Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1898)
- Date
- 1898-11-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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161^1 Welcher Denkende kann noch zweifeln, wie der Ausgang sein wird, welcher Menschenfreund zittert nicht vor den Enthüllungen, die einen Höllenpfuhl bloslegen werden und manchen sonst biederen Mann nicht verschonen können, der vielleicht ursprünglich arglos in das Netz der Antisemiten lief? O armes Frankreich, Dir graut mit Recht vordem Abgrund, an dem Du stehst nach Innen, vor der unauslöschbaren Schande, die Dir bleibl nach Außen! llnd wer trägt an all dem Jammer die Schuld? „Die Juden" schreit Drumont in seiner „Libre Parole,“ „die Inden" ruft Rochefort und seine Lanterne, „die Juden" wiederholt der ganze edle Chor der Antisemiten in- und außerhalb Frankreichs. „Die Juden, welche nicht stillgehalten, als wir mit Steinen nach ihnen geworfen, und die Judenknechte, welche sich bestechen laffen unt> ihnen noch Recht geben, wenn sie die Steine nicht mit ihren Köpfen auffangen. Nieder mit den Juden, Nieder mit ihren Vertheidigern, Nieder mit dem Cassativnshof und seinen ergrauten Richtern!" Völker Europas, wie lange noch wollt Ihr mit dieser internationalen Fälscher-, Räuber- und Mörderbande Geduld haben? Ja, ja, Fälscher, Räuber und Mörder sind die Antisemiten! Haben sie nicht die Raub- und Mordzüge in Rußland, in Korfu, in Algier, in Galizien aus dem Gewiffen, wollten sie nicht in Tisla Eslar, in kanten und wer weiß, wo noch Unschuldige aufs Schasfot bringen, schrecken sie vor falschem Zeugniß, vor Meineid, vor Einschüchterung und Drohung zurück, wo es gilt, ihrem grenzenlosen Haß gegen Juden zu fröhnen, den Juden Verbrechen anzudichten? Wollt Ihr nicht hören auf die Mahnrufe Eurer edelsten Männer, aus die Stimmen der trefflichsten Eurer Fürsten, welche den Antisemitismus als die gefährlichste Pest, als die Schmach unseres Jahrhunderts verurtheilen? Die Antisemiten haben ihre Folgerungen gezogen aus dem Fall Dreysuß, als ihre Mache noch nicht durchschaut, als der N e r r ä t h e r, der Jude regelrecht verurtheilt war. Wird auch die Welt die eitileuchtende klare Folgerung aus dem Fall Dreysuß, der sich wie so viele „Fälle" vor ihm als antisemitische Lüge entpuppt, wird die Welt d i e Folgerung ziehen, die Einsicht gewinnen, daß aller Klaffen-, Racen- und Religionshaß ein Fluch der Menschheit ist? 8. 0. Zeitungsnachrichten und Correfpon-errzert. Deutschland. B. Berlin, 3. Nov. (D aö Deutsche Kaiserpaar an den Gräbern der jüdischen Könige.) Das Kaiserpaar hat während des Aufenthaltes in Jerusalem auch die Gräber der jüdischen Könige besucht, in denen David, Salomo und noch 14 andere jüdische Könige ruhen. Die Gruft wurde, der Tradition zufolge, ursprünglich von David angelegt; ein jeder seiner Nachfolger auf dem Throne hat dann ein neues Gemach für seinen Sarkophag binzugefügt. In diesem Gemache wurden auch viele Kostbarkeiten der Verstorbenen, nicht selten sogar deren Krone und Scepter verborgen. Bei der ersten Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar blieb die Gruft verschont. Dagegen hat später der jüdische König Hyrkan, als er sich einmal in Geldverlegenheit befand, einige der Gräber geöffnet und sich deren Schätze angeeignet. Bei der Zerstörung Jerusalems durch die Römer wurde die Gruft abermals geplündert. Titus brachte damals eine Menge jüdischer Kleinodien, darunter anch die Salomo gehörende, fünf Centner schwere goldene Fruchtschüffel, nach Rom. Als später der Vandalenkönig Geiserich Rom plünderte, schickte er ein ganzes Schiff mit jüdischen Kleinodien, darunter auch die Schüssel nach Karthago. Das Schiff scheiterte jedoch bei den liparischen Inseln und versank. Rach der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer stellten diese auf der Gruft ein hölzerrns Kreuz aus, das aber Saladin nach der Rückeroberung Jerusalems wieder zertrümmern ließ. Von der Gruft ist jetzt nur das Grab Davids zugänglich. Dies Gemach wird von Oellampen erhellt, während aus dem mit einem Erdhügel bedeckten Sarkophag eine grünseidene Decke, ein Geschenk des Sultans, ruht. Eigenthttmerin der Gruft ist die französische Negierung, welcher dieselbe von den Söhnen des Pariser Bankiers Pereise zum Geschenk gemacht wurde. (t. Posen, 4. Oct. Vor einigen Tagen fand im Nosenbaumschen Lokale zu Pleschen eine von Rabbiner Dr. Königsberger einberusene Versammlung von Mitgliedern der israelitischen Gemeinde, zwecks Gründung eines Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, statt. Dr. K. hielt vor der zahlreichen Versammlung einen intereffanten Vortrag über Ursprung, Entwickelung, Zweck und Ziel der jüd. Literaturvereine. Alle Anwesenden' erklärten sich nach kurzer Debatte für die Gründung des Vereins, und zum Beitritt zu derselben bereit. Es wurde hieraus ein provisorischer Vorstand gewählt, woraus