u f f m a n n, der erste Vorsteher der hiesigen Gemeinde, ttberbrachte die Grüße der hiesigen Synagogengemeinde, Herr Hirsch vertrat den Seminariftenverein, Herr Seminardirektor v. Berge übermittelte die Glückwünsche des hiesigen Königt. evangelischen Lehrerseminars, Herr Stadtschulrath Wehr Hahn die der hiesigen christlichen Bürgerschulen und ihrer Lehrer, Herr Philipp —Lüneburg überreichte im Namen einer Anzahl früherer Schüler der Anstalt eine Ehrengabe (500 Mark) für die Seminarbibliothek, Herr Lehrer B lum ens e l d—Adelebsen, gratulirte im Namen der jüdischen Lehrer der Provinz Hannover, Herr Landrabbiner Dr. Prager überbrachte die innigen Grüße der Schwesteranstal! Cassel, Herr Kirchenrath Dr. Kr on er —Stuttgart, ehemaliger Direktor der Anstalt, wünschte der Anstalt ferner Glück und Segen. Nachdem Herr Direktor Dr. Kn oll er den einzelnen Rednern gedankt hatte, schloß die erhebende Feier mit dem Schlußgesange: Alles, was Odem hat rc. Am Nachmittage vereinte sich ein großer Theil der Gäste zu einem Festmahle zusammen. Heitere und ernste Tischreden wechselten miteinander ab. Am Abend fand vor einer überaus zahlreichen Zuhörerschaft die Aufführung des Schauspiels „Lonada" von Hölty statt. Die Rollen waren nur Schülern der Anstalt übertragen. Die beiden Damenrollen hatten die Damen Fridberg und Berliner übernommen. Die Aufführung, die von Herrn Seminarlehrer Levy vorbereitet war und geleitet wurde, erfreute sich einer überaus günstigen Aufnahme. Ein fröhlicher Kommers, der die Theilnehmer bis lange nach Mirternacht vereinte, beschloß den so schön verlaufenen Festtag. Während der Kommers erregten die turnerischen Aufführungen der Schüler, sowie die Operette ..Die Zopfabschneider", deren Rollen wiederum den Schülern der Anstalt übertragen waren, allgemeine Bewunderung. Am 8. November veranstalteten die Zöglinge der Anstalt ihrerseits eine sehr hübsche Festlichkeit Zu einem fröhlichen Kommerse, verbunden mit Ball, hatten sich auch an diesem Tage Lehrer, Schüler und Freunde der Anstalt vereinigt. Heitere Reden und humoristische Vorträge wechselten miteinander ab. Die Festtheilnehmer blieben auch an diesem Tage bislang nach Mitternacht in fröhlichster Stimmung beisammen und werden sicherlich das wohlgelungene Fest in angenehmer Erinnerung behalten. Von anderer Seite wird uns in Bezug auf die Hannooer'schen Feierlichkeiten geschrieben: Rur zu schnell sind die schönen Festtage der 50jährigen Jubiläumsfeier der hiesigen israelitischen Lehrerbildungsanstalt verrauscht. Der Verlauf der Feier kann als ein höchst gelungener bezeichnet werden. Wenn schon eine jede Lehrerversammlung geistig stärkend und wohllhuend auf die Theilnehmer einwirkt, so war dies bei dieser Festesseier in noch weit höherem Maße der Fall. Männer, die sich seit ihrer Seminarzeit nicht wieder gesehen hatten, sielen sich vor Freude in die Arme. Die jüngere Generation freute sich ihre früheren Lehrer wieder begrüßen zu können. Männer im Silberhaar schlossen kollegialische Freundschaftsbündniffe mit den frischen, frohen jugendlichen Amtsbrüdern. Welch ein Segensquell für treue Lehrerherzen. Doch auch in diese Festesfreude mischt sich unbewußt die wehmüthige Erinnerung an die im Laufe der letzten Jahre dahingeschiedenen Lehrer der Anstalt. Ich nenne nur den langjährigen Meister der Anstalt, Herrn Seminarlehrer Sommer, den als tüchtigen Praktiker bewährten Seminarlehrer D r ektrah e, verstorben als Rektor zu Rothenburg und unfern braven Freund und Landsmann, Emil Speyer. Ihnen allen legen wir heute eine Palme aufs Grab mit der Widmung: : in Bbwb B'syiss bot ’puwi rpm ms r*nr e^rtwsm Die Lehrer aber werden leuchten, wie deS Himmels Glanz und die, welche viele zur Frömmigkeit anleiten, wie die Sterne ewiglich — rt. F-er. Wesel. In einer der jüngsten Nummern Ihres werthgeschätzten Blattes wird in dem mit „Jüdische Plaudereien" überschriebenen Artikel u. A. eine Erklärung für das im Volksmunde zur Bezeichnung eines nicht mit Glücksgütern gesegneten Men-