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Der Israelit · 1898-11-10 · Heft 89 (10.11.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 89 (10.11.1898)
Date
1898-11-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1649 Brunetla. Er genoß alles irdische Glück an ihrer Sette, und als er sie begraben mußte, da ist für ihn die Schönheit untergegangen „des Antlitzes und des Geistes." Auch Söhne hat er besessen, der älteste, Moses, ist früh gestorben. Sein Schwiegervater wurde ermordet aufgefunden. Nachdem er als Mitglied des Rabbinats angestellt war, finden wir ihn plötzlich ferne von Rom in Fermo, wo er bei einem jüdischen Großen sein Leben fristet. Dennoch ist er immer heiter wie das Judenthum, finden wir doch den jüdischen Humor schon in den ältesten Zeiten, im Talmud, wo Abba seine Portrage mit Scherzen einlcrtet. sieben übernlüthigen Spottgedichten, schrieb er auch tiefreligiöse Lieder, von denen einige im römischen Machsor des VersöhnungotagS enthalten sind. Er kannte die Bibel und lebte danach, aber ebensogut kannte er die geheimsten Gänge des Frauenherzens. Damals erregte Dantes „göttliche Komödie" die Gemächer von ganz Italien. Während diese Himmel- und Höllenfahrt offenbar derjenigen nachgebildet war, welche, der Erzählung deS Talmuds nach, Nabbi Josua ben Lcvi unter Führung des Propheten Elias unternommen hatte, entstanden allerlei Nachahmungen DanteS, und anch Immanuel verfaßte eine solche, in der cr durch Daniel geführt sein will. Im Himmel werden seine Verdienste sehr gepriesen, dort sieht er auch Nichtjuden, fromme Heiden, die sich vom Aberglauben losgerungen und die Menschenpflichten treulich erfüllt haben Anders Dante,' dieser sieht im Paradies nur Katholiken. Es ist die «>eele des Judenthums, die im Jmmannel lächelt. Das ist göttlicher Humor- — Ueber Immanuel hat die Nachwelt verschieden geurtheilt Viele haben ihm seine Heiterkeit übel genommen. Bald nach seinem Tod hat aber das Ghetto mit seinem ganzen Leiden begonnen. Hundert Jahre nach ihm lebte MoseS Nicti, der auch eine „gottlicke Komödie" verfaßte, ihn aber wegen seiner sreimüthigen Aeußerungen über die Liebe nickt erwähnte Der Schulchan Aruch zählt ihn unter die Schriftsteller, die man anr Sabbat nicht lesen soll. Alle diese Stimmen stammen aus einer Zeit des Druckes, ivie ihn die Juden Italiens im dreizehnten Jahrhundert nicht kannten. Immanuels Werke sind eine großartige Quelle für die Eultur der damaligen Zeit, aber ihr hebräisches Gewand macht es schwer sie zu lesen. Der Vortragende stattete seine Rebe mit trefflich übersetzten Proben von Dichtungen Immanuels aus und erntete reichen Beifall. O e st e r r.- u n g a r. Monarchie. Aus Mähren, 7. Nov. Infolge der durch das Loos ausscheidenden fünf Mitglieder des Cultusausschuffes der Cultusvertretung in Brünn, deren Mandatsdauer mit Ende Oelover zu Ende ging, wurde, die Ersatzwahl für den 27. November ausgeschrieben; da ferner durch den Tod des Fabrikanten Herrn Alois Müller und der Resignation des Herrn Hermann Bloch noch ,zwei weitere Mandate erledigt sind, so sind im ganzen sieben Vertreter in den CultuS zu wählen: Ausgelost wurden folgende fünf Herren: Leopold Bauer, Dr. Jakob Ehrenstein, kaiserl. Rath, David Mandl, Heinrich Suback und Adolph Weinberger. Anläßlich der bevorstehenden Wahl können wir den Wählern es nicht genug ans Herz legen, ihre Stimmen j'auf solche Männer zu vereinigen, deren Herz warm für das Judenthum und für die vieltausendjährige Geschichte deffelben schlägt, Männer, die gottesfürchtig sind, die Hochhalten die jüdische Tradition, Männer von Wahrheit und solche, die den Gewinn Haffen, Männer, die Gegner einer jeden Reform auf rituellem Gebiete sind, und deren hochheiliges Bestreben dahingehen soll, das in seinem Grundfesten erschütterte Judenthum der Landeshauptstadt in seiner ursprünglichen Reinheit wieder herzustellen. Vieles, sehr vieles muß geändert werden, um aus Brünn, wenn nicht eine konservative — so unbescheiden können wir unter den dermaligen Verhältnissen nicht sein — so doch wenigstens eine etwas religiösere Gemeinde zu machen. Das Hauptaugenmerk wird zunächst auf die gottesdienstlichen Einrichtungen, welche den religiösen Zustand einer Gemeinde wenigstens äußerlich charakterisiren, zu legen sein. Da heißt es zunächst Abschaffung des Damenchores, dieser schreiendsten Versündigung gegen das Judenthum. Unsere Alten hatten Recht, wenn sie sagten: niiu nem denn nichts ist im Stande so die Andacht abzulenken, wie die weiblichen Stimmen; und wenn an die ini Tempel Versammelten und zwar hauptsächlich an die jüngeren Männer und Jünglinge die Frage erginge, was für Gefühle in ihnen der Gesang der jungen Mädchen wachgerufen haben, so wird, wenn sie unverhohlen, ehrlich und offen ihre Meinung sagen, eine Antwort heran? kommen, die wir der Sittlichkeit wegen hier nicht wiederzugeben wagen. Darum ergeht an Euch, ihr Vertreter der Brünner CultnSgemeinde der Ruf: Fort mit dem Damenchor, er schändet Euren Gottesdienst, er schändet das Judenthum. Weiters soll die Bestrebung der neuen Vertretung dahin gehen, die an den Feiertagen zum Vortrag kommenden deutschen Lieder abzuschaffen. Ist die hebräische Sprache schon bankrott geworden, daß man zu einer anderen dem Gottesdienste ganz fremden Sprache greisen muß? Ist es nicht Pflicht eines jeden ehrlichen Juden die hebräische Sprache hochzuhalten, damit nicht das einzige Band, welches sämmtliche Bekenner unseres Glaubens, mögen sie in verschiedenen Ländern und unter verschiedenen Zonen wohnen, verbindet, zerriffen werde. Die Wichtigkeit der hebräischen Sprache hier darzuthun, würden zu weit führen und nur das eine sei gesagt, daß sich derjenige, der eine andere Sprache unserer heiligen Sprache beim Gottesdienste vorzieht, schwer gegen das Judenthum vergeht. Ferner soll jeder Vertreter als seine heiligste Pflicht es ansehen, daß dem Religionsunterricht eine weit intensivere Pflege zutheil werde, als dies bis jetzt geschehen isi. Die Anzahl von zwei wöchentlichen Unterrichtsstunden, welches Ausmaß bis nun dem Religionsunterrichte zugewiesen wurden, ist nicht hinreichend, um auch nur halbwegs bescheidene Erfolge zu erzielen. Unter solchen Umständen müssen lauter unwissende, dem Geiste des Judenthums ganz fremde

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