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Der Israelit · 1898-11-17 · Heft 91 (17.11.1898) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 91 (17.11.1898)
Date
1898-11-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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r " ' - - -j|i il l_li.i Ji4^V<i!lfi4ii^ill9ip^|PpP|||p||^^ 1684 geben, so können wir nicht umhin zu erklären, daß er nach dem uns vorliegenden ersten Theil des Werkes dieses Ziel nicht erreicht hat und bei seiner Entfremdung dem talmudischen Schristthum gegenüber auch nicht hat erreichen können. Der Verfasser zeigt uns wohl viele und interessante Agadastellen, diese scheinen aber fast nie aus den Quellen und selbst nicht aus den Auszügen in der Ursprache geschöpft zu sein, ja sogar nur selten aus der deutschen Übersetzung des En Jakob und der Midraschim von Wünsche. Bacher's Tana'i'm und Amoraim, Grätz Geschichtswerk, Fassel's r-srn p-is, Wünsche's Zusammenstellungen über die Freude bei den Hebräern, diese Werke erscheinen als die hauptsächlichsten Krücken, an denen Lazarus in das altromantische Land seiner Jugenderinnerungen zurückschwankt. Wenn wir an die Gruppirungen nach ethischen Gesichtspunkten bei Bacher uns erinnern, so wissen wir, warum Bacher's Schriften bevorzugt werden, können aber auch den Verdacht nicht unterdrücken, daß unser Perlenfischer gar nicht in das Meer des Talmud getaucht ist, sondern aus den Perlenlagern Anderer sich die Kostbarkeiten, die ihm als die schönsten erschienen sind, ausgesucht hat. Wie weit entfernt Lazarus dem Geist des wahren Judenthums ist, zeigt sich neben vielem Anderen darin besonders deutlich, daß ihm Fasset als streng orthodoxer Rabbiner gilt undGrätz als Vertreter des Eonservativismus imJudenthum. Diese langjährige Entfremdung vom Judenthum erklärt den Lesern die vielen Mängel des Werkes, besonders die Sinnentstellungen und vielen ganz falschen Auffassungen, ebenso die auffallende Thatsache, daß sich ein anerkannter Gelehrter die vielen historischen Witze und geistreichen historischen Fälschungen von Grätz, über die doch längst der Stab gebrochen ist, zu eigen machten. Wir glauben, Lazarus hätte überhaupt nicht unternommen seine Ethik in der vorliegenden Form zu schreiben wenn das Wesen des Judenthums ihm nicht so fremd gewesen wäre. Herr Lazarus ist erstaunt darüber, daß das Buch I von Fasset ufctwr p-x „die einzig zusammenhängende Darstellung der Ethik des Judenthums ist", „während die sonstigen Bücher, welche eine solche enthalten, die Religions- und Sittenlehre zugleich und in untrennbarer Verbindung mit einander darbicten." Wäre dem Herrn Professor das Wesen des Judenthums nicht allzusremd geworden, so hätte er eingesehen, daß Religions- und Sittenlehre des Judenthums in der That in untrennbarer Verbindung stehen, und daß jeder Versuch, die Sittengesetze von unseren sonstigen heiligen Gesetzen loszulösen, nothwendig Heitern mußte. Es ist richtig, daß die Worte scm p-tt nicht den Kern der jüdischen Sittculehre treffen, daß dieser durch die Worte vwi ~mp wiedergegeben wird. Damit wir aber L'mp^werden können, müssen wir das gesammtc Gottesgcsetz erfüllen. wm c’e’np ist, um den Ausdruck des Verfassers zu gebrauchen, der Kernpunkt des ganzen Gesetzes. n'trnp sind diejenigen Menschen, die sich dem Gotteswillen vollkommen unterwerfen, ohne darauf zu achten, ob sich die göttlichen Vorschriften aus der Sittenlehre oder überhaupt aus dem Bereiche der menschlichen Erfahrung heraus begründen lassen. Seinem Unglauben gemäß findet der Professor der Psychologie ursprünglich eine erhabene sittliche Anschauung im jüdischen Volksgemüth, aus der heraus er das göttliche Sittengesetz erklä en will, während wir ja wissen, daß diejenigen unserer heiligen offenbarten Gesetze, die im vorliegenden Werke Sittcngesetze genannt werden, neben anderen Gründen, die uns entweder offen oder verschlossen sind, auch ethische Gründe haben können. Wer das Buch des Herrn Lazarus gelesen, wird den Verfasser mindestens zu denen rechnen, öciteit man Stillschweigen gebieten muß, cm rrnpn "nn,: ntrwr ’Jbö mr; x^x weil er nur in der Barmherzigkeit den Grund des göttlichen Willens sucht, während dieser unabhängig vorn Grund als Gesetz gelten nrnß. Wenn es nöthig märe, lehrte uns Herr Lazarus verstehen, warum die Mifchna das Gebet mit den Worten ,'p bv *rr nex tadelt. Der Verfasser unseres Buches selbst, steht diesem Verbot und seiner Begründung mit solcherVerständnißlosigkeil entgegen, daß er die angeführte Begründung des Mischnaworts als eine vereinzelt und wunderliche Ansicht beurtheilt, über die zur Tagesordnung übergegangen wird. Daß dasjenige, was er relig ös heilig nennt, auch ethische Grunde habe, erkennt er; das; aber alle ethischen Vorschriften uns in erster Linie Religionsgesetz sind und in den meisten Fällen nur als solche erfüllt und verstanden werden können, dieser Wahrheit steht er weltfremd gegenüber. 'Wir empfinden fast Mitleid mit dem Verfasser, wenn wir beobachten, wie er von seinem falschen Standpunkt ans sich abmttht, dreierlei Heilig in der Thora nachznweifen. Das rituell Heilige, das relig'ös Heilige und das ethisch Heilige. In dem vierten Kapitel: „Heiligung ist Versittlichung", läßt sich leicht erkennen, wie unsicher sich der Verfasser selbst bei seiner Ausführung fühlt. Seine Verlegenheit bringt ihn dazu, Bilnloerse als Belege heranznziehen, die ohne seine gezwungene Deutung, gerade das Gegentheil sagen, von dem, was er beweisen will. Man lese nur nach, wie es der Verfasser fertig bringt, das wiederholte mp, das sich bei den Sp^isegesetzen findet, als ethisch heilig zu erklären. Ueberhaupt erlaubt sich der Philosoph gar oft Verse und auch einzelne Worte aus dem Zusammenhang herauszureißen und hitteinzudeuten, was ihnr eben paßt. Man vergleiche, um nur Eins herauszuheben, die Erklärung von Deuter. 30, 15 auf Seite

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