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Der Israelit · 1898-11-10 · Heft 89 (10.11.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 89 (10.11.1898)
Date
1898-11-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1655 verheirathet und soll demnächst das Reichsgebiet verlassen. Man findet hier in Börsen- und den angesehensten Bürgerkreifin absolut keine Erklärung für dieses rigorose Vorgehen gegen Personen, die sich absolut nichts zu schulden kommen laffen, sich um Politik nicht kümmern, lediglich ruhig ihren Geschäften in redlicher Weise widmen und beträchtluhe Steuern zahlen. Ob unser Oberpräsident hierin völlig selbstständig handelt, oder Weisungen aus Berlin folgt, wäre wirklich intereffant, zu erfahren. 0. Bonn. (Ein Mahnwort an die Studenten.) Von der Universität berichtet der „Gen - Anz." für Bonn und Umgegend. Hierselbst wurden in der Aula noch etwa 88 neue Studirende in den Verband der rheinischen Hochschule ausgenommen. Der Rektor Geheimerath Koester richtete an sie ein beherzigenswerthes Wort. Er ging aus von der Beobachtung, daß Viele — namentlich studentische Vereine — in ihrem Schilde die „Pflege deutschnationaler Gesinnung" setzen. Geheimrath Koester betrachtet das als überflüssig. Wenn man nicht mehr bezwecke als das, so bedürfe es keiner besonderen Vereinsgründung. Oder dächten die Verfechter solcher Ziele wohl, daß nationale Gesinnung geübt werden müfle, damit sie sie ihnen nicht verloren gehe, wie etwa die Fertigkeit beim Klavierspiel. Es könnte auch leicht den Anschein gewinnen, daß die nationale Gesinnung nach außen an den Tag gelegt werden soll, etwa wie man ein Prunkstück in's Schaufenster setzt. Dahin gehört sie aber nicht, sie gehört in die Häuslichkeit. Keiner kann für sich in Anspruch nehmen, daß gerade er die deutsch-nationale Gesinnungstüchtigkeit gepachtet habe. „Ich behaupte", fuhr der Rektor mit gehobener Stimme fort, „daß jeder deutsche Student national gesinnt ist. Oder haben Sie vergessen, daß, wenn je das Vaterland in Gefahr schwebte, unsere ganze studentische Jugend einmüthig in die Schanze trat. Die Ehrentafeln unserer Universität beweisen es. Und so wie es war, wird, wenn — was ich nicht hoffe — die Noth wieder ruft, auch in Zukunft sein. Sollten Sie aber wirklich einen deutschen Studenten finden, der sich gegen sein Vaterland vergäße, so bringt uns den Kerl, aber mit Beweisen in der Hand, wirklichen Beweisen, denn wir sind keine Schreib-Experten." Der „Deutschen TageSztg." (3. Nov.) sind diese einsichtsvollen Worte sehr unangenehm. Sie schreibt: „Leider können wir dem Herrn Rektor nicht Recht geben. Unter den Studenten deutscher Abstammung gibt es allerdings wenige, die nicht deutsch-national gesinnt sind; aber leider zählen sich auch Studenten anderer Rasse zu den deutschen Studenten, und bei denen ist deutsch-nationale Gesinnung recht selten." Wir sind gespannt zu erfahren, wie ein stuck, phil. Hans Müller seine deutsch-nationale Gesinnung * stärker beweisen kann als ein stuck, jur. Fritz Cohn. Sind Kommerse, Mensuren, patentes Auftreten, reiche Geldausgaben rc. Zeichen besonderer deutsch-nationaler Gesinnung? Oder reichlich ausgebrachte „Hochs" und „Deutschland, Deutschland über alles?" Gegen diesen bei jeder Gelegenheit zur Schau getragenen „Patriotismus" hat sich einst I. Grimm, der Deutschesten Einer, mit Recht gewandt. Einen Werthmeffer für die deutsch-nationale Gesinnung gibt es nicht. Wie will daher das Agrarierblatt den jüdischen Studenten deuischsoziale Gesinnung absprechen! Hier entscheidet doch das Leben alles! England.? London. In der Federation of Synagogues fand am 23. October eine Vorstandssitzung statt, bei der der Präsident Sir Samuel Montague die Gelegenheit wahrnahm, um sich in den schärfsten Ausdrücken gegen den Herzlichen Zionismus und die geplante Bank auszusprechen. Er wurde dabei von Hermann Landau unterstützt und beide betonten gleichzeitig, daß weder in ihrer Liebe znm heiligen Lande noch in ihrer Fürsorge für ihre armen russischen Brüder Herzl oder irgend einem Zionisten nachstünden. Herzl fand einige Vertheidiger in den Herren B. Ritter, S. Alexander und I. Singer, mährend Boechbinder auf das minimale Resultat der Sammlungen für den Board of Guardians hinwies, das noch in keinem Jahre so klein ausgefallen sei und dafür die Schekelsammlungen verantwortlich machte. Da von keiner Seite eine Resolution beantragt wurde, so ging die Versammlung dann zur Tagesordnung über. Persien. r Teheran. Herr Cazös, der die Schule der Alliance hierselbft organisieren soll, ist Anfang Juli dort angelangt. Folgendes berichtet er an das Central-Komilee über die jüdische Gemeinde: Die Gemeinde von Teheran zählt ungefähr 6000 Seelen. Die Juden sind nicht auf ein bestimmtes Viertel gebunden, aber sie wohnen familienweise um die Synagogen, sodaß ein Stadtviertel nur von Juden bewohnt ist. In diesem Thcile von Teheran ist die Sauberkeit zweifelhaft; theils durch den bösen Willen der Mohamedaner, die die Straßenfeger nicht dorthin schicken, theils durch die Nachlässigkeit der Juden, die sich nicht die geringste Mühe geben, diesem schlimmen Zustande abzuhelfen. Die Häuser sind meist klein, sie bestehen aus fünf bis sechs Zimmern, manchmal mehr, die um einen Hof liegen, der in der Mitte ein Bassin hat. Dies ist übrigens die häufigste Anordnung in Teheran. Die meisten Häuser haben ein Enderaum, das ist ein besonderes Frauengemach. Die Weiber sind nie zu

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