Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 87 (3.11.1898)
- Date
- 1898-11-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1615 können, was dem Oberrath Anlaß zu dem ersten Theitc seiner Berichtigung gegeben hat. Der betreffende Satz in unserem Artikel lautet: „Um nur ein Beisviel anzuführen, wußte der jeingc OdcrralK in neuerer Heit unter Anderm nichts Besseres zu thun, als bei den Landesgemeinden Umfrage zu halten, ob sie für oder gegen eine Beschneidung und )Heformirung des Gebetbuches und (Gottesdienstes sind." Wie dabei Jemand an die rituelle Circumcifion, an die denken kann, das ist uns mit unserem schwachen Unterthanenverstand nicht erfindlich; um zu solch kühnen Conjecturen zu gelangen, dazu muß man schon mit obc rbehördlichem Geiste ausgerüstet sein. Ob wohl die Herren vom Oberrath, wenn sie ihrem Buchbinder die Bände ihres Verordnung^ blattcs zur „Beschneidung" übergeben, auch die allerneuesten „Dienstvorschriften für Mohelim" beifügen? Wahrlich, das oberräthliche Gewissen muß laut und anhaltend schlagen, wenn es bei einer Beschneidung des Gebetbuchs gleich an seine Dienstvorschriften für Mohelim erinnert wird. L222b wi rm arbw. Was den zweiten Theil der Berichtigung des Großh. Oberraths betrifft, so haben wir die diesbezügliche Mittheilung von einem ehemaligen badischen Lehrer erhalten. Danach muß doch vom Oberrathe ein Rundschreiben erlaffen worden sein, das zum Mindesten in dem von uns angegebenen Sinne gedeutet werden kann. Wahrscheinlich wird der Großh. Oberrath das noch nicht für eine Reformirung halten, was unser Gewährsmann bereits wohl für eine solche hält. Siehe auch die Correspondenz „Aus Baden" im Hauptblatt der Nummer 37 dieses Blattes. Ned. d. Jsr. Berlin, 2. Nov. Im Anschluß an unsere Berichte von dem Verbandstage des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und dem auf demselben gehaltenen Vortrag des Herrn Eugen Rosen stiel über Wanderbettelei und Arbeitsnachweise, freuen wir uns unseren Lesern heute von dem regen Fortschritt und raschen Emporblühen eines Vereins Mittheilung machen zu können, welcher gewiffermaßen zur Illustration dieses Vortrages dient. Wir meinen den V e r e i n f ü r A r b e i t s n a chw e i s begründet von den Berliner Bnai-Briß-Logen, welcher seine bedeutend erweiterten Geschäftsräume am 1. October d. I. von Klosterstraße 44 nach der der Rosenthalerstraße 34/35 verlegt hat. Dem unentwegten und eifrigen Arbeiten dieses Vereins ist cs gelungen seit dem 1. Januar d. I. über 1250 Personen in dauernde Stellung zu bringen, ein Resultat, welches zu erreichen nur möglich war durch äußerste Anspannung aller Kräfte und vor Allem durch zweckmäßige Einrichtungen, die den Geschäftsgang erleichtern und die Bewältigung eines so großen Arbeitsfeldes bei verhältnißmäßig geringen Mitteln zulaffen. Damit der Verein aber immer mehr leisten kann und ihm bewährte Kräfte bei seiner segensreichen Arbeit Helsen, hat der Vorstand in seiner Sitzung vom 23. October die Herren Maurermeister Marcus Adler, Rentier Maximilian Heymann. Rentier Simon Stolzmann, Rechtsanwalt Tlmendorfer in seinen Vorstand cooptirt und ist mit Sicherheit zu erwarten, daß das thätige Mitwirken dieser bewährten Herren an dem weiteren Emporbltthen des Vereins für Arbeitsnachweis regen Antheil haben wird. — Als besonders erfolgreich und wirksam bei Unterbringung des weiblichen Personals hat sich das im Dezember v. I. für den Arbeitsnachweis eingesetzte Damenkomitee erwiesen, welchem 15 Damen aus den Vorständen der verschiedenen jüdischen Frauenvereine Ber lins angehören. Die Damen kommen abwechselnd an den Nachmittagen in das Bureau des Vereins und sind dort mit Rath und That bemüht den weiblichen Personen, welche die Hülfe des Vereins in Anspruch nehmen und insbesondere den älteren Frauen, den Wittwen und Waisen durch Ueberweisung einer geeigneten Stelle oder Arbeit zu helfen. Um immer mehr helfen zu können und um gemeinschaftlich mit allen Comitödamen zu berathen, welche Schritte die geeignetsten sind, damit das Wirken des Arbeitsnachweises und sein segensreiches Schaffen sich immer mehr ausdehne, hatte der Vorsitzende auf den 24. October d. I. eine Sitzung des Damenkomitees zusammenberufen, zu welcher 12 Damen erschienen waren. Nachdem der Vorsitzende Herr Eugen Rosenstiel den Anwesenden die bisher erzielten geschäftlichen Resultate mitgetheilt und in kurzen Worten aus die Bedeutung des zur Berathung stehenden Gegenstandes sowie insbesondere daraus hingewiesen hatte, daß die Frage der Arbeitsnachweise immer weitere Kreise zu interessiren beginne und man voraussichtlich schon in allernächster Zeit daran gehen werde, weitere Organisationen in anderen Städten zu schaffen, wurde aus der Mitte der Versammlung folgende Fragen zur Berathung gestellt: l. Was muß geschehen um unsere Thätigkeit zu einer segensreicheren zu gestalten? 2. Was haben wir zu thun, um den durch uns untergebrachten jungen Mädchen eine dauernde Existenz zu beschaffen? 3. Was können wir für die älteren Leute thun, die unsere Hülfe in Anspruch nehmen? Aus der sich hierauf entwickelten, sehr eingehenden und anregenden Diskussion war im Wesentlichen folgendes zu entnehmen: Bezüglich derjenigen weiblichen Stellensuchenden, welche sich im mittleren Alter befinden d. h. des kaufmännischen Personals als Buchhalterinnen, Eontoiriftinnen, Verkäuferinnen, Kassirerinnen 3c. wird es einer weiteren Fürsorge in der Regel nicht bedürfen, es wird genügen, wenn der Verein diesen