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Der Israelit · 1898-11-14 · Heft 90 (14.11.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 90 (14.11.1898)
Date
1898-11-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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":'T‘ 1670 geborene iübifdje fvanülicu «Übt, die in Leben und Sitte dem überlieferten Judenthum treu (jebliebat sind, wird Dr. Beermann nicht beweisen können, wie kann er dieses überhaupt wissen, da er erst seit September in Ostpreußen lebt; es ist ihm erzählt worden, oder er schließt von Insterburg und der ihm unterstellten dürftigen Gemeinden aus die ganze Provinz. Gottlob ist dieses nicht so schlimm, c-ö gibt deren Hunderte. Eine andere Behauptung des Dr. Beermann, daß die große Mehrheit aller Deutschen jüdischer Abstammung (soll heißen: Juden, deren Eltern nicht in Rußland, sondern in Deutschland geboren sind) nur Eintagsjuden seien ist geradezu entsetzlich und für alle Gemeinden beleidigend. Der russischpolnische Zuzug, für den Herr Dr. Beermann so sehr eingenommen zu sein scheint, ist es grade, der ein böses Beispiel gibt, da die meisten mit dem Ueberschreiten der Grenze das himmliche Joch von sich abwälzen. Und was soll denn überhaupt der Unterschied zwischen Juden deutscher oder russischer Abstammung bedeuten? Die Klage des Herrn Dr. Beermann über Mangel an Kenntniß der jüdischen Lehre und Volksgeschichte und das Auswachsen vieler Kinder ohne Religionsunterricht ist ja eine stehende überall; als geborener Berliner wird es ihm nicht unbekannt sein, wie viel jüdische Kinder dort christlichen Religionsunterricht oder gar keinen genießen; in unserer Provinz ist es darin bedeutend besser geworden als vor 20 Jahren. Glaubt er den Missionaren und ihren verlogenen Statistiken was diese von Juden erzählen? Hiermit soll nicht geleugnet werden, daß es hier traurig bestellt ist, aber nicht trauriger, als in ganz Deutschland, und gerne wollen wir helfen, wenn nur zu helfen sein wird. Aber die Vorschläge, die Herr Dr. Beermann macht, werden zu nichts führen. Zunächst ist der obligatorische Religionsunterricht, selbst wenn er au den Paar Gymnasien der Provinz durchgeführt sein und gar in drei Stunden wöchentlich ertheilt, wird nur ein nr®-E bleiben. Er wird selbst beim besten Willen des Lehrers und bei der besten Methode nur ein sogenannter Religionsunterricht sein. 'Rur in guten Religionsschulen, welche von allen Schülern und Schülerinnen der Gemeinde regelmäßig besucht und von tüchtigen Lehrern geleitet werden, kann die Jugend das Judenthum theoretisch und praktisch erlernen und für dasselbe gewonnen werden. Woher aber diese Lehrer nehmen, die zugleich gute Kantoren und Schochtim sind? Auch diese will Herr Dr. Beermann beschaffen; aber die Gründung einer Bildungsstätte für Kultusbeamte in Insterburg ist eine Todgeburt. Weiß Herr Dr. Beermann nicht, daß jeder Religionslehrer, bevor er ins Amt tritt, mindestens ein Elementarschullehrereramen ablegen muß? Die Vorbereitung zu einem solchen können und dürfen einzelilc Volksschullehrer nicht übernehmen. Der sehr ehrenwerthe Kantor und Schochet von Insterburg ist wohl im Stanve, Schocktim auszubilden und der Rabbiner dort kann ihnen nd2,-> ertheilen, diese aber in die Theorie und Praxis des KantoratS einzuführen, selbst ohne Knabenchor und Gemeindegesang ist er nna nicht im Stande. Schön und lieblich ist es ja, daß Herr Dr. B. einzelne Jünglinge, die von ihren Eltern jüdisch im wahren Sinne des Wortes erzogen werden, weiter unlerrichtet und sie für das Kültusbeamtenfach erzieht; ihre wahre Ausbildung aber können sie in Insterburg nicht erhalten; wir würden, wenn es doch geschehen sollte, Zwittergestalten in Ostpreußen erhalten, au denen wir keinen Mangel haben "o: D'wexc i:x hs. Ich würde Herrn Dr. Beermann rathen, bevor er einen Aufruf an die leider in unserer Provinz nur zu dünn gesäeten begüterten Glaubensgenossen erläßt, sich mit anderen gleichgesinnten Rabbinen der Provinz und dem Ausschuß des ostpreunischen Gemeiudeverbands in Verbindung zu setzen, um etwas Ersprießliches zu begründen. Ein in Ostpreußen ergrauter Kultusbeamter deutscher Herkunft. O e ft e r r.- 1l n g a r. M o n a r ch i e. W. Budapest. Im Nr men der orthodoxen Durchsührungskommission richtete ihr Präsivent Rabbiner Leopold Lip sch ätz ein offenes Schreiben an die vaterländische Judenheit, indem er einen Rechenschaftsbericht über die gegenwärtige Lage der konfessionellen Angelegenheiten ertheilt und darauf hinweift, daß, nachdem sich die Verbältnisie geändert haben, eine Ergänzung und Modificalion der Organisationsstatuten nothwendig wird. Nachdem diese unter Mitwirkung eines Rabbinerkollegiums festgestellt wurden, ist dem Eultus- und Unterrichts Ministerium in dieser Angelegenheit eine Denkschrift zugegangen mit der Bitte, es möge seine eventuellen Einwendungen der Durchführungskommission bekanntgeben, bevor diese der einzuberufenden Landcshauplversammlung orthodoxer Gemeinden vorgelegt werden. Doch das Ministerium wolle, wie es in dem Schreiben heißt, die meritorische Erledigung der Denkschrift nicht vornehmen und auch den Cougreß nicht einberufen, sondern habe die den neuen Verhältnissen entsprechenden Modificationen des Organisationsstatutes in Aussicht genommen, doch wolle es erst dann Verfügungen treffen, wenn sich die Vertretung der Confession darüber geäußert haben wird. Letzteres veranlaffe nun den Schreiber der offenen Brieses die Landeskommission zu einer Versammlung behufs eingehender Besprechung der Lage einzuladen.

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