Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 87 (3.11.1898)
- Date
- 1898-11-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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überall das Streben dahin gehen, den überkonunenen Gottesdienst durch Gemeindegesang oder Knabenchor zu neuer Schönheit auszugestalten. Allerdings gehört auch dazu wieder ein klein wenig persönliche Opferfreudigkeit, zu der sich viele nicht immer leicht verstehen. Als Ergänzung der Bestrebungen, die der Schule und der Synagoge dienen, mögen in den größeren Gemeinden Vereine zur Verbreitung jüdischen Wissens und jüdischen Lebens gegründet werden. Viel trauriger noch liegen die Verhältnisse in den kleineren Gemeinden. Sechs Berichte solcher meiner Rabbinatsaufsicht unterstellten Kleingemeinden liegen vor mir; das Bild, das ich aus den Darstellungen und aus eigener Anschauung gewinne, ist entmuthigend. Es fehlt an geeigneten Lehrern. Die geringen Mitteln gestatten nur einen Beamten zu halten; dieser muß Cantor, Schächter und Religionslehrer in einer Person sein. Woher aber die Männer nehmen, die für alle drei Funktionen in gleicher Weise vorgebildet sind? Die aus den Seminaren hervorgegangenen Lehrer und Cantoren sind gemeiniglich des Schächtens unkundig und kommen daher für jene Synagogen-Gemeinden nicht in Betracht. Andere Beamte dagegen, die zwar im Schächtfach erprobt sind, entbehren oft die nothwendigsten T Kenntnisse auf weltlichen und religiösen Wissensgebieten, sind methodisch und pädagogisch gänzlich uugeschult und daher durchaus nicht im Stande, die ihnen anvertraute Schuljugend in den Satzungen unserer Religion erfolgreich zu unterweisen. Dieser Mangel an sachgemäß vorgebildeten Lehr- und Cantoratskräften hat es verschuldet, daß die Kleingemeinden oft längere Zeit ohne jedweden Beamten sich behelfen müssen, da es ihnen nicht gelingt, für die drei in Frage kommenden Amptspslichten ein>», selbst mäßigen Anforderungen genügende Persönlichkeit zu finden. Dieser Nothstand ist mannigfach besprochen, aber durch Thaten noch nicht bekämpft worden. Mit Uebernahme des Rabbinates hiesiger Kreisgemeinde beschloß ich, was an mir liegt, dem Nebelstande abzuhelsen und unterweise, unterstützt von dem hiesigen Cantor und Religionslehrer seit ca. 3 Monaten einen jungen Mann, der sich dem Cultusbeamtenberuf widmen möchte. Jetzt liegen wieder mehrere Meldungen vor. Ich kann aber niemanden hier aufnehmen, da es mir nicht möglich ist, aus den Mitteln hiesiger Gemeinde, die schon so belastet ist, die Existenzkosten der jungen Leute aufzubringen. Ich sehe mich daher genöthigt zur Gründung einer Bildungsanstalt für jüdische Cnttusbeamten — zunächst im kleinerem Maßstabe — meine edlen Glaubensgenossen um ihre thatkräftige Unterstützung zu bitten. Insterburg ist hierfür gilt geeignet, da die Söhne der zahlreichen in hiesiger Gegend tcbcnbcu und im Besitze des deutschen Bürgerrechts befindlichen Juden polnischer Abkunft wegen ihrer ziemlich gleichmäßigen Vorbildung im Hebräischen und Deutschen und der ihnen gewordenen religiösen Erziehung ein schätzbares Material für unfern Zweck bilden. Falls mein Plan die gewünschte Unterstützung und thatkräftige Förderung von Seiten begüterter Glaubensgenossen findet, so gedenke ich neben der Leitung der Anstalt den Unterricht in den hebräischen Fächern, in der biblischen und jüdischen Geschichte, wie in der Methodik des Religionsunterrichtes unentgeldlich zu ertheilen, während der amtlich vielfach bewährte Cantor hiesiger Gemeinde die Zöglinge in der Theorie und Praxis des Canlorats und Schächtamts einführen wird. Für die Förderung des Welt lichen Wissens der Zöglinge soll durch Ertbeiluug von Unterricht im Deutschen und in der Geschichte, den hiesige städtische Lehrer übernehmen würden, Sorge getragen werden. Ein in nächster Zeit erscheinender Aufruf wird hoffentlich dazu beitragen, daß dieses Projekt, dessen Verwirklichung eine Verjüngung und Neubelebung der jüdischen Verhältnisse in Ostpreußen herbeisühren kann, in seiner Realisirung dem Riedergange des Judenthums entgegenarbeiten und als segenstifteud für unsere Gemeinde sich bewähren wird. Zeitungsnachrichten und Carrefpondenzen. Deutschland. Mainz, l. Nov. Unter Bezugnahme aus § U des Preßgesetzes werden wir um Aufnahme der nachfolgenden Berichtigung ersucht: Die in dem Leitartikel der Nr. 8ü des „Israelit" vom 24. d. Mtsenthaltene Angabe, der Grotzh. Oberrath der Israeliten habe „bei den isr. Gemeinden des Landes Umfrage gehalten, ob sie kür oder gegen eine Beschneivung sind", ist unwahr. Der Oberrath hat rar Gegentheil mit Zustimmung des Synodalansschusses im Jahre 18<47 eingehende Dienstvorschriften für Mohelim erlassen, die von der kürzlich versammelten Synode gutgeheitzen worden sind. Gleich nnwahr ist die Behauptung, dag eine Umfrage deS Grotzh. Oberraths, „ob die Gemeinden für oder gegen eine Reformirung des Gebetbtlchs und GotteSoienstes sind", erfolgt fei. Karlsruhe, den 28. Oktober 18V8. Sekretariat Grotzh. Oberraths der Israeliten: Eget m eyer. Wir gestatten uns, hierzu Folgendes zu bemerken : Ein Jeder, der die deutsche Sprache einigermaßen beherrscht, wird, wenn er sich auch die größte Mühe geben sollte, in unserem Artikel nichts finden