Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1898)
- Date
- 1898-11-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1089 zur Heranbildung jüdischer Krankenwärter und Kranken-! Wärterinnen, zu zeigen, daß dieses herangebildete jüdische Wartepersonal vermöge seines jüdischen mitfühlenden Herzens, seiner Glaubenstreue, seines Pflichteifers allen Anforderungen entsprechen wird, welche man an solche Personen zu stellen berechtigt ist. Es ist eine alte Erfahrungs-Thatsache, daß eine gute Pflege des Kranken die beste Stütze der Genesung ist. Und was geschah in dieser Richtung bisher bei den jüdischen Kranken? War der Kranke arm, so lag er, wenn seine Angehörigen anderweitig beschäftigt waren, allein und verlaflen in seinem Krankenbette; von einer entsprechenden Pflege konnte kaum die Rede sein. War der Kranke reich, so mußte man sich an verschiedene Nonnen, barmherzige Schwestern oder an einen Diaconisien-Orden wenden, oft ohne Erfolg, da ja diese Orden in erster Reihe den Bedürsnisien ihrer Glaubmsangehörigen zu dienen haben. „Wir haben es uns nun zur Aufgabe gestellt, jüdische Krankenwärter und Krankenwärterinnen heranzubilden, deren Lebensberuf einzig und allein die Pflege ihrer kranken Glaubensgen osten sein wird. Arme sollen unentgeltlich gepflegt werden. Wohlhabende ihren Verhältnissen entsprechend. Zu diesem Zwecke ist aber die moralische und materielle Mithilfe aller edeldenkenden Israeliten nothwendig. Es möge Jeder sein Scher flein beitragen, damit diese Institution eine Musteranstalt werde in Israel, eine Musteranstalt durchweht von dem echten jüdischen Geiste der Barmherzigkeit und Uneigennützigkeit!" Unterzeichnet ist der Aufruf von dem Direktor des isr. Spitals zu Preßburg, Herrn Dr. Jakob Fischer, Primararzt des kön. ung. Staatskrankenhaufes und dem Vorstand der Chewra-Kadischa der isr. Cultusgemeinde zu Preßburg, den Herren Joel Wolf und Lazar Gestetner. Diese Herren nehmen auch Anmeldungen als Mitglied und Gaben entgegen. Wir wünschen dem eminent wohlthätigen und Humanitären Unternehmen den besten Erfolg. England.? London. Das Comit4 für die Berathung der Pläne zur Hilfeleistung im Ostend von London publizirt seinen Bericht, der vielerlei Interessantes enthält. Die Vorschläge gipfeln in Folgendem: 1. wird die Errichtung eines Beth Din als Schiedsgericht für die Streitigkeiten der Juden des Ostends empfohlen. Für dieses Beth Din soll ein dritter Dajan engagirt werden, ferner soll dafür gesorgt werden, daß ein tüchtiger Advokat ebenfalls an den Sitzungen theilnimmt; 2. bei den Gerichtshöfen des Ostends sollen Dolmetscher eingestellt werden; 3. eine Anzahl von Gebäuden sollen errichtet werden mit einer großen Synagoge und einem Versammlungssaal für 1000 Personen, sowie Räume für kleinere Versammlungen; 4. ein Jnformationsburcau soll geschaffen werden, das Auskünfte bez. Aus- und Einwanderung, sowie bez. des Wechselns von Geld und der Versendung zu ertheilen; 5. Abendklassen, sowie Sonntagsschulen sollen für den Unterricht im Englischen eingerichtet werden; 6. an den vorhandenen Schulen soll nach Möglichkeit für Handfertigkeits- Unterricht gesorgt werden, endlich 7. sollen Vorträge veranstaltet und Klubs für Erwachsene, Jünglinge und junge Mädchen begründet werden. Außerdem sind noch viele Vorschläge von geringerer Bedeutung gemacht worden, die sich aber zu sehr mit Details beschäftigen, um allgemein interessiren zu können. R u ß l a n d. Petersburg. An den hiesigen Gymnasien ist jetzt durch Verfügung des Unterrichtsminifters jüdischer Religionsunterricht eingeführt worden. Die Kosten werden durch Erhöhung des Schulgeldes, außerdem durch einen Zuschuß der jüdischen Gemeinde gedeckt. Diese Neuerung erregt allgemeine Freude, denn da der Unterricht obligatorisch ist, kann es nicht mehr, wie früher, Vorkommen, daß jüdische Gymnastasten die Schule verlassen, ohne eine Spur von Kenntnissen in der jüdischen Religion. Noch ein erfreuliches Faktum ist zu berichten. Der Ackerbauminister hat endlich die Frage der Reserveländereien in den jüdischen Kolonien in günstigem Sinne entschieden. Bekanntlich hatten seinerzeit die jüdischen Kolonisten bei ihrer Anstedelung ein Terrain von 72 Acres erhalten und außerdem wurde für jede Familie ein Reservegrundstück von 36 Acres bestimmt, welches bei Vergrößerung der Familie überwiesen werden sollte. Diese Überweisung erfolgte indessen nicht, alle Beschwerden blieben lange erfolglos, endlich gelang es einer Deputation von Kolonisten, welche bei dem Minister gelegentlich seines Besuches in Odessa Audienz hatte, eine Aenderung zu erwirken. Die jüdischen Bauern in Brovo haben bereits ihre Reservegrundstücke erhalten und die anderen Kolonien werden mit der Vertheilung folgen. Aus Kiew wird mitgetheilt, daß eine Prüfung der Aufenthaltsberechtigung jener 5369 Juden, denen jetzt die Ausweisung angedroht ist, folgende Resultate ergeben hat: 2434 Juden dürfen doch wohnen bleiben, da sie schon vor dem Maigesetz 1882 dort gewohnt haben, 1924 Israeliten, deren Papiere nicht in Ordnung sind, müssen sich einer Nachprüfung ihrer Dokumente unterwerfen, endlich 1006 Juden müssen sofort ihren Wohnsitz verlassen und fünf haben dies aus freien Stücken gethan. — In der Universität von Kiew sind außer den 50 jüdischen Studenten, die nach dem- Prozentsatz zulässig sind, noch weitere 27 zugelassen worden, während 20 die Aufnahme verweigert wurde. — In