Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-10-27 · Heft 85 (27.10.1898) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 85 (27.10.1898)
Date
1898-10-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448935--47000-2497335
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1566 Balast sind, bald über Bord werfen, und dann ade Religions- und Gewissensfreiheit, ade Gemeindeautonomie; dann fanget Ihr Orthodoxen, freilich zu spät, Euren Kampf gegen die Neologie von Neuem an, wie vor '60 und 40 Jahren. Gebet Euch doch nicht ferner diesem Bunde gegenüber einer Täuschung hin, daß er in seiner Verwaltung bei den nun einmal bestehenden zwei Parteien der deutschen Juden, den Orthodoxen und Neologen (oder Liberalen, wie sie sich jetzt lieber nennen) Parität walten lassen werde; niemals, die Neologen sind in der Majorität und werden diesen Umstand zu ihren Gunsten ausbeulen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, daß selbst, wenn eine Parität im Vorstande der Centralbehörde gewährt würde, von den Orthodoxen die Einrichtung einer solchen Behörde trotzdem mit allen Mitteln bekämpft werden müßte, aus dem einfachen Grunde, weil mit einem jedesmaligen Personenwechsel innerhalb der Oberbehörde stets die Gefahr vorhanden wäre, daß auch mit diesem zugleich ein Gesinnungswechsel ftattsinden könnte. Hierzu liefert uns der „Oberrath" in Baden einen deutlichen Beweis. Die ersten zwei geistlichen Oberräthe gehörten der orthodoxen Richtung an und echt jüdisches Leben pulsirte noch allenthalben im Lande. Der neuere Personenwechsel hat nun thatsächlich auch einen Gesinnungswechsel in der Leitung der Geschäfte mit sich gebracht. Um nur e i n Beispiel anzusühren, wußte der jetzige Oberrath in neuerer Zeit unter Andern: nichts Besseres zu thun, als bei den Landeögemeinden Umfrage zu halten, ob sie für oder gegen eine Beschneidung und Reformirung des Gebetbuches und Gottesdienstes sind. „Mehr ist ein Weiser, wie ein Prophet." Die weisen Männer, die vor zehn Jahren noch an der Spitze der deutschen Orthodoxie standen, haben in Voraussicht der Dinge, die da kamen, die „Freie Vereinigung für die Jnteresien des orthodoxen Juventhums" begründet, in der ausgesprochenen Absicht, dem D. I. G. B. eine von orthodoxen Prinzipien geleitete Institution entgegenzuftellen. Leider sanken, kurz nach Begründung der F. V., die beiden gewaltigen Säulen, die sie stützten; Lehmann und Hirsch wurden vom Schauplatze ihrer irdischen Thätigkeit abberufen und die Fr. V. hielt einen jahrelangen Schlaf, aus dem sie erst vor Kurzem mit etwas verändertem Programm wiedererwachtc. Die Gegner haben die Zwischenzeit gut genutzt und nun steht die Gefahr vor den Thoren der so mühevoll errichteten Festung. Vielleicht nimmt der im vergangenen Jahre begründete Verein traditionell gesetzestreuer Rabbiner den Kampf auf. Bereits sind ja Einzelne seiner Mitglieder in den vorwöchigen Verhandlungen des „Gemeindetages", als man es sogar wagte, gegen das Austrittsgesetz zu sprechen, energisch gegen die betreffenden Redner ausgetreten. Aber ihre Stimme verhallte in der Menge der Andersgesinnten. Drum auf zum Kampf! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. EK, T&evl'tn, 10. Oct. Aus der heutigen Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde habe ich zu berichten.° Die Bibliothek des verstorbenen Dr Samuel Apolant ist, soweit sie Hebraiea und Judaica enthält, der Gemeinde als Geschenk übergeben worden. Die Herren Oppenheim, Isidor Sachs, Neufeld und Süßkind wurden zu Revisoren der Hauptkasse und des Depositoriums gewählt. Die Rechenschaftsberichte von Spezialverwaltungen wurden entgegengenommen. Bei einigen stellt sich Minderverbrauch heraus, z. B. bei der Waisenverwaltung um 300 Mk. Eine lebhafte Debatte entwickelte sich bei der Frage, ob der Vorstand verpflichtet sei, von den Repräsentanten an ihn gerichtete Fragen sofort zu beantworten. Beim Rechnungsabschluß des Hospitals wird der Antrag gestellt, die Zahl der Hofpitalisten von 55 auf 65 zu erhöhen. Man kam überein, daß 77 ausgenommen werden sollen, nachdem der edle Menschenfreund, Herr Moriz Manhcimer die Roth der Unglücklichen mit beredten Worten ge schildert. Der Bericht über das Krankenhaus lautet, die ungenügenden Bauvechättnisse ausgenommen, recht günstig, ebenso erfreulich lvar zu hören, daß das Vermögen der Armencommission 761,838 M. beträgt. Herr Moritz Manheimer, der nie eine Gelegenheit versäumt, Gutes zu thun, hat bei der Jubelfeier eines Verwandten dem Hospital J0,oo<> M. geschenkt, Herr Commerzienrath Louis Simon 8« >00 Mk. Zum Ankauf für zwei Thorarollen in der Synagoge Lützowstraße wurden 700 M. nachbewilligt. Berlin, 35. Oct. Das Bureau des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes sendet folgendes Rundschreiben an die jüdischen Lehrerseminare: „Der 1. Israelitische Vcrbandstag, der am 1 i. October d. I. in Berlin tagte und von 13 Landes, Provinzial- und Bezirksverbänden, sowie verschiedenen staatlichen Behörden für jüdische Angelegenheiten beschickt war, hat folgende Beschlüsse gefaßt, die die verehelichen Lehrerbildungsanstalten interessiren, und die wir deßhalb Ihrem woyllöblichen Institute zur gütigen Beachtung, Berathung und Beschlußfassung ergebenst mittheilen. 1) Der Verbandstag beschließt, den Verbänden zu empfehlen, daß in mittleren und kleineren Ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.