Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 86 (31.10.1898)
- Date
- 1898-10-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Feuilleton 1594 Algier. § XatttfCr. Eine interessante Entdeckung hat der in französischer Sprache hier erscheinende „Reveil du Nur 06" gemacht. Derselbe schildert nämlich in einem kleinen Artikel unsere jüdischen Festtage „le nouvel an“ („das neue Jahr") „le kbipour" und schließlich kommt er auch auf „la fete de tentes" („das Zeltfest") zu sprechen. Er erzählt nun, wie die Juden sich hier ihre Hütten aus Binsen, Holz und dgl. erbauen, die sie dann auch mit Blumen schmücken. In diesen Hütten, heißt es dann, verzehren die Juden auch ihre „ungesäuerten Brote" („le pain azime"). Hätte der Redacteur des „Reveil", der übrigens ein Judensreund ist, den ersten besten jüdischen Normalschüler hier gefragt, so hätte ihm dieser gewiß die interessante Aufklärung gegeben, daß wir Juden unsere ungesäuerten Brote erst im Frühlinge, aber nicht jetzt schon im Herbste verzehren. Afrika.? Joharmisburg. In unserer Stadt sind jetzt nicht weniger als 17 Synagogen und Minjanim, so daß an Nichts Mangel ist, als an Betern, denn die meisten Synagogen sind leer. Die schlechten Geschäste zwangen viele der hier ansässigen Juden, sich in den kleineren Orten Transvals besseren Verdienst zu suchen. — In Kimberley ist G. H. Bonas zum Mitglied des Bezirksrathes von Kimberley und West-Griechenland gewählt worden, als der erste Jude, dem diese Ehre zu Theil wurde. Korfu. 8 Korfu. Wie Briefe aus Kreta melden, haben unsere Glaubensbrüder auf die! er Insel, die jetzt so eine wichtige Nolle in der Politik Europas spielt, die hohen Feiertage Heuer in Angst und Schrecken verlebt und waren dies mehr Tage der Buße als die der Freude. Besonders unter den Juden in der Stadt Canvia, wo sich die einzige große Gemeinde der Insel befindet, war von einer Feiertagsstimmung gar keine Spur, da man stündlich ein neues Gemetzel unter den Bewohnern oder gar ein Bombardement der Stadt durch die europäischen Kriegsschiffe befürchtete. Viele Israeliten hatten daher noch vor den den Feiertagen die Insel verlaffen und sich dem türkischen Festlande zugewendet, so daß nur die ärmeren unter unseren Glaubensgenoffen zurückblieben, die dann förmlich bei geschloffenen Synagogenthüren ihre Andacht verrichteten. Der türkische Gouverneur der Stadt, Edhem Pascha, hatte zwar erklärt, daß er für die Ruhe der Stadt bürge, aber die Israeliten schenkten diesen Worten kein Vertrauen uno sie beruhigten sich erst ein wenig, nachdem die Engländer Truppen gelandet hatten, welche dann anstatt der Türken den Patrouillendienst in der Stadt besorgten. verkauft. Eine Erzählung aus Ungarn. 20) Von Samuel B. Rosuer. Als sich die Bachurim um zehn Uhr zum „Schiur" versammelten, da standen sie im Banne einer nervösen Aufregung. Es schien etwas in der Luft zu schweben, wie der Schatten eines großen kommenden Ereignisses. Als der Rabbi, das Gesicht von einem tiefen Ernst beschattet, die Lehrftube betrat, da entstand ein tiefes, erwartungsvolles Schweigen. Nachdem der Greis seinen Platz eingenommen hatte, begann er langsam, anstatt des gewöhnlichen Vortrages, indem er den Blick auf die Gemore vor sich gerichtet hielt: „Ich habe geglaubt, daß Ihr Alle es wisset, zu welchem Zwecke Ihr Euch in meiner Jeschiwa aushaltet, nämlich Euch in der heiligen Tauro zn vervollkommnen, von welcher es heißt: „Du sollst Dich in ihr bemühen Tag und Nacht." Heute habe ich erfahren, daß dem nicht so ist, daß es unter Euch auch solche gibt" — seine Stimme nahm einen lauten drohenden Klang an — „welche meinen, daß sie hier sind, um Romane und andere verderbliche Bücher zu lesen!" Lautloses, beklommenes Schweigen folgte diesen Worten und mancher heimliche,bekümmerteBlicksuchte Chajim Glaser, der etwas abseits stand, tiefblaß und finster vor sich niederblickend. Nur über das salbungsvolle Gesicht Jeruchem Porges leuchtete ein flüchtiger, von Niemandem bemerkter Schein des Triumphs. Da erklang wieder die Stimme des Rabbi mit vernichtender Härte, wie ein VerdammungSurtheil. . . »Solche Bachurim haben bei mir nichts zu suchen — sie können gehen!" Ein Beben fuhr durch die Gestalt Glasers. Sollte das wirklich ihm gelten? „Ausgeschafft!" — Der größte Schimpf, der einen Bachur treffen kann. Und wofür? Was hatte er denn gethan? Ein deutsches Buch war ihm aus der Tasche gefallen — das war Alles. Es war so plötzlich über ihn gekommen, daß er das, was da vor ihm geschah, für einen bösen Traum hielt. Er war zum Erschrecken bleich. Er öffnete den Mund, aber es schien, als ob ihm die Sprache versagte. „Meint der Rebbe vielleicht mich?" brachte er endlich mühsam hervor." „Wer sich getroffen fühlt, den mein ich." „Aber warum, was habe ich verbrochen?"