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Der Israelit · 1898-11-07 · Heft 88 (7.11.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 88 (7.11.1898)
Date
1898-11-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1633 dungsanstalten gezeigt, sondern beweist, nur die wunde Stelle bloß gelegt zu haben, an der sie kranken. Das, was sie im Verhältnis zu ihren Mitteln leisten konnten, haben sie geleistet. Eine lebhafte Debatte schloß sich an obige Ausführungen. Die vsrgeschlaqene Resolution, Forderungen enthaltend, die sich aus dem Vortrage ergeben, wurde für die nächste Sitzung zur Berathung zurückgestellt. Altona, 28. Oct. 1898. W. Bachrach, Schriftführer. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. § Wien, 20.Oct. (Die jüdischenAerztc und oie Pest.) Der Jude fehlt bekanntlich nie und nirgends, wann und wo es gilt, ein humanes Werk zu vollziehen und feinem leidenven Mitmenschen Hilfe zu bringen. Auch die Pest, die jetzt b-i unsere schöne Kaiserstadt heimgesucht, hat dreien unserer Glaubensbrüder Gelegenheit geboten, nicht nur ihr edles Herz, sondern auch ihren Muth und ihre Todesverachtung zu zeigen. Die Pestkranken und -Verdächtigen hier wurden bisher von Dr. Pöch behandelt. Dieser hat jedoch jetzt den Behörden angezeigt, daß er sich nun erschöpft fühle und bat er um einen Stellvertreter. Als solcher wurde nun gestern D r. Max Maier, der sich freiwillig zu diesem gefährlichen Liebesdienst gemeldet, einberufen. Dr. Maier ist als Sohn des jüd. Dampfmühlenbesitzers und Cultusvorstehers in Gaya (n'I, Mähren, geboren und hat er seine medizinischen Studien hier in Wien gemacht. Ec war einige Jahre Schiffsarzt beim „Oesterreichischen Lloyd", als welcher er in der Welt weit herumkam. So war er in Alexandrien, Kairo, Aden, Bombay, China, Japan, Südamerika re. Gestern hat sich nun Dr. Maier von seinen Eltern und seinen Geschwistern verabschiedet, um seinen schweren Dienst anzutreten. Als eventueller Ersatzmannn für Dr. Maier ist wieder der jüdische Arzt Dr. Knöpfelm acher, der Sohn einer Wittwe, vorgemerkt. Schließlich muß ich noch des jüdischen Arztes Dr. Alexander Mar m or e k, Assistenten am Pasteur'schen Jnsttuute in Paris, erwähnen, der mit einer Sendung Heilserum eingetroffen ist, um die nöthigen Schutzimpfungen vorzunehmen. Dr. Maier ist ein Mann von Energie, wie er dies wiederholt, zuletzt in einer Affaire in Innsbruck bethätigte. Der Fürst von Bulgarien verlieh ihm jüngst — für die Behandlung seiner Kinder gelegentlich der Reise nach Constantinopel auf dem Lloydschiffe — einen Orden. Aus dem Franz Josephspitale hat Dr. Maier an seine Angehörigen nach Gaya ein Schreiben gerichtet, dem wir folgende Stelle entnehmen: Theuersie Eltern und Geschwister! Vor Allem muß ich euch vielmals um Verzeihung bitten, für den Schmerz und das Herzleid, das ihr nun habet. Den Schritt, den ihr für überspannt und unüberlegt betrachtet, halte ich für die Pflicht eines jeden Arztes, dem sein Beruf etwas Höheres, eine Mission ist. Es sind weder irdische Güter, noch Ehren, die mich veranlaßten, mein Leben auf's Spiel zu setzen. Ich hielt es für meine Pflicht, und darum habe ich meinen Entschluß auch ausgeführt. Es wäre bester gewesen, wenn ihr mir den Weg leichter gemacht hättet. Ich denke gar nicht ans Sterben, will aber doch meinen letzten Willen niederschreiben. Derselbe bleibt im Spitale. Wenn ich davonkomme, dann habe ich eine gute That begangen. Wenn ich sterbe, nun, dann will ich mich als Opfer betrachten, als Sühne für so manches Schlechte, das ich im Leben vielleicht begangen habe. Die liebe Mutter muß ich besonders um Verzeihung bitten; sie möge doch ihr Wort zurücknehmen. Das würde mich sehr beruhigen. Im Uebrigen, liebe Mutter, halte Dich so, wie ich es Dir gerathen. Vergessen ist verziehen! Unwillkürlich drängt sich mir ein Bild auf, dem ich immer nachhängen muß. Ich sehe euch um den Tisch versammelt und leider traurig. . Ich muß schließen, denn sonst übermannt mich die Rührung. Ich grüße euch Alle aus dem Grunde meines Herzens und rufe euch zu: Auf ein fröhliches Wiedersehen! Mit Gott Euer Max. Adressirt in Franz Joseph-Spital. Hallet meine Sachen bereit. Ich habe nur eine Patientin, die Wärterin Hochegger. Wien, 28. October 1898. R u m ä n i e n.? Bukarest. Die Schulfrage ist mit dem neuen Halbjahr wieder sehr brennend geworden, denn Tausende von Kindern jüdischer Eltern treiben sich in den Gassen umher, weil sie in den Schulen keine Aufnahme finden. Besonders schlimm ist es mit der Aufnahme in den Gymnasien bestellt, wo nicht ein Prozent der jüdischen Schüler, die sich gemeldet haben, angenommen worden sind. So fand in Bukarest von 60 Meldungen nicht eine Berücksichtigung, in Jaffy, wo mehr Juden als Christen wohnen, wurden 2/0 Christen und 10 Juden ausgenommen und so weiter. Das stärkste aber ist, daß auch die Kunstschule bestimmt hat, in das Architekturdepartement dürfen Juden nicht zugelasien werden. Neben diesen großen gehen noch viele kleine Chikanen einher, durch die die jüdischen Schulen behindert werden sollen. So dürfen nur im Lande gedruckte Schulbücher benutzt werden, den sephardischen Juden ist der Gebruch des fpaniolifchen Dialekts in der Schule verboten rc. Die anderen Minister wetteifern mit

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