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Der Israelit · 1898-11-03 · Heft 87 (3.11.1898) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 87 (3.11.1898)
Date
1898-11-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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MMWWWPWWI 1606 der Gemeinde Haag und Arnheim, sondern fast aller größerer Gemeinden Hollands, die durch Rabbiner, Vorsteher, Kirchenräthe und sonstige zahlreiche Mitglieder vertreten waren. Mittwoch, den 10. Marcheschwan, wurde der Sarg, der so kostbares Gut barg, vom Trauerhause aus nach der Synagoge getragen und dort aus den Almemor gestellt. Nach den tiefernsten Gebräuchen der Sephardim fand dort eine ergreifende Trauerfeier durch Absingen von Klageliedern und passenden Bibelversen nach prächtigen Melodien statt, begleitet von wiederholtem Schosarblasen und Umzügen um den Almemor. Kein Auge war thränenleer. Der Sarg wurde dann in den Leichenwagen gehoben. Alle Läden in den Straßen, welche der Trauerzug berührte, waren geschloffen. Vor der israelitischen Versorgungsanstalt, vor der Synagoge auf der Voldersgracht sowie vor der Portugiesischen Synagoge hielt der Zug. Letztere Synagoge war geöffnet und machte im Glanz der von Flor umhüllten Kerzen einen tiefen Eindruck. Auf dem Friedhof sprachen zunächst der Verwalter des verwaisten Rabbinats Herr Rabbiner Sohlberg, dann der Rabbi der Chewra Gemilat Chaffadim Herr Hirschel. Keiner blieb ungerührt, als sodann der gefeierte Oberrabbiner der Provinz Nord-Holland Dr. Dünner n aus Amsterdam dem geliebten Schüler und Freund Worte schmerzlichsten Abschieds und tiefer Trauer weihte. Der Lehrer rief sich an der Bahre des geliebten Schülers den Augenblick ins Gedächtniß zurück, wo ihm der hoffnungsvolle Jüngling, den er seitdem für immer ins Herz geschlossen, zum crftcu Male entgegentrat. Alles stimmte dem Meister der Beredsamkeit zu, als er die Friedensliebe, Menschenfreundlichkeit und unbeugsame Energie des Dahingeschiedenen anknüpfend an den Schristvers *hh fo ntrc -m unter dem Bilde des Hohepriesters Aharon zeichnete. Dann wurde der Sarg von der unabsehbaren Menge, die unter Schluchzen das wn sprach, zum Grabe getragen. Vor dem Grabe eröffnete der Vorsteher der Haager Gemeinde, Herr Polak Daniels auf's Neue die Reihe der Leichenreden, dem als Redner der Rabbiner von Groningen, Herr A. van Loen, folgte. Einen mächtigen Eindruck machten die Worte des Schwagers des Dahingeschiedenen, des Herrn Rabbiners Wagenaar von Arnheim. Der gewaltige Klagegesang Davids uni Saul und Jonathan war es, dessen stets erschütternde Verse der Redner sich lieh, um die Größe seiner Bewunderung, seiner Liebe und Freundschaft für den Verstorbenen, sowie seinen grenzenlosen Schmerz um dessen Verlust zum Ausdruck zu bringen. Keiner konnte sich der Thränen erwehren, als am Schluffe seiner Rede der Oheim dem 16jährigen Sohne des leider so früh dahingegangcnen Schwagers Worte der Ermahnung und Ermuthigung zurief. Es sprachen! dann noch der Rabbiner der Portugiesischen Gemeinde, ein Vertreter des Lehrervereius Achawa, die Vorsteher des Siechenhauses und des Centralwaisenhaüses in Utrecht, am Schluß Vorsteher Kalter von Arnheim, der au die dreizehnjährige segensreiche Thätigkeit Rabbiner Tals in Arnheim erinnerte.' Die Schatten des Abends senkten sich schon herab als man der Erde das übergab, was sterblich war an Rabbiner Tobias Tal bw. Nur in der Verschiedenheit der Sprachen sehen wir den Grund, daß in Deutschland der Name des großen holländischen Rabbiners wenig bekannt war. Hätte man seine zahlreichen Aussätze und Schriften lesen können, worin er sich zugleich als feuriger Iehudi, als bewundernswerther Gelehrter und als Meister des Sty's zeigte, er wäre zweifellos auch ein vielbewunderter Lehrer der deutschen Juvenheit geworden, die ihn heute wenigstens vereint mit den Brüdern in Holland beweinen möge, vcnp net* osn. „Wird ein bedeutender Thorahlehrer hinweggenommen, so standen ihm Alle nahe." Ueber Sprach' und Landesgrenze weit hinweg geht der Jammer und die Klage, welche ob des Verlustes dieses Großen sich in ganz Israel erhebt. rrsaun. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. I)i. (1. Berlin, 27. Oct. Unter den deutschen Seebädern nimmt seit langer Zeit Kolberg einen hervorragenden Platz ein. Die günstige Lage, die reine und kräftige Luft, die schönen Promenaden und Waldungen, die heilkräftigen Soolquellen, — alles vereinigt sich, um diesen Kurort zu einem Anziehungspunkt für Kranke und Gesunde zu machen. So ist es denn, seit es im Jahre l85j Bahnanschluß erhalten, in dauerndem Aufblühen geblieben. Die erste wohlthätige Heilanstalt, wckche in Kolberg errichtet worden ist, war das jüdische Kurhospital, das im näck sten Jahre auf eine mit reichen Erfolgen belohnte fünfundzwanzigjährige Thätigkeit wird zurückblicken können. Erft sieben Jahre später wurde ein zweites derartiges Institut dort in's Leben gerufen, die christliche Heilanstalt Siloah, der später noch zwei andere folgten. Das jüdische Kurhospital wurde mit geringen Mitteln begründet und hatte in den ersten Jahren seines Bestehens schwer zu kämpfen. Aber allmählich erweiterte sich der Kreis der Freunde und Wohlthäter und mit ihnen wuchsen die Leistungen. Es gewährt unbemMelten Israeliten aus ganz Deutschland freie Aufnahme zu einer vierwöchentlichen Kur. Es beherbergt im Durchschnitt zu 2/s Erwachsene

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