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Der Israelit · 1898-10-31 · Heft 86 (31.10.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 86 (31.10.1898)
Date
1898-10-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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X 1592 den Lehrer, lieber den Unterricht zu kündigen als die Inspektion zuzulassen. Da die wiederholten Kündigungen dringender wurden, mußte der Vorstand solche acceptiren und bei dem Kreisschulinspektor die Erlaubniß für Rabbiner Dr. Eppenstein zur Inspektion des jüdischen Religionsunterrichtes nachsuchen, die nach Zustimmung der städtischen Schuldeputation auch ertheilt, von der Regierung zu Marienwerder aber durch folgende wichtige Entscheidung abgelehnt wurde: „Marienwerder, 26. August. Wir weisen Sie an, dem Rabbiner in Briefen die Genehmigung zur Kontrolirung des jüdischen Religionsunterrichtes in Gollub zu entziehen. Wir halten die Ausdehnung dieser lediglich den Geistlichen der christlichen Religionen ertheilten ministeriellen Erlaubniß weder auf einen Rabbiner noch auf einen Rabbinatsvertreter für anwendbar. Die Betheiligung des Synagogenvorstandes an der Revision des jüdischen Religionsunterrichtes ist unzulässig, da nicht ihm, sondern dem besonderen jüdischen Schulvorstand nach dem durch königliche Kabinetsordre bestätigten Statut der jüdischen Schule die äußere Aufsicht über dieselbe zustehl. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Wie«, 22. Oct. Seine Majestät der Kaiser bat geruht, den Sektionsrath im Eisenbahnministerium, Eamil Kuranda, zum Ministerialrath extra statum in diesem Ministerium zu ernennen. Der neuernannte hohe Beamte ist der Sohn des hervorragenden Publicisten und Parlamentariers Ignaz Kuranda, der ein Vorkämpfer der Freiheit und der Juden-Emaucipation, der schon der vormärzlichen Zeit für den Eintritt der konstitutionellen vorbereitend ersprierlich wirkte im 1848 eine hochhervorragende Rolle spielte von der Reichshauptstadt Wien in den Reichs- und Landtag entsendet wurde, zu dessen besten und beliebtesten Redner er zählte. Er war auch bis an sein Lebensende Präsident der Wiener Israelitischen Gemeinde-Repräsentanz. Camil Kuranda ist in jeder Beziehung ein würdiger Lohn seines berühmten Vaters. Er ist ein treuer Anhänger seines altererbten Väterglaubens. Wien. (Eine Mutter der Waisen.) Am 10. Oct. ist Frau Flora Bruck gestorben, die nahezu 25 Jahre Leiterin des israelitischen Mädchenwaisenhauses gewesen war. Die große Oeffentlichkeit hat von dem Wirken dieser hervorragenden Frau wenig gehört; sie hat still ihres Amtes gewaltet und ist nie aus ihrem Wirkungskreise hervorgetreten. Aber wer ihr näher trat, war erstaunt über diese seltene Verbindung von Energie, Klugheit und Feingefühl. Die Anstalt, der sie Vorstand, hatte sich während ihrer Leitung bis zur vierfachen Zahl von Zöglingen erweitert — von 16 auf 60 — und Frau Bruck brauchte trotzdem keine Assistenz, obwohl Alles durch ihre Hand ging, obwohl sie die Wirtschaft ebenso bewachte, wie die Hausordnung und Erziehung. Die Kinder hingen an ihr und es war eine Freude, zu schauen, wie sie sich nach der Arbeit fröhlich tummelten, nicht wieWaisen, unter fremder Obhut, sondern als ob sic im Elternhause wären, unter den Augen einer liebenden Mutter. Ein Beispiel mag die Art, wie Frau Bruck dies zu stände brachte, zeigen. Sie ließ sich von den Kindern zu ihrem Geburtstage stets kleine Handarbeiten zum Geschenke machen. Gefragt, was sie mit den zahllosen Deckelchen und Pölsterchen anfange, antwortete sie lächelnd: „Glauben Sie denn, daß ich die Sachen meinetwegen machen lasse? Ich zahle die Kosten aus Eigenem. Aber das Kino im Elternhause wird gewöhnt, Jemanden, den es liebt, derart zu überraschen, und freut sich wochenlang damit, und ich will, daß auch unsere Kinder dieses Gefühl und diese Freude haben." Die Kinder wußten auch, daß sie an jedem einzelnen Antheil nahm, und kamen noch jahrelang, nachdem sie schon die Anstalt verlassen hatten, zu ihr um Rath und Hilfe. Sie war pflichttreu bis zum Uebermaß; noch in den letzten Tagen, als sie schon der Tod beschattete, war sie eifersüchtig, daß sie Alles sehen und prüfen solle. In der Anstalt war musterhafte Ordnung, und doch siel kein aufgeregtes Wort; ihre milde und doch feste Energie wahrte den Frieden. Mit diesem kräftigen Charakter aber verband sie eine feinfühlige Liebenswürdigkeit, die mit einer Art Divinationskraft errieth, was dem Andern Freude machen würde, und einen Takt, der stets die Grenze kannte. Die Patronatsdamen der Anstalt verkehrten mit ihr wie mit ihresgleichen, und hatten dennoch nie Anlaß, über einen vermeintlichen Uebergriff der Beamtin zu klagen. Sie hat denn auch einen großen Kreis aufrichtiger Freunde gehabt; an ihrem Sarge schluchzten die Kinder der Anstalt und neben ihnen ernste, ergraute Männer und Frauen. Dr. Stern aber konnte mit Recht namens des Vorstandes der Anstalt klagen, daß diese Frau niemals ganz ersetzt werden würde. Nikolsburg, 25. Oct. Um die in unserer Gemeinde erledigte Stelle eines Cantors und Religionslehrers hat sich eine entsprechende Anzahl von Competenten beworben. Wiewohl es noch heute nicht bestimmt ist, auf welchen Candidaten die Wahl fallen wird, so ist es doch bei der jetzigen Zusammensetzung des Eultusausschusies, der in seiner überwiegenden Mehrheit der konservativen Richtung angehört, zweifellos, daß die Vertretung jenem Bewerber den Vorzug geben wird, von dem man voraussetzt, daß er einen religiösen Lebenswandel führen werde, wie es ja in den hierorts geltenden Statuten ausdrücklich verlangt wird, daß sämmtliche Religionsdiener eine streng re-

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