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Der Israelit · 1898-10-20 · Heft 83 (20.10.1898) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 83 (20.10.1898)
Date
1898-10-20
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1543 kein Bedenken gegen sich, doch hört eine solche Schule auf, eine öffentliche Volksschule zn sein, sie wird zur Prioatschule, die nur für eine beschränkte Anzahl von Kindern zugänglich ist, und deren Errichtung privaten Personen oder Eorporationen überlaffen bleiben muß, für deren Erhaltung auch nur Privatfonds verwendet werden können. Ganz anders verhält es sich, wenn an einer und derselben Schule gesonderte, jüdische und christliche Klaffen eingeführt werden sollen. Dieses ist vom pädagogischen Standpunkte aus verwerflich. Wenn die Schule selbst förmlich ostentativ einen solchen Unterschied zwischen christlichen und jüdischen Schülern constatirt, daß eine räumliche Trennung derselben nothwendig ist, so heißt das nichts Anderes, als den Unfrieden und die Gehässigkeit zwischen die Schüler säen, sie zu Streit und Zank und am Ende zu Thätlichkeiten reizen. Man stellte sich vor, daß in einem und demselben Gebäude, etwa in demselben Gange neben einander, ein „jüdisches" und ein „christliches" Klassenzimmer sich befinden und nun aus beiden Klassen die Schüler gleichzeitig heraustreten. Was da für Scenen Vorkommen dürften, wenn die Schüler aus dem Gesichtsbereiche der beaufsichtigenden Lehrer kommen, das kann sich Jeder, der die Neigung der Jugend zum Muthwillen kennt, leicht vergegenwärtigen. Wäre aber blos jugendlicher Muthwille der Grund solcher Kampfscenen, so könnte man doch leichten Herzens darüber hinweggehen; wo aber der Religionshaß die Ursache der Conflicte bildet, da ist das Hebel viel schlimmer; es tritt eine Gemüthsrohheit zu Tage, die doppelt beklagenswerth erscheint, wenn sie sich schon in den Kinderjahren zeigt, wo sonst das Zartgefühl am meisten entwickelt ist. Tausendfach beklagen muß man aber dann jene Gemüthsrohheit, wenn die Schule selbst sie verschuldet hat. Dagegen durch Belehrung und Ermahnung auf die Schüler cinzuwirken, wird dem Lehrer unter solchen Verhältniffen nicht möglich sein, da seine Ermahnungen durch die Schulverordnungen dementirt werden und außerdem „Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen." Die geplante gleichsam quarantaineartige Absonderung der Schüler einer Kategarie erscheint somit als eine bewußte Massen-Ehrenbeleidigung nicht nur für die Schüler, sondern auch für deren Eltern. Abgesehen von dem schlechten Beispiele, welches die Schule dadurch gibt, begeht sie eine grobe Pflichtverletzung. Das Gesetz setzt für die Schule als Hauptaufgabe die sittliche Erziehung der Jugend fest. Dieser Bestimmung ist cs aber schnurstracks zuwiderlausend, wenn die Schule das Ehrgefühl der Schüler gleich beim Eintritte verletzt und endlich gar tödtet, anstatt dasselbe zu wecken und zu stärken. Die Lehrerschaft trifft hierbei keine Schuld. Sie wehrt sich kräftig. Amerika. E. New-Uvrk, 14. Okt. Der um die Pflege der Waisenkinder hochverdiente „Vater" Werner ist im Alte von 90 Jahren gestorben. „Hätte ich nur noch so lange leben können, um meine Babies gesund um mich zu sehen." Das waren die letzten Worte des sterbenden Philantropen. Seit 80 Jahren schon vom 10. Lebensjahr an hatte Herr Maurice Werner sich der Wohlthätigkeit gewidmet. Geboren in Frankfurt a. M. im Jahre 1808, als Sohn eines reichen Bankiers, überredete er schon im Alter von 10 Jahren den Vater, in jener Stadt eine Anstalt für verkrüppelte Kinder zu gründen, zwei Jahre später schon kam er mit seinem Onkel, Professor Adolf Werner vom College of the City of New-Aork, nach Amerika, machte noch eine vortreffliche Schulbildung durch und gründete dann ein Engros-Millinery-Geschäft. Die ihm von Europa zufallenden Erbtheile machten ihn zum Millionär, ehe er 35 Jahre alt war; nun widmete er sich um so mehr seinen philantropischen Bestrebungen. In dem hohen Greisenalter, das ihm bescheert wurde, pflegte er noch die 150 Knaben und Mädchen, welche im Hebrew Orphan Asylum an der Ruhr erkrankten. Er selbst erbmnkte, gab aber trotz der Bitten seiner Söhne und Töchter sein edles Wirken nicht auf, bis all' die Kleinen genesen waren; erst dann legte er sich auf's Sterbelager. Im Waisenasyl, inmitten der Kinder, die ihn als einen Vater verehrten, wird die Todtenfeier stattsinden. Herr Werner hinterläßt zwei Söhne und vier Töchter. Frau Emanuel Wallach und Frau E. B. St. John Henriques; die beiden anderen Töchter sind unvermählt. Palästina. Jerusalem. Dem Berichte über die Thätigkeit des zur Verpflegung armer Wöchnerinnen Und Unterhaltung eines Asyls für Unheilbare und Geisteskranke gegründeten allgemeinen Frauen - Verein» „Esrath-Nafchim" in Jerusalem von 5657/58 entnehmen wir: Im verflossenen Rechnungsjahre hat sich das Bedürfniß fühlbar gemacht, die Anzahl der Betten im Asyl von 22 auf 25 zu erhöhen. Ebenso haben wir dem behandelnden Arzte Herrn Dr. KrischewSky ein monatliches Honorar für seine regelmäßigen Beuche in der Anstalt auSgesetzt. Die Wöchnerinneninterstützung haben wir durch eine neue, sehr wichtige Einrichtung erweitert. Wir haben eine diplomirte

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