Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-10-24 · Heft 84 (24.10.1898) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 84 (24.10.1898)
Date
1898-10-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448934--46986-2497320
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1553 Daß auch religiöse Vorträge rcsp. Wissenschaftliche, die sich mit Themata aus dem Gebiet religiöser Fragen beschäftigen, in allen Orten unseres Bezirks gehalten wurden, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Auch an Orten, die sich dem Verein nicht angeschlosscn haben, wurden auf Wunsch der Gemeinden oder dort bestehender Vereine bereitwilligst Vorträge gehalten, wie cs auch selbstverständlich niemals znrnckgcwicsen wurde, wenn das Verlangen nach irgend welcher religiösen Entscheidung an den Herrn Rabbiner gestellt wurde oder Rath in irgend welcher Angelegenheit verlangt wurde. Wir bitten die Mitglieder unseres Vereins von diesem Punkte Notiz zu nehmen, und betonen nochmals die Bereitwilligkeit mtseres Herrn Rabbiners, einer jeden Gemeinde, die danach verlangt, in jeder Weise entgegcuzukommcn, auch wenn sie sich dem Verein nicht angeschlosseu hat. Wir sehen im Allgemeinen mit Befriedigung ans die äußere und innere Entwickelung des Vereins im letzten Jahre und können über den Stand des Vereins berichten, daß demselben leider 3 Mitglieder, treue Anhänger unserer heiligen Sache durch den Tod entrissen tvurden, während 5o neue Mitglieder hinzugetreten sind, so daß der Verein jetzt außer den Ehren-Mitglicdern und den sich augeschtoffcnen Synagogen-Gemeirlden, 454 Einzel-Mitglieder zählt. Indem wir nunmehr allen Freunden und Gönnern unseres Vereins sowohl außerhalb unserer Provinz, als auch in Westphaten den innigsten Dank aussprechen für das überaus große Interesse, welches dieselben auch im versiossenen Jahre unserem Verein cntgegengebracht haben, bitten wir dieselben, dieses auch fernerhin der von utls vertretenen heiligen Sache zu bewahren und uns somit behüflich zu sein, den Kreis unserer Gönner zu erweitern. Möge rrn uns Gelegenheit geben, unsere Thätigkeit weiter und weiter auSzndehnen |e« rrrnn pp Oester r.- Unga r. M o n a r ch i e. bl. Wien, 14. Oct. (Jüdische Colon ieeu des Barons G ü n z b u r g.) Der „Marsch. Dncwn." entnimmt der jüdischen Zeitung „Hazenra" die Mittheilung, daß Baron Günzburg in Veßarabicn im Venderpschen Kreise auf seinem Gute Dsenon- Abad eine jüdische Colonie errichten will und dazu 500 Desjiatinen Land bestimmt hat. Die ganze Einrichtung der Colonie hat Baron Günzbitrg auf sich genommen, und die Colonisten werden erst nach vier Jahren die erste Zahlung zu leisten haben. Die Schuldzahlungen werden alle halbe Jahr entrichtet, und im Laufe von 28 Jahren wird die ganze Schuld getilgt sein. Die Colonisten dürfen weder Handel noch Gewerbe treiben. Weikersdorf, 20. Oct. (Der Groß- Antifemit von Weikersdort gestorben.) Aus Baden schreibt man: „Hierselbst ist ein Anhänger und Verfechter der antisemitischen Propaganda, der in seinem fanatischen Eifer Ehre und Vermögen verloren hatte, als stiller Mann im Alter von 62 Jahren gestorben. Es ist dies Anton Sieder, der vor zwanzig Jahren als armer Glasergehilfe aus Tirol mit dem Ränzlein am Rücken in Baden um Arbeit vorsprach und auch solche bei dem damaligen Glasermeister und Hausbesitzer Herrn Gisel erhielt. Rach dem Tode Gifel'S reichte die Wittwe dem Glasergehilfen Sieder die Hand zur Ehe, der nebst dem gutgehenden Geschäfte auch Besitzer zweier Häuser wurde. Frau Gisel, welche — eine nicht uninteressante Reminiszenz — den Dichter Rosegger, der zu jener Zeit als armer Handwerksbursche ermattet und müde am späten Abenv in Baden ankam und vor ihrem Hause auSruhte, mit Speise und Trank gelabt hatte, und die Rosegger auch in einem seiner Werke als setne Lebensretterin erwähnt, erkrankte an eircm hartnäckigen Fußleiden, das sie lange Jahre an den Krankcnftuhl stsselte. Sieder, der nun Geld und Häuser hatte, vernachlässigte sein Geschäft, ging von Wirthshaus zu Wirthshaus und stellte sich in Ermanglung jeder anderen Beschäftigung an die Spitze der antisemitischen Bewegung. „Alle Juden müssen aus Baden vertrieben werden" — war die Parole des eingewanderten Tirolers, die er eifrig den Hauern beim Heurigen predigte und die ihm wegen des Verbrechens der gefährlichen Drohung drei Monate schweren Kerker eintrug. An Körper und Geist herabgekommen, siechte der Greis in den letzten Jahren, von seinen einstigen guten Freunden und Anhängern verlass.n, einsam dahin." .1. Fürrfkirchen, 20. Oktober. (Ehrung.) Der hiesige Schuldirektor Jakob Klingenberg wurde in der Generalversammlung des isr. Landcslehrervereincs in Budopest einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt. Das diesbezügliche Ehrendiplom wurde dem Gefeierten am 2. dss. Nachmittags in Gegenwart zahlreicher Verehrer überreicht. Lehrer Bsla SaSvüri überreichte als Repräsentant des LandeSlehrervereines das Diplom in Begleitung einer kurzen Rede, in welcher er die Verdienste Klingenbergs um diesen segensreich wirkenden Verein fkizzirte. Das neue Ehrenmitglied dankte gerührt für die ihm gewordene Ehrung und wurde hierauf von den Anwesenden beglückwünscht. Oberrabbiner Dr. Armin PerlS brachte dann bei Tische ein Hoch auf den kön. Schulinspektor kön. Rath Josef Salamon, den inspektionirenden Direktor Stefan Schneider und die anwesenden städtischen Schuldirektoren aus. Abends kamen die Freunde des Gefeierten in Frankl's Restaution zusammen, wo außer dem genannten Direktor auch dessen ältesten Collegen, dem ehrenwerthen Lehrerveteran Heinrich Straußer Ovationen bereitet wurden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.