Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 87 (3.11.1898)
- Date
- 1898-11-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1616 Personen geeignete Stellen verschafft. Dagegen muß Fürsorge geübt werden bei den Wittwen und eheverlaffenen Frauen, die durch Vermittlung des Vereins mit Arbeit versorgt werden, sie muffen andauernd im Auge behalten werden, damit sie gleichmäßig Arbeit und zwar nicht zu schlecht bezahlte haben und thunlichst vor Roth geschützt bleiben. Eine ganz besondere Sorgfalt aber muß geübt werden bei der weiblichen Jugend. Diejenigen Mädchen, welche nach vollendeter Schulpflicht eine Lehrstelle im Geschäft annehmen sorgsam zu überwachen, nach Möglichkeit dafür zu sorgen, daß diese jungen Menschenblüthen durch das anstrengende Geschäftsleben nicht beeinträchtigt, sondern soviel es geht körperlich und geistig gefördert werden, das ist eine edle Aufgabe für den Verein, deren Erfüllung die Damen des Komitee's freudig zusagten. Es wurde beschlossen: a. Für die durch den Arbeitsnachweis untergebrachten Lehrmädchen Fürsorge zu üben durch Ueberwachung des ferneren Lebensganges seitens zu bestellender Pflegerinnen und er. auch durch Bewilligung von Stipendien an dazu geeignete Mädchen. v. Für jedes Lehrmädchen wird aus der Mitte des Damenkomitees eine besondere Pflegerin bestellt, welche das ihr zugewiesene Mädchen unter ihre Obhut nimmt, sich um das Wohl und Wehe ihres Schützlings kümmert und bei ihren Handlungen immer den Zweck im Auge hat, aus einem Kinde ein nützliches Mitglied der Menschheit im Allgemeinen und unserer Glaubensgemeinschaft im Besonderen zu machen. Bezüglich der zur Diskussion gestellten dritten Frage: „was kann für die älteren arbeitsuchenden Leute geschehen," war man sich zunächst darüber einig, daß dem Verein hier die schwerste Aufgabe gestellt sei, daß man aber mit allen Kräften versuchen müsse auch für die alten Leute paffende Beschäftigung zu suchen. Es wurde für nothwendig erachtet die älteren Personen, welche den Verein wegen Zuweisung einer Beschäftigung in Anspruch nehmen, recht eingehend über ihre Fähigkeiten zu befragen und je nach dem Ergebniß der Feststellungen individuell für solche Leute die geeignete Arbeit zu verschaffen. Der Verein wird den Versuch machen, durch geeignete Schritte bei größeren Instituten x. die Besetzung der Stellen für Neinmache- und Scheuerfrauen übertragen zu erhalten. Ebenso werden auf's Neue Versuche dahin angeftellt werden, daß dem Verein die Besetzung von Portierstellen, Aufseherposten u. dergl. übertragen wird. Nach sehr lebhafter fast dreistündiger Diskussion, schloß der Vorsitzende die Sitzung mit warmen Dankesworten an die erschienenen Damen und der Zusicherung, daß die Ergebniffe der gemeinsamen Berathung sobald als möglich durchgearbeitet und in der nächstfolgenden Sitzung des Damenkomitees mitgetheilt werden soll, welche Schritte der Verein zur Ausführung dieser Ergebniffe gethan und welche Resultate er erzielt hat. (Wir vermissen in dem Referate die Mittheilung, daß auch für das seelische Wohl der Pfleglinge gesorgt wirddaß namentlich nicht, wie dies bei vielen anderen derartigen Vereinen der Fall, Leute, die in ein Sabbat und Feiertage geschlossenes Geschäft zu gelangen wünschen, mit Gewalt dazu gedrängt werden, Tisty zu entweihen. Wir hoffen, daß Herr Rosenftiel hierüber uns Aufklärung geben wird. Red. d. Jsr.) Rußland. X Kiew. Bei der vor wenigen Tagen erfolgten feierlichen Eröffnung des von Nicolaus II. begründeten Polytechnicums hielt der Gehilfe des Commandirenden des Kiew'schen Militärbezirkes, General Kossitsch, eine Rede, die von den freisinnigen Blättern Rußlands mit großer Genugthuung begrüßt wird. General Koffitsch tadelte in scharfen Worten die Hetze gegen die andersgläubigen Nationalitäten im Czarenreiche und sagte zum Schluffe: „Wir hoffen, noch mehr, wir sind überzeugt, daß wir unter der wohlthätigen Negierung unseres jungen, aber bereits großen Herrschers zu jener Einigung gelangen werden, bei der alle Angehörigen der verschiedenen Nationalitäten Rußlands sagen können: „Ja, ich bin ein Deutscher, ein Pole, ein Jude, zugleich aber ein aufrichtiger russischer Patriot." Es wäre voreilig, aus den Worten, die General Koffitsch gesprochen, auf einen alsbaldigen Wandel in der russischen Judenpolitik zu schließen. Doch als ein erstes Anzeichen des heranbrechenden Tages darf man sie mit Freuden begrüßen. England.? Gibraltar. Die neue jüdische Freischule wurde am 5. October unter großer Feierlichkeit eingeweiht. General Sir Robert Biddoulph, der Gouverneur von Gibraltar, war anwesend und hielt die eigentliche Festrede, schließlich wurde eine Sammlung für die Armen gemacht, die immerhin c 1000 M. ergab. Die neue Schule hat ihr eigenes Gebäude, das 200 Schüler faßt, und ist von besonderem Vortheil für die Kinder der armen, aus Marocco hierher geflüchteten Juden. Vermischtes Bad Ilmenau (S.-Weimar.) Vorige Woche weilte hier der Großherzogliche Landrabbiner Herr Dr- Salzer zur Inspektion deü von Herrn Lehrer Hofmann, Kultusbeamter der orthodoxen Separatgemeinde in Erfurt, er-