Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1898)
- Date
- 1898-11-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1634 hem Unterrichtsminister in Chikanen gegen die verhaßten Juden. So hat der Minister des Innern den Zutritt zu den öffentlichen Auktionen untersagt. Auch die Studenten nehmen natürlich an der Hetze Theil; auf einem Kongreß, den sie kürzlich in Jassy abgchalten haben, faßten sie den Beschluß an die Negierung zu petilioniren, um Gesetze zum Schutz gegen die Juden zu erbitten. Ein antisemitischer Senator hat einen Gesetzentwurf aufgeschwungen, der den Juden verbietet sich taufen zu lasten. Er hat diesen Vorschlag vor den Senat gebracht und derselbe dürfte wahrscheinlich auch angenommen werden. England.? London. Das neue Gebäude für die Vrick Lane Talmud-Thora-Schule, das an die Spitalsields- Synagoge angebaut ist, wurde am 23. October mit großerFeierlichkeit eingeweiht. 800 Kinderbenutzen diese Schule, doch sind in den neuen Baulichkeiten bequeme Räume für 1000 Schüler vorhanden. —- Die Jewisch Volontary Schools Association, das heißt die Vereinigung der jüdischen Volksschulen, hat von der Regierung den gesetzmäßigen Zuschuß von 56 000 Mark erhalten, wovon bei der Vertheilung die jüdische Freischule den größten Antheil mit rund 17 000 Mark erhielt. Argentinien.? Buenos-Ayres. Der September ist für den Juden der Feiertagsmonat, und auch in unserer Gemeinde hat dieser Monat ein wenig dazu beigetragen, Feiertagsstimmung hervorzurufen. Die Synagogen waren alle überfüllt, und der Besuch noch nie so gut, wie in tiefem Jahr. Die deutsche Gemeinde ist die Einzige, welche eine eigene Synagoge besitzt, während die anderen Gemeinden sich mit gemietheten Räumen behelfen mußten. Hier besteht noch allgemein die Sitte, die Mitzwos zu versteigern, und die Synagogenvorsteher behaupten, daß sie ohne diese Einnahmen die Synagogen nicht erhalten können. Wir besitzen hier noch keinen eigenen jüdischen Friedhof und es wird daher vorkommenden Falles der englische Friedhof benutzt; jedoch eine Chewra Kadischa, welche durch monatliche Beiträge der wohlhabenderen Israeliten erhalten wird. Leider kommen hier sehr viele Mischehen vor, selbst in den besseren Klassen, und' die eingeborenen Spanier sind gar nicht schwer zu diesen Ehen zu bewegen, wenn nur die Kinder als Katholiken erzogen werden. Unser Gottesdienst und unsere Sitten und Gebräuche sind übrigens für die einheimischen Spanier und Kreolen ein Gegenstand großen Interesses. An den letzten Feiertagen folgten viele von ihnen dem Gottesdienst mit großem Interesse und bei einer Hochzeit in der russich-jüdischen Gemeinde, die in größtem Maßstabe gefeiert wurde, waren mehr als 200"Kreolen anwesend, die bis zu dem folgenden Morgen mit großem Vergnügen an der Feier Antheil nahmen. Afrika.? Algier. Allmählich zeigt sich, welche verhängnißvolle Folgen das Dekret vom 23. August gehabt hat, durch welches die Konsistorialbezükc verkleinert worden sind. Abgesehen von andern Unannehmlichkeiten wird besonders schwer empfunden, daß die Einnahmen aus den Supplementarsteuern dem Konsistorium genommen, und den städtischen Wohlthätigkeitsbureaux zugewiesen sind. Freilich sollen sich die jüdischen Armen an diese Bureavx wenden, aber bei dem herrschenden Antisemitismus kann man sich denken, wie viel jüdische Arme erhalten werden.? Sud-Afrika. An einer ganzen Reihe von kleinen Plätzen, die keine eigene Gemeinde haben, sand an den letzten hohen Feiertagen jüdischer Gottesdienst statt. So in Bneipaal Klersdorp, Ecmelo und in den Goldmineu bei Johannikburg. In Johannesburg macht der neue Rabbiner Dr. Herz aus Nord-Amerika Furore. An jeden Sabbat, wenn er predigt, ist die Synagoge der alten Gemeinde überfüllt. — Ein Concert des jüdischen Jünglingsvereins in Copstadt, das kürzlich unter dem Protektorat des Gouverneurs stattfand, ergab einen Ueberschuß von rund 900 Mk. Derselbe wurde unter 12 Wohlthätigkeitsanstalten, vier Jüdische und acht Nichrjüdisch«', vertheilt. Feuilleton. —^ (-8 verkauft. — Eine Erzählung aus Ungarn. 22) Von Samuel B. Rosner. Endlich stand Schulamit in reizendem Reisekostüm, das Gesicht von der Aufregung und vom Weinen geröthet, zur Abfahrt bereit. Das Gepäck befand sich bereits im Wagen, und dieser harrte nur noch seiner Insassen, um davonznrollen. Es schien, als ob es Mutter und Kind gar nicht zu Stande bringen könnten, sich von einander zu trennen. Die Umarmungen wollten gar kein Ende nehmen und keines vermochte vor tiefer Bewegung ein Wort hervorznbrlngen. Rüben machte spöttische Bemerkungen über die übertriebene Sentimentalität, aber dabei war's auch ihm selber ganz eigen schwer um's Herz. — Endlich, nach halberstickten Worten — Ermahnungen einerseits, doch ja recht oft zu schreiben und heißen Betheuerungen von der anderen Seite — rissen sie sich gewaltsam von einander los.