Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1898)
- Date
- 1898-11-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1682 derselbe mit der Ausarbeitung eines der ersten Gs neralversammlung vorzulegenden Statutenentwurfs beauftraat wurde. Hamburg. (Lehrerverein Mendelsf o h n.) Der Lehrerverein Mendelssohn ist einer der jüngeren unter seinen Genossen, darum ist er den Lesern in den Zeitschriften noch selten entgegengetreten. Aber aus der kurzen Zeit seines Bestehens sind in seiner Entwickelungs-Geschichte zwei Momente zu verzeichnen, die auch der Oeffentlichkeit von Interesse sein fürsten, die Gründung des Handfertigkeitskursus für Knaben, welcher sich einer regen Betheiligung erfreut und die Mitwirkung zur Gründung einer Pensionskasse des Verbandes der jüdischen Lehrervereine des deutschen Reichs. Durch die Regsamkeit des Vorsitzenden des Vereins fiel dem erwähnten Verbände eine Schenkung von 150,000 Mark zu, ein Kapital, das für die Gründung einer Pensionskasse nicht zu unterschätzen ist. — Am 22. d. M. Abends 8V‘_> Uhr fand die erste Sitzung im Wintersemester statt. Der Vorsitzende, Kollege Feiner, hatte es selbst übernommen, die Reihe der Vorträge mit dem Thema: „Ueber die Vorbildung des jüdischen Lehrers" zu eröffnen. Der sehr umfangreiche und gut durchgeführte Vortrag wird wahrscheinlich im Druck erscheinen; doch möge hier ein kurzgefaßtes Referat desselben Aufnahme finden. Die Dissonanz der Bildungsnicht der Besitzgegensätze ist die eigentliche Ursache der sozialen Gefahr, die Gegensätze im Empfinden und Denken. Zur Ueberbrückung dieser Gegensätze ist hauptsächlich der Lehrer berufen. Mit welchen Mitteln zur Erreichung dieses Zieles der Lehrer in seinem Berufe zu arbeiten hat,darüber zu berathen, finden die Lehrertage und sonstigen Berufsversammlungen statt. Bei Gelegenheit des deutschen Lehrertages in Hamburg im Sommer 1896 ist es schmerzlich empfunden worden, daß gerade viele hiesige jüdische Lehrer den Berathungen fern blieben. Redner glaubt mit Recht, diese Kollegen zu den Lauen und Stillen rechnen zu dürfen, denen jegliches Interesse an den pädagogischen Fragen der Gegenwart abgeht. Ganz besonders trat die Theilnahmlosigkeit der jüdischen Lehrerschaft zu Tage, als der Verband der jüdischen Lehrervereine eine Enquete veranstaltete und von ca. 1000 Lehrern etwa 500 die Fragebogen ausgefüllt zurücksandten. Letzterer Umstand ist umsomehr zu bedauern, als diese Enquete doch nur eine Besserstellung der jüdischen Lehrer anstrebte. „Soll es besser werden, so müssen wir besser werden." Darum ist es zu wünschen, daß die jüdische Lehrerschaft aus ihrer Lauheit heraustretc und sich der pädagogischen Bewegung anschtießt, die durch die Ausführungen des Professors Rein auf dem letzten Lehrertage in Breslau angeregt worden ist, bis die Kluft vom seminaristisch zum akademisch gebildeten Lehrer ausgesüllt ist. Leider wird von den Gemeinden nicht die Tüchtigkeit des Lehrers in seinem Hauptamte als maßgebend betrachtet, sondern das Angebot zu den für die Gemeinde pekuniär vortheilhaftesten Bedingungen ist ausschlaggebend. Ja, selbst Seminarlehrer werden nicht auf ihre Qualifikation für das Amt eines Jugendbildnertz geprüft; und warum sollte das auch geschehen? So lange sich Leute finden, die für t650 M. das verantwortliche, an Pflichten reiche Amt eines Jugendbildners übernehmen, so lange wird nicht daran gedacht werden können, nur solche Lehrer als Seminarlehrer zu berufen, die reich an Erfahrungen, von pädagogischer Bildung und wissenschaftlichem Geist durchdrungen sind. Das gesteigerte Bildungsbedürfniß der Gegenwart verlangt auch eine Vervollkommnung der Lehrerbildung. Zu diesem Zwecke ist eine Reorganisation der Seminare besonders der jüdischen vor allem geboten und ihnen einen festeren Grundbau zu verschaffen. Die Anleitung und Ausbildung in den Seminarien ist nicht entwickelungsfähig. Die Präparandenanstalten sind nicht die geeigneten Vorderes tungsstätten für das Seminar, die Abfolvirung einer Realschule muß zum Eintritt ins Seminar gefordert werden. Wie nun der jüd. Seminarist neben dem profanen Wissen auch die nöthigen jüd. Kenntnisse erlangen kann, das zu berathen, wäre Pflicht der Seminar-Direktoren und Seminarlehrer. Es wäre zu wünschen, daß gerade diese Herren aus sich heraus mit in die pädag. Bewegung einträten zur besseren Heranbildung der Jugendführer. Unsere heutigen Lehrer-Bildungsansialten sind weit hinter unserer Zeit zurückgeblieben. Entweder fort mit ihnen oder vollständige Reorganisation, Berusung von Schulmännern zu Leitern und Lehrern derselben. Nur begabte Schüler sollen dem Lehrberufe zugesührt werden. Im weitern Verlauf des Vortrags geht Redner auf die Stellung ein, welche die einzelnen Bundesstaaten zu den Forderungen der Neuzeit in der Lehrerbilvungtzfrage bereits genommen haben. Da findet es sich, daß es den jüdischen Seminarien nicht an Vorbildern fehlt, um dieselben guten Einrichtungen zu treffen, wie in den christlichen Seminarien. Des Lehrberufes unwürdig ist die Beschäftigung mit der Schechita. Um gut ausgebildete Cantoren für größere Gemeinden auszubilden, hat das Seminar keine Zeit, drum sind die neuerdings eingerichteten Cantorenschulen- und Curse freudig zu begrüßen. Der Redner geht zu der Frage Internat oder Externat über, fordert mehr gesellschaftliche Ausbildung der Seminaristen, Eintritt in gute Familien, svricht zum Schluß noch in kurzen Worten von der Methode im Seminar und verwahrt sich gegen den Vorwurf durch die obigen Ausführungen sich undankbar gegen unsere bestehenden Bil-