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Der Israelit · 1898-11-14 · Heft 90 (14.11.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 90 (14.11.1898)
Date
1898-11-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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bic letzte Probe, aus welche ihn Gott stellt, der Tugendheld kehrt siegessroy zurück unt» man würde erwarten, daß er zum Lohne seiner staunenerregendeti Gottergebenheit nunmehr des ungestörten Glückes sich erfreuen werde. Aber dem ist nicht so. Die Thora selbst ruft trauernd aus: nrrp rrvb cn-zs xz-. „Bedenket! Abraham kehrt von Beer Schema, dem Orte seiner glänzend bestandenen Prüfung zurück — um seine geliebte Sarah zu beklagen und zu beweinen." Er sollte seinen Kindern das Beispiel darbieten, die Freude an der Pflichterfüllung höher als alle Freuden der Erde zu achten und ste zur Nachahmung anzueifern. WaS d e r P r i e st e r i n s e i n e r G e m e i n d e, Israel in der Weltgemeinde, das war der Erstgeborene in der Familie zur Zeit der Patriarchen. Er war der Auserwählte der Familie. Als solchem fielen ihm die meisten Pflichten zu. Er mußte für die Forterhaltung des Hauses sorgen, war verpflichtet, die Familien ihren alten Traditionen gemäß zu erziehen. Sein Hauptberuf bestand in Pflichterfüllung, lind nur damit er seine Pflichten im vollsten Maße zu erfüllen im Stande sei, wurde ihm ein Vorzug der irdischen Güter zu Theil, welche nur als Mittel und als bloße Folge der Pflichten anzusehen sind. Ist aber die Pflichterfüllung das Erste und der materielle Vorzug die Folge, so leuchtet es ja Jedermann ein, daß bei Vernachlässigung der Pflicht, beim Aufhören der Ursache die Wirkung von selbst wegfalle. Lange bevor Jakob seinen Bruder Esau zur Uebertragung der Würde der Erstgeburt auf ihn aufgefordert, hatte Esau die Pflichten des Erstgeborelien vernachlässigt. Esau, der den ganzen Tag der wilden Jagd obliegt, hat keine Muße und kein Verftändniß für die gedeihliche Forterhaltung der Familie und für die Pflege ihrer Traditionen. Jakob, dem es um bic Zukunft seines Vaterhauses bange war, nahm die Bürde der Pflichten auf sich und er hatte es eigentlich gar nicht nöthig die Pflichten der Erstgeburt von Esau zu kaufen. Indem sic Esau nicht erfüllte, fielen sie von selbst ihm zu. Als aber Esau eines Tages völlig erschöpft von der Jagd heimkehrte und voll Gier nach dem „Rothen" verlangt, da illustrirte die Situation, in der Esau sich befand, am grellsten die Vernachlässigung der Erftgeburipflichten von Seiten Esau's. Wer feine ganze Zeit und seine ganze Thatkraft dem Erlegen wilder Thiere widmet, der verspürt sicherlich wenig Idealismus in sich, der zur gewissenhaften Pflichterfüllung nöthig, der wird sicherlich nicht in der Pflichterfüllung seine größte Freude und Glückseligkeit finden. Obgleich nun Jakob schon vor der Verkaufsscene faktisch die Pflichten des Erstgeborenen erfüllte und demzufolge rechtmäßiger B'chor war, wollte er pn nrva cveb aii3 purer Lovali tat die nachkauüicheZustimmung Esau's zur Ueberuahrne der Erstgeburtspflichteu erlangen, auf welche er mit umso größerer Bestimmtheit rechnen konnte, da das wilde Leben Esau's eine offenkundige Verhöhnung der Erstgeburtswürde war. Und wenn vielleicht Jakob im Stillen die Hoffnung hegte, sein Bruder werde zum Ernste der Pflichten zurückkehren, so zeigte ihm die totale Erschöpfung und die Todesmüdigkeit desselben, wie tief er gesunken; in diesem Momente schwanden alle Bedenken und wurde es ihm zur Gewißheit, daß die Verheißungen, welche an das HanS seines Vaters geknüpft, rettungslos verloren gehen, so er nicht mit der ganzen Kraft feiner Seele und ohne jeden Rückhalt an die Stelle feines Bruders trete. Weit entfernt in der Aufforderung Jakob's, Esau möge ihm die Erstgeburtwürde überlassen, ein „Raffinement" zu erblicken, zeugt dieselbe von dem Edelsinn Jakob's, der in hochherziger Weise Pflichten anderer sich aufbürdet, diese in der Hoffnung, daß die Zeit seinen Bruder an seine Pflicht mahnen werde, im Stillen ausübt und erst nach jener tragischen Katastrophe, da die völlige Gesunkenheit seines Bruders zu seinem großen Leidwesen zu ^age tritt, verlangt er zum lleberfluß die äußerliche Ueber laffung jener Pflichten, die er längst gewissenhaft erfüllte. Mit Uebernahule der Erstgeburtspflichten fielen Jakob consequenter Weise auch die zur leichten Erfüllung derselben nöthigen, irdischen Güter zu. Ja kob brauchte blos seinem Vater Aufklärung über den Eharacter des Esau zu geben und Isak würde wohl keinen Augenblick gezögert haben seinen Segen, der dem Erstgeborenen eine Fülle der irdischen Güter verheißt, denk Jakob zu ertheilen. Aber der liebende Sohn konnte unmöglich seinem greisen Vater den schönen Glauben, daß Esau kein würdiger Sohn, zerstören. Vor der Alternative stehend', dem Vater namenloses Weh, ob der Gesunkenheit seines Sohnes zu verursachen oder sich selbst der Mittel zur Erfüllung seines nunmehrigen Berufes zu berauben, blieb ihm keine andere Wahl als zur Schonung der Gefühle feinet Vaters und zur gleichzeitigen Rettung der Traditionen seiner Familie, für einen Moment die Rolle seines Bruders zu spielen. Natürlich nachdem der Segen bereits Jakob er theilt war als Folge der seinerseits übernommenen Pflichten, reut Esau die Uebertragung der letzteren auf Jacob. Auf die irdischen Vortheile der Erstgeburt mochte er nicht verzichten. Ueber den Verlust der geistigen Güter tröstet er sich bald, kann aber die völlige Einbuße der irdischen nicht verschmerzen und ruft darum klagend: "rws -b *Pi\x xbn„ Isak aber, dem nun die Augen geöffnet wurden, der die

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