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Der Israelit · 1898-10-24 · Heft 84 (24.10.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 84 (24.10.1898)
Date
1898-10-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1552 wesentlicher Schritt zur Assimilation ist, zn unter stützen, anstatt ihn zu bekämpfen? Wunderbar bleibt cs hierbei, daß trotzdem viele wahrhaft religiös denkende jüdische Wähler sich der Kandidatur Lewinski zuncigen. Der größte Theil der jüdischen Wähler sieht die Gefahr freilich ein und so hat sich neben den lebhaften Partciagitationen auch noch eine spezielle unter den jüdischen Wählern entwickelt. Sie ist um so berechtigter, als Dr. L. trotz seiner vratorischcn Begabung in seiner politischen Parteistcllung keinesfalls allen Anforderungen entspricht uitd man im Hinblick auf seine frühere politische Ansicht mit Recht etwas mißtrauisch ist. Hiernach liegt für die jüdischen Wähler, die der jüdischen Volkspartei angehören, durchaus kein Grund vor sich für Dr. L. zu erwärmen, denn der Gegenkandidat bietet neben seiner politischen Richtung, wegen deren er auf den Schild gehoben wurde, den jüdischen Wählern größere Garantie für Wahrnehmung und Vertretung ihrer religiösen Interessen, wenn etwa ein Vorstoß gegen dieselben von irgend einer Seite erfolgen sollte. Von Dr. L. ist in dieser Beziehung kein Heil zn erwarten; er würde das Prophctcnwort bethätigcn: ixx* -jee -’innc*. -ono. Hölter, 20. Oct. Der Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums in der Provinz Westphalen versendet folgenden JahreS-Bericht pro 1897/1898: Der Bericht über die Wirksamkeit unseres Vereins im verflossenen Jahre muß sich naturgemäß vor allem auf die Thätigkeit Sr. Ehrwürden dcS Herrn Rabbiner Dr. Lange ri: in seinem Bezirke beziehen. Rach den in vielen Vorstands-Sitzungen und auch in der letzten Generalversammlung betonten Prinzipien sollte dieselbe sich in erster Reihe auf diejenigen Gemeinden erstrecken, welche sich als solche dcnl Verein angeschlossen haben, während von einer Propaganda nach außen für das Erste gänzlich abgesehen werden sollte. Es waren zunächst die drei Institutionen, die in jeder Gemeinde einer besonderen Fürsorge bedurften, ,n:pv, new und Religionsunterricht, denen die Aufmerksamkeit des Herrn Rabbiners gewidmet war. Wir entnehmen dem Bericht Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Lange in der General-Versammlung am 19. Mai 1898 einige Punkte, um sie zur Kenntniß der einzelnen Mitglieder unseres Vereins zu bringen, welche damals verhindert waren, an der Versammlung theilzunehmen. Durch die Anstellung eines m» in Dorstfeld und Herne ist das, was wir seit langer Zeit erstrebten, möglich geworden, nämlich die Griindung eines Restaurants zu Dortmund. Wir haben damit einen so oft an uns gerichteten Wunsch unserer außerhalb Wcstphalens wohnenden Freunde zn erfüllen gesucht und bereits eine geeignete Persönlichkeit zur Führung des Restaurants auscrfehen, so daß wir uns der Hoffnung hingeben dürfen, daß die intcressirten Kreise gewiß gern einige Opfer bringen werden, um dieses Unternehmen in der ersten Zeit 311 unterstützen. Wir wollen bei diesem Punkte auch nicht unerwähnt lassen, daß wir in diesem Jahre auch eine ^-Bäckerei in Westphalen unter der Aussicht Sr. Ehrwttrden des Herrn Rabbiner Dr. Lange hatten, und auf diese Weise dafür gesorgt werden konnte, daß viele Leute davor bewahrt wurden, am ncs solche macc zu genießen, die nicht nach allen Richtungen hin Gewähr für bieten. lieber die Anlage von rvs'pr; resp. deren Wiederherstellung, können wir berichten, daß man sich in verschiedenen Gemeinden ent schloffen hat, ein mpo anzulegen, während in einer Reihe von anderen die Wiederherstellung der vorhandenen Ritualbäder möglich war. An allen diesen Orten wird jetzt die Art der Anlage und eine bctaillirtc Instruktion für die Benutzung der rxtpe verhindern, daß deren rinv'r in Zukunft wieder gefährdet wird. Allerdings machte die Beschaffung der Kosten namentlich in den kleineren Gemeinden besondere Schwierigkeiten, indessen zeigte sich doch eine anerkennenswerthe Opserbereitschast und die Munificenz unserer auswärtigen Freunde half über Manches hinweg, besonders waren cs, neben der „Freien Vereinigung" in Frankfurt a. M., süddeutsche und zwar: Frankfurter, Karlsruher und Költicr Freunde, welche die Bemühungen deS Herrn Rabbiners durch pccuniäre Htiise ganz besonders unterstützten. Aitch augenblicklich dürfen wir uns der Erwartung hingeben, daß weitere 2 2 r^p? in kürzester Zeit gebaut werden und cs wäre sehr wüuschenswerth, wenn man zur Unterstützung unbemittelter Gemeinden für solche Zwecke einen Fonds sammeln könnte. Dem Religionsunterricht wurde seitens des Herrn Rabbiner Dr. Lange besondere Aufmerksamkeit gewidmet, cs wurden Peüfnngen in den cin^ctnen Schulen vorgeiiommcn und in Besprechungen mit den Herrn Lehrern das Ziel festgesetzt, denl man zunächst zustrebcn muffe, und stets betont, daß der sogenannte svftcmatische Retigionsnnterricht in den ersten Schuljahren gänzlich zurücktrcten müffe und aitch späterhin auf das Rothwendigste beschränkt werden solle, damit der Erlernung der hebr. Sprache größere Sorgfalt gewidmet werden könnte. Keuntniß des Gebetbuches und Kenntniß dcS Pentateuchs, an den man bat ganzen sogenannten Religionsunterricht am besten anknüpfen könne, um praktische Erfolge zu erzielen, seien in den Vordergrund des Unterrichts zu stellen. Für die Orte, an denen bisher jeder Religionsunterricht fehlte, wurde nach bester Möglichkeit gesorgt, und wir dürfen der sicheren Erwartung Ausdruck geben, daß bis zum Januar JS99 kein Ort un=. serer Einflußsphäre ohne genügenden Religionsunterricht sein wird.

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