Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 89 (10.11.1898)
- Date
- 1898-11-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1656 sehen, sic gehen vcrschlcicrk aus, nur die Augen unverhnM. Die Inden tragen eine besondere Kleidung, dadurch sind sie sofort erkennbar und den Mißhandlungen der Mohamedaner ausgesctzt. Hier muß ich einige Worte über das Abzeichen hinzufügen. Vor ungefähr zwei Jahren hetzte ein fanatischer Mollah die Mohamedaner auf und zwang die Juden ein Stück rothen Stoff auf ihren Kleidern zu tragen. Die Juden protcstirten bei den Behörden. Diese, die im allgemeinen den Juden wohlgeneigt sind, versprachen den Fall zu prüfen, aber sie sind sehr schwach, und die Priester haben einen großen Einfluß auf die Menge. Die Regierung konnte die Maßregel nicht unterdrücken. Sie ersetzte das Abzeichen durch ein rechtwinkliges Metallstück, welches die Juden am Halse trugen. Mit der Zeit haben sich viele dessen entledigt, kleiden sich nach Perserart und sind von ihren andersgläubigen Mitbürgern nicht zu unterscheiden, die meisten tragen es aber noch. Jeder Nichtmohamedaner wird hier als unrein angesehen, jeder von ihnen berührte Gegenstand ist unrein. Indessen haben sich die Christen durch ihre Haltung und Zerstreuung in den verschiedenen Vierteln leicht mit den Mohamedaner» assimiliert, während die Juden nur in einem Viertel leben und sich durch ihre Absonderung den Spott, die Drohungen und Verfolgungen zuziehen. Ihre Lebensweise und ihr Gewerbe setzen sie auch der Verachtung aus. Biele sind Händler mit alten Kleidern. Sie ziehen mit ihren Frauen in den Straßen und Häusern herum, schreien und gestikulieren, und verkaufen schmutzige Lumpen. Seit einiger Zeit haben einige von ihnen Läden, wo sie Stoffe verkaufen und haben so ihre Lage verbessert. Sie haben Läden unter den Mohamedanern, was ihnen von Zeit zu Zeit Unannehmlichkeiten zuzieht. Einige sind Antiquitätenhändler. Es giebt wenige Reiche, zwei oder drei Juden haben 30 000 bis 40 000 Fr., die andern sind arm. Das Verhältniß der Armen ist viel größer als an anderen Orten. Was die Moral anbelangt, so habe ich bemerkt, daß die Sitten im allgemeinen gut sind. Man sieht nicht z. B., daß die Fremden ihre Vergnügen viel im Judenviertel suchen, ebenso ist es in vielen orientalischen Städten. Die Wohlthätigkeit ist zwar nicht organisiert, aber doch bei den Juden vorhanden; die Zahl der Bettler ist nicht viel größer als in den anderen Städten, aber viel kleiner als die der mohamedanischen Bettler, die die Straßen überfluthen. Alles in allem, braucht die Gemeinde von Teheran noch viele Verbesserungen, aber sie hat viele Fortschrittselemente, und wenn man sie mit Geld unterstützt, werden sich diese Elemente entwickeln. Vermischtes. *4 Hamburg, Rom .v>m Dr. v'\ o h n Israel ist in der lischt mm Sonntag auf Montag plötzlich verstorben. Mit ihm ist ein Mann dahingeschieden, der in seinem Beruf als Rechtsanwalt durch Gewissenhaftigkeit und vornehme Gesinnung sich dauernd die größte Hochachtung und Anerkennung erworben bat und unter seinen Berufsgenoffen allseitige Beliebtheit genoß- In seiner öffentlichen Thätigkeit als Mitglied der Bürgerschaft, der er 30 Jahre, von lStfs bis jit den diesjährigen Neuwahlen unausgesetzt angehörte, und namentlich auch als Mitglied der Oberschulbehördc war Herr Dr. John Israel wegen seiner Pflichttreue und Gerechtigkeitsliebe und nicht minder wegen feiner persönlichen Liebenswürdigkeit, die alle Differenzen auszugleichen bemüht war, in hohem Grade Igeschätzt Seine angegriffene Gesundheit zwang ihn, zum größten Bedauern seiner Freunde, bei den Neuwahlen zur Bürgerschaft aus ein ferneres Mandat zu verzichten. Die Kunde von seinem Hinscheiden wird bei allen seinen Freunden allsrichtige Trauer und in den weitesten Kreisen lebhaftes Bedauern erwecken. Brarrnschwetg, 4. Nov. In einem Portrage über den laliuub sagte Herr Pastor Warnecke—Helmftadr: Für antisemitische Zwecke könne nran nicht den Talmud benutzen, dazu sei weit eher der jüdische Katechismus der Schulchan- Aruch zu verwenden. Ob dem Herrn Pastor schon eine andere Uebersetzung des Schulchan-Arnch zu Gesicht gekommen ist, als die, die der antisemitische Lügner und Fälscher Fritsch von einigen Paragraphen angesertigt oder besser abgeschrieben hat? Petersburg. Ein Gesetz betreffend Gründung einer hebräischen Ackerbaukolonie aus dem Gute des Barons Horace Guenzburg, Dshemen Abad in Beffarabien ist am Mittwoch von der russischen Regierung publizirt worden. Das 500 Desjatinen große Gut wird zur Ansiedelung ackerbautreibender Hebräer parzellirt, wobei die Ansiedler während der ersten vier Jahre kein Abgaben zu zahlen brauchen. Moskau Mehrere Warschauer reiche Israeliten schreiten nach dem „K. W." zur Bildung einer Aktiengesellschaft zur Herausgabe von literarischen Erzeugnissen in jüdischem Jargon nach dem Muster der bereits in Warschau eristirenden Perlagsfirma „Achiasat". Die neue Gesellschaft gedenkt außer besseren belletristischen Werken auch populäre wissenschastliche Werke berauszugeben. Letzte Nachrichten. Großbltttersdorf. Verflossenen Samstag Parsch. Wajero hatte die hiesige Gemeinde die Ehre, den vor einiger Zeit von Buchsweiler nach Saargemünd versetzten Herrn Rabbiner Dr. Netter in ihrer Mitte weilen zu sehen. Der Zweck dieses Besuche» — Herr Netter wird in Zukunft allen zu seinem Rabbinat gehörigen Ortschaften regelmäßige Besuche abstatten — war eine am Samstag früh vor dem Ausheben der Thora gehaltene Predigt, durch welche wir, nachdem wir Herrn Dr. Netter schon mehrmals bei Trauungen zu hören Gelegenheit hatten, in der Ueberzeugung bestärkt wurden, daß dieser Herr ein vorzüglicher Redner ist. Aus die etwa dreiviertel Stunde dauernde Rede wollen wir nicht näher eingehen, nur da» wollen wir bemerken, daß dieselbe mit dem Spruche „Weihi or" „Es werde Licht" eingeleitet