Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-10-31 · Heft 86 (31.10.1898) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 86 (31.10.1898)
Date
1898-10-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448936--47026-2497362
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1591 dieser Kennzeichnung des Ahlwardt liefert einen sehr interessanten Nachtrag noch eine Briefkastcmwtiz im antisemitischen „Deutschen Generalanzeiger" des Herrn Karl Sedlatzek vom 16. October. Wir lesen daselbst: „Nach Hockenheim. Die Geschäfte von A. u. Co. bestehen thalsächlich schon lange nicht mehr. Wenn Sie die Firma daher erst kürzlich zur Lieferung für 431,40 Mk. veranlaßte, wo dieselbe schon gänzlich zahlungsunfähig war, so ist dies nicht nur bedauerlich, sondern auch sehr bedenklich, umsomehr als Sie ein kleiner Fabrikant sind und bisher eine Mittheilnng über ihren Zusammenbruch von der Firma nicht erhielten. Möge es Ihnen zum Drost gereichen, daß Sie mit vielen Gesinnungsfreunden gemeinsam dasselbe Leid tragen, und daß der Krug nur so lange zum Waßer geht, bis er bricht! Gruß und Heil zurück! Wer mag die Cigarrenfirma A. u. Co. in Berlin nur sein? Gewiß wieder eine von der „jüd. Betrügerbande"! Gruß und Heil zurück! — Mit dem Beginne des Wintersemesters fängt auch wieder die Thätigkeit der hiesigen jüdischen Vereine an. Den Reigen eröffnete der Jüdische Rede- und Diskutierklub „Graetz", ihm folgten unsere Zionisten mit einer von etwa 90 Herren und 35- bis 40 Damen besuchten Versammlung. Ans der Tagesordnung stand neben „freier Aussprache" der „Bericht des Breslauer Delegirten zum zweiten Baseler Zionistenkongreß, Herrn Dr. med. E. Kalmus. sJlad) einigen einleitenden Worten des Herrn Or. med. Jeremias unterzog sich denn auch der genannte Herr feiner Aufgabe in geschickter Weise, ohne allerdings, wenn nach dem schwachen Beifall geurtheilt werden darf, auf sein Publikum sonderlichen Eindruck zu machen, wie denn überhaupt, meiner Wahrnehmung nach, eine gewiße Kühle die Atmosphäre des Abends bildete. Von den Ausführungen des Referenten, die zum größten Theil aus inehr oder minder gelungenen Stimmungsbildern bestanden, ist hervorhebenswerrh die Mittheilung, daß demnächst hierorts ein hebräischer Sprachkursus für zionistische Zwecke eingerichtet werden soll, sowie, daß die von zionistischer Seite angeregte „jüdische Lesehalle" ihrer Eröffnung entgegensieht. Bei dieser Gelegenheit möchte ich nicht unterlassen, an dieser Stelle an die Anhänger des Zionismus die Frage zu richten, ob sie die auf dem zweiten Baseler Congreß inaugurirte „Propaganda innerhalb der Gemeinden" in der Weise zu handhaben gewillt sind, wie Herr Dr. Kalmus es für gut befunden hat. Herr Dr. Kalmus schloß nämlich den Theil seiner Ausführungen, der das Referat über die Rede des Herrn Rabbiner Dr. Gaster brachte, mit den pathetischen Worten: „Deutsche Rabbiner haben uns verleumdet; ein orthodorer englischer Rabbi, ein Dr. Gaster, mußte kommen und der Welt klarlegen, was der Zionismus dem Iudenthum bedeutet. Nach seinen Worten wird nie mehr ein Rabbiuertag sich erkühnen dürfen zu sagen, daß der Zionismus religionsfeindlich sei." Meinte der Herr Redner seiner Sache zu nützen, wenn er sich dazu hinreißen ließ, eine solche Sprache zu führen in unserer Gemeinde, da er doch sehr wohl weiß, daß der eine der Breslauer Gemeinderabbiner auch zu jenen Herren gehört, die „verleumdet" haben und die sich in Zukunft „nie mehr werden erkühnen dürfen." Soll etwa zionistische Propaganda gleichbedeutend sein mit Verhetzung und Verketzerung? Oder wollte Herr Dr. Kalmus mit seinen Worten die deutschen Rabbiner in Grund und Boden schmettern? Die Herren, die dem offiziellen Protest gegen den Zionismus zugestimmt haben, werden wahrscheinlich sehr geknickt sein, wenn sie vernehmen, wie ihr Verhalten von Herrn Dr. Kalmus charakterisirt wurde. 2. Ziegerrhals, i. Schl., 25. Oct. Am 24. d. M. gehörte der Stadtälteste und Rathsherr Herr Kaufmann Joseph Frankel der hiesigen Stadt 50 Jahre als Bürger an. Vor mehr als 40 Jahren bereits übertrug das Vertrauen der Mitbürger dem Jubilar zum ersten Male ein städtisches Ehrenamt, und seit jener Zeit hat derselbe theils als Stadtverordneter, theils als Rathsherr im Dienste der Stadt gewirkt. Seinem großen Jntereffe für alle städtischen Angelegenheiten, oenen er sich in der ganzen Zeit seiner Wirksamkeit mit hingehendstem Eifer widmete, verdankt unsere Stadt Vortheilhaftes auf den verschiedensten Gebieten. Auch heute noch — Herr Frankel steht im 77. Lebensjahre — ist der Jubilar, dank seiner erfreulichen Rüstigkeit, im Stande, für die Kommune in dankenSwerther Weise thätig zu sein. Alle seine Mitbürger wünschen und hoffen, daß der Jubilar noch lange ungeschwächt sein großes Jntereffe für alles, was unsere Gemeinde angeht, zu bethätigen in der Lage sein möchte. Golluv, 20. October. An der hierorts eristirenden öffentlichen jüdischen Elementarschule fungirt der Lehrer A. K. Demselben wurde auch die Ertheilung des hebräischen Unterrichts für ein Honorar von 300 Mark übertragen. Anfang Mai d. I. theilte Herr Rabbiner Dr. Eppenstein aus Briefen dem Gemeindevorstand mit, er werde im Aufträge des westpreußischen Gemeindeverbandes nach hier kommen und den hebräischen Religionsunterricht inspiziren. Von diesem Vorhaben machte der Unterzeichnete Vorstand dem Lehrer Mittheilung mit dem Eröffnen, ob ihm der Besuch zur Zeit gelegen oder ob eventuell ein etwas späterer Termin zu bestimmen wäre; derselbe wollte hiervon nichts wißen, er kann und darf sich keinen neuen Vorgesetzten ausbinden laßen rc. Der Hinweis auf § 4 des Kontrakts, wonach dem Vorstand das Recht zusteht, veranlaßte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.