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Der Israelit · 1898-11-17 · Heft 91 (17.11.1898) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 91 (17.11.1898)
Date
1898-11-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1XUX. Ja-rgM-. M »1 Ier Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. J>Jjmaun in Ütfiini Donner st ag, den 17. November 5659 (1698). sm Eine Uladt abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat Dezember auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitunMchalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden Lanbbriefträger aufgegeben werden. Die Erpe-ilion des „Israelit". Leitende Artikel. Ein KMiiÄmr des Mriithiinis. * Mainz, 15. November. Schon lange ist leider es her, daß wir uns nicht mehr wundern dürfen, wenn ein Jude es wagt, öffentlich Sätze auszusprechen, durch welche er die Grundlage unserer heiligen Religion leugnet. Seit nicht so langer Zeit, aber doch schon seit einer geraumen Weile sind wir durch böse Erfahrung so sehr abgehärtet, daß bei der Lektüre solcher Schriften sich weder unser Schmerz durch Seufzer und Thränen, noch unser Unmuth durch zornige Aufwallung und rauhe Worte Luft machen muß. Vollends, wenn wir ein Buch von Professor Lazarus aufschlagen, eines Mannes, der schon vor einem Vierteljahrhundert für würdig befunden wurde, den unglückseligen Synoden von Leipzig und Augsburg zu präsidiren, bringt es uns kaum mehr aus unserem Gleichmuthe, daß wir hier die Leugnung der Göttlichkeit der Thora in Bemerkungen über das Alter der einzelnen Bücher des Pentateuch und über die Fortentwickelung des jüdischen Gesetzes ausgedrückt finden, als wenn dieses ein Gelehrter niedergeschrieben hätte, der weder durch Geburt noch durch Glauben dem Judenthum angehört. Der „Ethik des Judenthums"*) dieses Gelehrten bringen wir ein ähnliches Interesse entgegen, wie den Schriften eines Nichtjuden über Juden und Judenthum. Wie wir uns freuen, wenn in nichtjüdischen Schriften Aussprüche der Bibel und des Talmud bewundert und hochbewerthet werden und wie dort unsere genußreiche Lektüre durch danebenstehende irrige Ansichten kann: merklich gestört wird, ähnlich geht es un* bei der vorliegenden Schrift des Professor Lazarus. Lazarus steht dem wahren jüdischen Denken schon lange so fern, daß uns der Ausdruck seines Unglaubens kaum noch verstimmen kann, daß wir vielmehr überrascht sind über viele richtige Ansichten, die er sich aus früher Jugend doch ins Greisenalter hinübergerettet oder auch erst spät durch erneute Forschung wiedergesunden hat. Das Buch verdankt seine Hauptvorzüge der schönen und edlen Sprache, sowie dem geschulten Denken seines Autors. Eine große Anzahl von herrlichen Perlen wird aus den perlenreichen Gründen der Bibel, des Talmud und des Midrasch heraufgehoben, geschmackvoll auf dem Draht und den Fäden eines Systems aufgezogen und der Welt als eine Ethik des Judenthums vorgestellt. Wenn das Buch keinen anderen Anspruch macht, als den unter den Rettungen und Apologien des Judenthums, welche seit der Herrschaft des modernen Antisemitismus erschienen sind, einen hervorragenden Platz einzunehmen, so zögern wir nicht, ob der geschmackvollen Auswahl und der prächtigen Sprache ihm diesen Platz einzuräumen. Ging aber der Ehrgeiz des Verfassers dahin aus, eine erschöpfende Darstellung der jüdischen Ethik zu *) Die Ethik des Zudenthmns, dargestellt von Prof. Dr. M- Lazarus. In Commission bei I- Kaufmann in Frankfurt a. M., 1898, XXV ». 469 S.

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