Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 85 (27.10.1898)
- Date
- 1898-10-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448935--47008-2497343- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1574 stehen ist sie sein Gebet, nach vollbrachter Tagesarbeit wiederholt er sie wieder im Abendgebet, und vor dem Schlafengehen sagt er noch einmal btattr yae» höre Israel, was deine Mission auf Erden ist, n der Gott i:p^x der jetzt nur unser Gott ist -!nx n soll durch dich zum einzigen wahren Gott anerkannt werden. Diese Mission kann aus zweierlei Arten durch Israel erfüllt werden. Durch die Erfüllung und Einhaltung der Gesetze Gottes wird Israel seiner Mission gerecht, indem es durch die Beobachtung der Ge- und Verbote Gottes, den andern Völkern ein Beispiel giebt, wie man den Pfad des Lebens zu wandeln habe. Die Völker sehen, daß Israel durch Ausübung der in der Thora vorgesehenen Gebote und durch Enthaltung vom Verbotenen, dieser und der jenseitigen Welt theilhaftig werden, daß wenn Israel den Anker der gläubigen Hoffnung in seinem Besitz, die Religion zur Führerin, dahinsegelt, es allen Orkanen des Schicksals Trotz bieten kann und sie bestreben sich daher, Israel in seinem Thun und Lasten nachzuahmen. Um aber den Völkern ein Beispiel zu geben, dazu bedarf es vorzugsweise der That. ntwran ipi» an-ian *b Nicht der Glaube allein, nicht der Gedanke, nicht das Wort allein macht uns zu Juden, sondern die That; sie ist der lebendiggewordene Gedanke, die sich in der Außenwelt bewährende Idee. Nur durch Thaten allein erfüllen wir die uns gewordene Mission — Gottes Einheit zu verbreiten; nur durch Thaten vollenden wir das angefangene Werk unseres Urahnen Abraham, und machen uns dadurch würdig apy^ pron □ mas zu heißen, denn nur solche Nachkommen verlangte Abraham von Gott, die seine Gottesidee verwirklichen werden. So heißt es auch: w aanaan 'a cnnwn turnen, nur wenn Ihr die Beobachtung der Thora durch Thaten beweiset, nur dann ist die Thora n:i canra: aa-oan. Mit dem Sagen „ich bin auch Jude", ist es noch nicht gethan, beweisen mußt du es, und zwar durch Thaten. Auch der ytsn wird, wenn er unter Juden kommt, sagen, daß er Jude sei, wenn er auch täglich und stündlich den Gottesgeboten zuwiderhandelt, wie sich schon König David ausdrückt: ms: „Hälft du dem Frevler seine Sünden vor, dann antwortet er: vb anpa im Herzen bin ich ja auch Jude, wenn auch yyv -a:1? *« ins ps." Nur wenn wir beweisen, durch sichere Belege beweisen, daß wir Juden sind, nur dann erfüllen wir unsere Mission. Aber auch durch Nichteinhaltung der Ge- und Verbote Gottes, wird der Glaube an den wahren Gott gefördert, aber nicht von Israel, wie im ersten Falle, sondern durch Israel. Wenn Israel durch das Abweichen von den Gesetzen Gottes seinem Verderben entgegengeht, wenn es dadurch die Plagen treffen, die in der Thora verzeichnet stehen, dann fragen die Völker: =;xn nn na ,nsn pxS naa na bv tonarr ntn „Warum hat Gott seinem Lande so gethan?" Auch sie (die Völker) sehen und erkennen, daß es ein Strafgericht Gottes ist, und darum wissen sie sich auch selbst diese Frage zu beantworten: nps bv mos: •ir. amna aay ma nyx omax 'pSx n nna ns iaiy „und sie werden sagen, weil sie den Bund Gottes, den sie geschlosten mit ihren Völkern nämlich die Einheit Gottes ju verbreiten — verlassen haben." Israel wollte den wahren Gott nicht durch seine Thaten verkünden, darum mußte e s Gott durch es selbst verkünden. Um dies aber bester zu bewerkstelligen, zerstreut Gott Israel in alle Länder, damit jedes Land und jedes Volt es sehe, wie er das anpx ’aripa erfüllt, indem er du r ch I s rael, das ihm am nächsten steht, geheiligt wird. Das mag auch vielleicht der Sinn sein, warum Gott gesagt hat anaa nmx aanxi, den weil alle diese Plagen, die er auf Israel zu bringen verheißen hat, wenn es seine Gebote nicht befolgen werde, nur den einen Zweck haben sollten, dadurch seine Einheit zu verbreiten, eben darum mußte er es auch zwischen alle Völker zerstreuen damit "i ctra oma a:ipb. Diesen Gedanken spricht schon der Midrasch aus: pan -sy na ,psn naya ns wen ra) ißia nyi a^yn r/iea anraa vtp "ja /bio ny oSiyn paa <x*a *b. Als Gott zu Abraham sagte, ich werde deine Nachkommen dem Staube gleich machen, wollte er ihm damit andeuten, daß sein Samen durch die ganze Welt verbreitet sein werde, wie der Staub es ist, und das aber nur, nur Abrahams Ziel zu verwirklichen. So war es auch als Israel nach Egypten zog, um dort den Anfang mit der Verwirklichung dieses erhabenen Gedankens zu machen. Anstatt die Egypter zu belehren, lernten sie von ihnen, und wichen ab von den Wegen Gottes. Weil nun Israel die Einheit Gottes nicht durch Beobachtung seiner Gesetze lehren wollte, mußte Gott seine Einheit durch Israel selbst verkünden. Er ließ die Egypter über Israel herrschen, es wurde unterjocht und mußte schwere Arbeiten verrichten. Aber selbst bei dieser Unterdrückung mußte es jeder erkennen, daß das Auge Gottes über sein Volk wachte, denn, welcher Mittel bediente sich nicht Pharao, um Israel zu vernichten? Und doch heißt es: pic;a 'ms i:y -itt’xai, jever mußte es e'msehen, daß cs ein Wesen gibt, welches besonders für dieses Volk sorgt. Und als crst Gott die Wunderwerke in Egypten verrichtete, mußte da nicht Pharao selbst, der doch das Dasein Gottes leugnete, indem er sagte: i^pa yars iax "i 'c, mußte er nicht selbst diesen Gott, dessen Dasein er noch kurz vorher geleugnet, anerkennen und sagen pmrr n? Ja, selbst, wenn Israel nicht die Wege wandelt, die ihm Gott vorgeschrieben, auch dann verbreitet es den Glauben an den wahren Gott, indem cs Gottes Werkzeug wird. Damit verstehen wir eine rrosa, wo es heißt: ans a'iLaa 'mry wx amsn — Ihr habet gesehen, was ich