Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 89 (10.11.1898)
- Date
- 1898-11-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448939--47088-2497427- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1650 Individuen aufmachsen. Wie kann jemand sich für eine Religion begeistern, die er gar nicht kennt, für etwas einstehen, was ihm ganz fremd ist? Frankreich.? Paris. Elermont - Garneau hat der Akademie der Inschriften mitgetheilt, daß es ihm gelungen fei eine Inschrift in Theil-El-Gvzek zu finden. welche die Südgrenze des Territoriums der Stadt Gazer angiebt. Bekanntlich hat dieser Gelehrte vor einigen Jahren eine andere Inschrift entdeckt, die ebenfalls einen Grenzstein dieses Territoriums bezeichnet. Es wird jetzt möglich sein Ausgrabungen mit Aussicht auf Erfolg in dem durch die beiden Grenzsteine bezeichneten Gebiete vorzunehmen, und Clermont-Garneau ist um Bewilligung der nöthigen Geldmittel eingekommen. Die Stadt Gazer kommt bereits auf alten Keilschriften noch von der hebräischen Zeit vor und wird ihr damaliger König Horam genannt, später war sie nach einander im Besitz der Chaldäer, der Aegypter und der Philister. Als König Salomo die Tochter des Pharao heirathete, eroberte der Letztere Gazer und schenkte diese Stadt seinem Schwiegersohn als Mitgift. Unter dem Namen Montgizart spielte die Stadt in der Kreuzfahrerzeil wieder eine Rolle und Richard Löwenherz gewann hier einen großen Sieg über Sultan Saladin. Wer weiß, welche wissenschaftliche Schätze noch in diesem Boden stecken. England.? London. Die jüdifche Krippe in Sepherd Street 35, Spitalfields, hat nach ihrem ersten Jahresbericht sehr erfreuliche Resultate zu verzeichnen. Bei der großen Anzahl von jüdischen Frauen, die zur Arbeit gehen müssen und für ihre Kinder nicht sorgen können, war eine derartige Anstalt ein wirkliches Bedürfniß. Die Generosität von Mocatta, Herrmann Landau, I. Spielmann und M. Schwabacher ermöglichte endlich ihre Eröffnung und die zahlreiche Inanspruchnahme ist der beste Beweis ihrer Notwendigkeit. Vermischtes In Jaslo hat eine Gerichtsverhandlung gegen 80 antisemitische Excedenten stattgefunden, von denen 66 zu 3 Wochen bis 11 Monaten Gesängniß verurtheilt und nur 14 freigesprochen wurden. Lorrdo«. Der am 9. Sehr. 1898 verstorbene Maurice Beddington hinterließ für wohlthätige jüdische Zwecke die Summe von 145,000 Mark, wovon das jüdische Hospital und Waisenhaus in Lower Aorwood 60,000 Mark, «ne Debdinglon-Stiftung für Arme jüdischen Glaubens 40,000 Mark, der Jewish Board of Guardians 10,000 Mark unb andere Anstalten, zusammen 35,000 Mark, erhielten. Meoieo. Auch hier wurde diesmal jüdischer Gottesdienst abgehalten, freilich nur an provisorisch hergerichteter Stelle, in Schillers Restaurant, und nur am Versöhnungsseste, doch dürfen wir jetzt hier hoffen, allmählich zu einer jüdischen Gemeinde zu kommen. Feuilleton. —eMg Verkauft. — Eine Erzählung aus Ungarn. 23) Von Samuel B. Rofuer. Schulamit hatte sich bald in dem neuen Kreise zurechtgesunden, die Felders waren gute, daseinsfrohe Menschen, die ein jeder bald liebgewinnen mußte und vollends gar, wenn sie es mit ihren Sympathien so herzlich meinten, wie dies Schulamit gegenüber der Fall war. Das war eine förmliche Schwärmerei, mit welcher sie das holde Kind umgaben. Nun, einen kleinen Theil mochte auch die Eitelkeit daran haben, denn man feierte mit Schulamit bei allen Freunden und Bekannten, bei denen man sie einführte, förmliche Triumphe. So viel Schönheit, Anmuth und Verstand vereint, erregte überall Sensation. Und nichts sprach so sehr für das unverdorbene Gemüth der Leute, als daß auch die Mädchen an den Triumphen Schulamits ohne Rückhalt Antheil nahmen, von den Eltern und von Rudolf gar nicht zu reden. Professor Maks Felder lebte in bescheidenen, aber geordneten Verhältnissen ein von gegenseitiger Liebe und Werthschätzung sanft erhelltes Familienleben. Es gab darin nur einen dunklen Punkt, jedoch weniger für den arbeitsfreudigen und pflichteifrigen Professor, als für seine hingebungsvolle Frau und Kinder und zwar bestand dieser in dem frühgebleichten Haar und der gefurchten Stirne des Mannes, welche von ttberangestrengter Arbeit zeugten. Um den Sohn wissenschaftlich ausbilden lassen und für die Mädchen ein bescheidenes Sümmchen bei Seite legen zu können, mußte Professor Felder einen Theil seiner freien Zeit zu Geld schlagen, was er theils durch Ertheilen von Privatunterricht, theils durch schriftstellerische Thätigkeit erreichte. Jedoch das sollte nicht mehr lange dauern. In zwei Jähren war Rudolf fertig und in weiteren zwei Jahren waren die Policen der Mädchen, deren jede auf 5000 Gulden versichert war, ausgezahlt und dann sollte eine jede Nebenbeschäftigung abgeschüttelt werden. Der sonnige Ausblick auf diese allmählig näher rückende Zeit bildete das Thema mancher traulichen Plauderstunde. Professor Felder war ein treuer Anhänger des