Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 87 (3.11.1898)
- Date
- 1898-11-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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sein, daß der Reisende sich als Vertreter der Firma X. vorgestellt hätte, so würde immer noch nicht erwiesen sein, daß Beklagter den Willen und die Absicht gehabt habe, mit dem Kaufmann N. oder dessen Firma X. zu kontrahieren. Auf den zugeschobenen Eid komme es daher nicht an, Kläger müsse vielmehr, weil er den Beweis dafür, daß Beklagter und der Reisende übereinstimmend mit Kläger haben kontrahieren wollen, nicht geführt habe, wegen mangelnder Aktivlegitimation abgewiesen werden. In der Berufs- Instanz hatte der Kläger seinen Reisenden an Gerichtsstelle mitgebracht, um die Behauptung des Beklagten, daß er mit Juden grundsätzlich nicht handele, durch den Augenschein zu widerlegen Das Gericht verurtheilte nach ganz kurzer Verhandlung den Beklagten zur Abnahme und Bezahlung der Waare. Ob der Beklagte grundsätzlich von einem Juden kaufe oder nicht, komme für das abgeschlossene Geschäft gar nicht in Betracht. Er habe ohne Zweifel durch den Reisenden mit der Firma kontrahiert. Seine Sache wäre es gewesen, sich vorher zu überzeugen, mit wem er abschließe, von wem er kaufe! Frankfurt a. M., 1. Nov. Gelegentlich des Einzuges des deutschen Kaiserpaares in Jerusalem hat das Centralcomite zur Errichtung eines jüdischen Krankenhauses ein Huldigungstelegramm an den Kaiser gesandt und heute von demselben eine Antwort erhalten. Wir lasten den Wortlaut beider Telegramme hier folgen: An Seine Majestät den Deutschen Kaiser, König von Preußen, Jerusalem. Allerdurchlauchtigster Großmächtigster Kaiser, Allergnädigster König und Herr! In diesem für alle Zeiten denkwürdigen Augenblick des Einzuges Eurer Kaiserlich Königlichen Majestäten in die heilige Stadt Jerusalem wagt cs das unterthänigst Unterzeichnete zu Frankfurt a. M. bestehende Eentralcomite zur Errichtung eines jüdischen Krankenhauses in Jerusalem in Vertretung dieser in Ausführung begriffenen Anstalt in den Jubelruf begeisterter Huldigung ehrerbietigst einzustimmen, mit welchem in diesem Augenblicke an der Zionsftätte Millionen Seelen des Orients und Occidents in dem einen Gedanken und in dem einen Gebete sich vereinigen, daß der Segen des Allmächtigen, der so sichtbar auf Euerer Majestät geweihtem Haupte ruht, auch fernerhin Eure Majestät — unseren erhabenen großmächtigsten Kaiser, König und Herrn! — sowie Ihre Majestät, unsere erhabene großmächtigste Kaiserin und Königin, und das ganze allerhöchste kaiserliche, königliche Haus beschirmen und geleiten möge immerdar .' Wie alle Nationen in Ew. Majestät den vorn Allmächtigen zum Segen seiner Völker an höchste Stelle berufenen hohen und mächtigen Schirmherr« des Friedens und Förderer des Heils erblicken, so dürfen wohl auch wir uns der gewissen Hoffnung hingeben, daß auch unsere der Linderung menschlicher Leiden gewidmete Anstalt, welche sich bereits seit Beginn der Bauausführung an der Jaffaftraße der hohen Förderung seitens Ew. kaiserlich königlichen Majestät hohen Behörden, Botschaft und Konsulat zu erfreuen hat, auch fortdauernd der allerhöchsten Gnade und des huldvollen Schutzes Ew. kaiserlichen königlichen Majestät gewürdigt bleibe. In tiefster Unterthänigkeit verharret ehrfurchtsvoll das Centrale omits zur Errichtung eines jüd. Krankenhauses in Jerusalem. Frankfurt a. M., 27. Oct. 1898. Rabbiner Dr. Salomon Breuer, Vorsitzender, Dr. Israel R o o s, Schriftführer. Hierauf ging folgende Antwort ein: CentraleonritH zur Errichtung eines jüdischen Krankenhauses in Jerusalem. Frankfurtmaiu. Jerusalem, 31. October. Seine Majestät der Kaiser und König lassen für den Huldigungsgruß bestens danken. Allerhöchsten Befehl. von Lucanus, Geh. Kabinetsrath. Fürth, 29. Oct. Eine hübsche Schulfeier beging heute Vormittags 11 Uhr im Weißengartensaale die israelitische Bürgerschule aus Anlaß des Stellenantritts des neuen Directors Herrn Dr. Stern. Hierzu hatte sich ein sehr zahlreiches Publikum eingefunden. Herr Bankier M. Rau gedachte des scheidenden Directors Dr. Deffau, der volle 25 Jahre mit beispielloser Hingebung die Leitung der Anstalt in Händen hatte. Herr Kommerzienrath Fränkel verlas die Herrn Dr. Deffau gewidmete Dankadrcffe und führte Herrn Dr. Stern feierlich in sein Amt ein. Dieser, bisher Rabbiner der Gemeinde Kiel, hielt eine nach Form und Inhalt gleich werthvolle Antrittsrede. Holland. Haag, 29. Oct. (Louis Simons ny.) Gleichzeitig mit dem Verluste ihres Oberrabbiners hat die jüdische Gemeinde zu Haag den, Dienstag den 25. d. Mts. erfolgten Tod eines ihrer hervorragendsten und geachtetsten Mitglieder, des Herrn Louis Simons zu beklagen. Der Verewigte, der das hohe Alter von dl Jahren erreichte, war eine körperlich und geistig gleich imponirende Persönlichkeit. Scharfen, klaren Blickes und warmen, edlen Herzens war er wie berufen, Leiter einer Gemeinde zu sein. Als erster Vorsteher seit vielen Jahren amtirend, und mit Glücksgütern gesegnet, widmete er sich ganz und voll den zahlreichen Gemeindeinstitutionen, die heute eine Zierde von ganz Holland sind. Das jüdische Waisen-