Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 87 (3.11.1898)
- Date
- 1898-11-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1609 Haus, ein Musterinstitut, war seine Schöpfung, und es war ihm noch vergönnt im verflossenen August bei eineiu Banket zur Feier des 85jährigen Bestehens desselben das Präsidium zu führen. Zeit seines Lebens war er ein ernster, streng frommer Jude, dabei von großer Toleranz. Wahrheit und Treue waren die Hauptzüge feines Charakters, und seine Freundschaft empfand man als eine tiefinnige, ewig dauernde. In feinem gastfreien, echt jüdischen Hause, worin bis vor wenigen Jahren eine liebevolle, hochbegabte Gattin segensreich waltete, waren Rabbiner und Gelehrte häufige und willkommene Gäste. Er war berühmt als Schachspieler und während eines Aufenthaltes in Kissingen, wo er zum Ehrenbürger ernannt war, hatte er die Ehre, zu einer Schachpal Ihie zu Fürst Bismarck geladen zu werden. Herr Simons hinterläßt eine zahlreiche, hochansehnliche Familie, wovon der älteste Sohn Mitglied des städtischen Gemeinderathes zu Haag und Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde ist. M a r o e c o.? Mogador. Der Sultan hat einen Baumeister geschickt, um das Judenquarlier, die Mellah, zu erweitern. Die hiesigen Juden ersticken beinahe in ihrem gegenwärtigen Quartier vor Schmutz und Enge, und die beschlossene Erweiterung wird für sie von großem Segen fein. Leider ist der Baumeister, nachdem er schon alle Pläne ausgearbeitet und die Vorbereitungen zum Bau getroffen, am Fieber erkrankt und gestorben. Dadurch wird dieser so uöthige Bau wieder hinausgeschoben. Eine neue und sehr hübsche Synagoge, die Mr. Jsaac de A. Coriat auf seine Kosten hat erbauen lassen, ist kürzlich eingeweiht worden. Palästina. Jerusalem. Unter den Erörterungen, welche sich mit dem Lande der Bibel aus Anlaß des kaiserlichen Besuches beschäftigen, ist, wie die „Nordd.-Allg.- Ztg." anführt, ein Aufsatz von Theobald Fischer in Hettners „Geographischer Zeitschrift" nicht ohne allgemeineres Interesse. Der Verfasser gelangt am Schluffe zu folgenden Betrachtungen. So wenig erfreulich die Gegenwart Palästinas ist, so zuversichtlich ist die Frage nach seiner Zukunft zu beantworten. Man erkennt schon heute eine aufsteigende Bewegung, lediglich durch die Entwicklung des Verkehrs und das Erstarken des europäischen Einflusses. Namentlich tritt dies in den Städten, in Haifa, Jaffa, Nazareth, vor Allem in Jerusalem entgegen, aber selbst int Ostjordanlande. Jerusalem trägt heute mit den unablässig wechselnden Bildern seines Straßenlebens mehr als jemals den Charakter einer eigenartigen Weltstadt, einer heiligen Stadt, eines Sitzes und Ausgangspunktes dreier Weltrcligionen. Selbst im Ostjordanlande bevölkern sich heut seit vielen Jahrhunderten verödete Städte von Neuem Mag auch die Humusdecke des Landes dünner und lückenhafter geworden sein, mögen vielleicht sogar die Niederschläge sich etwas verringert haben und unregelmäßig fallen, im Großen und Ganzen sind, namentlich unter Berücksichtigung der fortgeschrittenen Technik, die Bedingungen noch die gleichen, Palästina kann heute wieder die Kornkammer für das ganze südöstliche Mittelmeergebiet und für Europa werden. Der Verfasser hält eine Vervierfachung der heutigen Bevölkerung, also 3 Millionen, 100 Köpfe auf 1 Quadratkilom., für durchaus möglich, lediglich durch Entwicklung des Anbaues des Bodens, ohne Hinzutreten einer irgendwie ins Gewicht fallenden Gewerbsthätigkeit, für welche bei völligem Fehlen innerer Schätze des Bodens, also auch des Bergbaues, eben die Bedingungen nicht gegeben sind. Im Westjordanlande ist zunächst die ganze Küstenebene mit ihren ungemeffenen Wasservorräthen im Untergründe dichtester Bevölkerung fähig. Für Apfelsinenzucht, Baumwollen-, Tabak- und Zuckerrohrbau sind dort die Bedingungen im Großen gegeben. Auch auf dem Hochlande des Westjordanlandes bedarf es nur der Verwerthung der vorhandenen und der Aufspeicherung der winterlichen Wassermassen zu Anbauzwecken, um einen sehr großen Theil des Landes in Gartenlandschaften zu verwandeln, wie wir sie heute nur um Bethlehem, Nabulus, Dschenin und einigen anderen Orten sehen. Ueberall können mit Hülfe künstlicher Bewässerungen werthvollere Erzeugnisse hervorgebracht werden, für die es (z. B. Oel, Apfelsinen, Weine im südlichen Mittelmeergebiete), besonders in Egypten, also in nächster Nähe an Käufern nicht fehlt. Das Ghor (d. i. das Jordanthal) ist in seiner ganzen Ausdehnung in einen tropischen Garten zu verwandeln. Die Dattel, die dort reist, wird wie im Alterthum zu den besten gehören, die man kennt, und weit besser sein als die egvptischen. Dazu können Apfelsinen, Baumwolle, Zuckerrohr, Bananen, im Winter vor allem Gemüse gezogen werden. Jericho, heute bereits über Salonik nur fünf Tagereisen von Berlin, von Jerusalenk aus einem Morgenspaziergange erreichbar, aber 1050 Meter tiefer gelegen, im Januar um 2° C. wärmer als Kairo, kann wieder werden, was es zur Zeit Herodes war, eine prachtvolle Winterresidenz, deren Werth noch durch die dicht dabei sprudelnden heilkräftigen Thermen von Tell el Hammam (Ain es Sultan), durch das Todte Meer mit seinen großartigen Szenerieen und seinen Thermalquellen, wie Ain Dschidi, Hammam ez Zerka (Kallirroö), schon im Alterthum ein Lnrusbad, Ain es Sara u. A. durch die Fülle anziehender Alterthnmer ringsum, durch den sischreichen Jordan u. A. m. erhöht wird. Eine