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Der Israelit · 1898-10-27 · Heft 85 (27.10.1898) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 85 (27.10.1898)
Date
1898-10-27
Page
– (sequence 19)
Language
German
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«WWWWDWMWWWWMm 1583 Zweiter »ersammlurigstag. Vorinittags 9 Uhr begaben sich die erschienenen Herren in die städt. Knabenschule, woselbst Herr Geisenberg—Marienwerder eine Lehrprobe über „das Laubhüttenfest" mit der Mittel- und Oberstufe der Religionsschule hielt. Man war von der Ausführung der Lektion allgemein sichtlich befriedigt, wodurch die Debatte gegenstandslos wurde. Das Protokoll der Sitzung des Verbandsvorstandes vom 27. und 28. Dezember 1897 kam zur Verlesung. Daraus ging hervor, daß der Verband schöne Erfolge zu verzeichnen habe, deren Mittheilung die Versammlung mit großer Befriedigung entgegennahm. Als Delegirter zum Delegirtentage am 27. Dezember 1898 wurde der Vorsitzende, Herr Jaffe, einstimmig gewählt. Die Mitwirkung am „Statistischen Jahrbuch" des D.-J. G.-B. stellten sämmtliche anwesende Herren in Aussicht. Nun erhielt Herr Mann heim—Graudenz das Wort zum zweiten Theil seines Referats, „die soziale Stellung des jüdischen Lehres." Herr M. führte aus, daß der größte Theil der jüdischen Lehrer mit seiner Lage unzufrieden sei, weil die Stellung recht- und schutzlos gegenüber den Gemeinden, sorgenvoll durch die allzukärgliche Besoldung, niederdrückend, durch die schwere Sorge, um die Sicherstellung ihrer Hinterbliebenen sei; recht- und schutzlos deßhalb, weil der jüdische Lehrer Privatbeamter und somit von der Laune und Willkür der Gemeindebehörde abhängig sei, in Bezug auf die Besoldung gab der Vortragende ein klares Bild auf Grund statistischer Zahlen, wodurch eine traurige Perspektive gezeichnet wurde. Der Redner behielt sich vor, bei der nächstjährigen Versammlung einen Antrag zu stellen, der die Fühlungnahme mit dem westpreußischen Gemeindebunde enthalten soll, betreffend die Anstellungs- und Besoldungsverhältnisse der jüd. Religionslehrer. Die Lage der jüdischen Lehrer ist eng verknüpft mit der Lage der jüdischen Religion und der Gemeindeverhältnisse; es muffe daher zunächst eine gründliche Verbesserung der Gemeindegesetze angestrebt werden, auf alle Fälle müsse eine jüd. Centralbehörde geschaffen werden nach dem Muster anderer Staaten, als Württemberg, Baden und Elsaß-Lothringen (Kirchenrath, Oberrath, Konsistorium.) Was süddeutsche Staaten bereits haben, kann doch für Preußen! nicht undurchführbar sein.*) Auf Grund^solcher Einrichtungen ließe sich manches Gute und Schöne bewerkstelligen zum Heile des Judenthums und zum Segen des jüd. Lehrerstandes. Referent erachtete es als dringend nothwendig, daß jeder jüd. Lehrer den bestehenden Wittwen- und Unterstützungskassen und einer Lebensversicherung beitrete. Er erwähnte die Thatsache, daß der D.-J. G.-B. vielen Lehrern Subventionen zur Lebensversicherungs-Prämie gewährt, dankte dies dem wohlverdienten Bunde, tadelte aber die Art und Weise der Vertheilung solcher Beihilfen. Als Bedingung galt dem D.-J. G.-B. bisher 1) die Zugehörigkeit der Gemeinde des betr. Lehrers zum Gemeindebunde und 2) die Versicherung bei der „Viktoria" zu Berlin. Referent setzte auseinander, daß die „Victoria" nicht die alleinseligmachende Gesellschaft, und daß er selbst den Preußischen Beamten-Verem Hannover aus triftigen Gründen der Victoria vorgezogen hat. Durch die angeführten Bedingungen ist einer großen Anzahl von würdigen Kollegen diese Hilfsquelle verschlossen; jedenfalls sollten nicht rein äußerliche Momente, sonoern lediglich die Würdigkeit und Bedürftigkeit ausschlaggebend sein. Zum Schluß warnte der Vortragende die Kollegen vor unwürdigem Nebenerwerb (Schadchenen, Bücherhandel 2c.) und empfahl ihnen, sich mehr als bisher dem Mohelfache zu widmen. 'Rach kurzer Debatte wurde als nächstjähriger Versammlungsort Thorn und als Zeit Pfingsten bestimmt. Der Vorsitzende dankte Herrn Mannheim für seine trefflich gelungene Arbeit, die durch die statistischen Belege den Character der Gründlichkeit trug, auch Herrn Geisenberg für die schöne Lektion und allen denen, die zum Gelingen der Versammlung beigetragen haben. Bei dem gemeinsamen Mittagsmahl, das in der Geisenberg'schen Wohnung stattfand, brachte Herr Geisenberg einen Toast auf den Verein, Herr Jaffe einen solchen auf den Gemeindevorstand von Marienwerder und aus das Haus Geisenberg aus und Herr Mannheim ließ den Vorsitzenden hochleben! Schoeneck, den 6. October 1898. Robert Rose. *) Herr M a n n h e i m lese doch gerl. einmal den Leitartikel in '.Kr. H4, sowie in heutiger Nr.: „Der Deutsch- Csre.el. Ceineindclinnd und seine .8iele", der ihm die richtige Antwort aus seinen hciüen Wunsch nach einer jüdischen Centralbehörkc giedt. Red.

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