Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-10-20 · Heft 83 (20.10.1898) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 83 (20.10.1898)
Date
1898-10-20
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448933--46968-2497301
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1544 Hebamme mit einem monatlichen Gehalt engagirt, die kontraktlich verpflichtet ist, überall, wo ihre Hilfe in Anspruch genommen wird, sofort hinzugehen und die armen Wöchnerinnen, gleich reichen, mit der größten Sorgfalt bei der Geburt und während der Dauer des Kindbetts zu behandeln. Allen armen Wöchnerinnen, ohne Unterschied der Gemeindeangehörigkeit. werden Karten für die Hebamme gratis verabreicht. Dieses neue Werk des Frauenvereins ist von der hiesigen jüdischen Bevölkerung mit großem Beifall begrüß; werden. Im Rechnungsjahre 5657/58 stnd 229 Wöchnerinnen 767 Frcs. und sonstige arme Kranke mit 375 Frcs. unterstützt worden. Die Propaganda des Vereins in Europa ist von gutem Erfolge gekrönt worden. Besonders haben sich in einigen großen Städten Rußlands Zweigvereine gebildet, die bereits eine große Anzahl von Mitgliedern zählen, deren Beiträge zu Gunsten der Armen und Leidenden in der heiligen Stadt unserer Kaffe zufließen. Den Damen, die sich um das Zustandekommen dieser Zweigvereins verdient gemacht haben, sei an dieser Stelle bestens gedankt. Hoffen wir, daß wir in absehbarer Zeit mit Hilfe des Allbarmherzigen und mit dem Beistände unserer mildthätigen Schwestern und Brüder im Ausland das Ziel unserer Wünsche, der Anstalt ein eigenes Heim zu gründen, sich erfüllen sehen werden.? Jaffa. Der hiesigen deutsch-evangelischen Gemeinde ist ein schöner Bauplatz geschenkt worden, aus der die Kapelle, Schule und Pfarrwohnung errichtet werden soll. Man hofft, daß der Kaiser bei seiner Anwesenheit in Jaffa den Grundstein legen wird. So rührt sich überall das protestantische Christen' thum, nicht weniger die Katholiken und Russen, nur wir Juden bleiben zurück. Uebrigens beabsichtigen einige deutsche Kavitalisten Kurhäuser nach dem Muster derjenigen der Riviera in einigen klimatisch besonders bevorzugten Theilen des heiligen Landes anzulegen, auch ein wichtiger Fortschritt sür Palästina. Persien. (D Jfpahan. (Israeliten Persiens.) In den Städten im Innern von Persien ist der Schah fast ohnmächtig gegen die Jntriguen der fanatischen Partei. Folgendes schreiben die hiesigen Bewohner an das Central-Comite der Alliance: Seit anderthalb Jahren verläumden und mißhandeln uns die schiitischen Priester fortwährend, um uns das Leben schwer zu machen. Da diese Leiden ihren Haß gegen uns noch nicht besänftigt haben, legen sie uns folgende drei Beschränkungen auf. 1. Die Mohamedaner sollen nicht mit den Juden verkehren und nichts bei ihnen kaufen. Damit sind mehr als 1000 jüdische Hausierer ins Elend gestürzt. Um dem Befehl ihrer Priester zu gehorchen, kaufen die Eingeborenen nichts mehr bei Juden und bezahlen ihre alten Schulden nicht. 2. Es ist den Juden verboten, auf den Markt zu gehen, um ihr Gewerbe zu treiben. Wenn ein Jude sich in einen Laden der Stadt wagt, wird er unter einem nichtigen Vorwand geschlagen. 3. Die Priester verbieten den Mohamedanern den Juden Nahrungsmittel zu verkaufen, welches der Gipfel unseres Unglücks ist, da die Mohamedaner die Lager der gewöhnlichsten Nahrungsmittel haben. Wir müssen zu Haus bleiben und können nicht wagen, unsere Häuser zu verlassen, denn sonst würden uns die Schiiten wie wilde Thiere anfallen und Niederschlagen. Wenn tvir uns bei dem schwachen Gouverneur beklagen, so begnügt er sich sie zu tadeln, worauf sie mit Frechheiten antworten. Es sind vier solche Priester, nämlich: Agha Najafi, Ehekg Mourteda, Sayed Hassan, Sayed Fani. Dies sind unsere unversöhnlichen Feinde, auf deren Anftiften uns der Pöbel verfolgt. Sie gehorchen weder den Befehlen des Schah, noch der Behörden der Stadt, die sie fürchten und keinen Einfluß haben. Dazu kommen die Schrecken der Hungersnoth. Die meisten Juden sind arm und im Elend- Die Juden, welche ihre armen Glaubensbrüder unterstützen konnten, sind an den Bettelstab gebracht, sodaß keiner dem andern helfen kann. Vermischtes. AuS dem Grotzherzogthum Hessen- Unser neues Ministerium scheint sich auch der jüdReligionslehrer anitdjtncu zu wollen. Denn dieser Tage ist ein Ausschreibcn Gr. Ministeriums des Innern erschienen, in welchem die Gr- Kreisämter aufgefordert werden, behufs Feststellung der Verhältnisse der isr. Neligionslehrer des Landes zu berichten, tvie viele jüdische Schüler vom 0.—14. Jahre eines Dorfes oder einer Stadt in den Schuljahren180'>,'06, 1806/47, 18N7/V8 die Volksschule und wie viele die höheren Anstalten besucht haben. Hoffentlich erreichen die Religionslehrer endlich das, was so lange ihr sehnlichstes Streben ist: Beihilfe von Seiten des Staates und Anstellung durch denseben. Schirrlroferr, 7. Okt. (»{abbinerLev h.) Das Begräbnis des hiesigen langjährigen Rabbiners, tvelchcr letzten Sonntag durch einen Herzschlag plötzlich ans diesen! Leben abberufen wurde, gestaltete sich zu einer wahren Feierlichkeit. Eine ungetvöhnliche große Schaar von Menschen war erschienen, uin dem so plötzlich dahingefchiedenen und in weiten Kreisen bekannten Rabbiner das letzte Ehrengeleit Zll geben. Unter den Leidtragenden bemerkten wir unter anderen den Oberrabbiner Herrn W. von Straßburg, sowie ca. 10 andere Rabbiner von Rah und Fern. In der Shnagoge hielt Herr Oberrabbiner W. zu Ehren des Verstorbenen eine längere Leichenrede, während einer der anderen anwesenden Rabbiner ihm am offenen Grabe den letzten Scheidegruß znrief: Friede seiner Asche'. _ Lüttich. Endlich wird aucli unsere ^tadt die so lang entbehrte Stznagoge erhalten. Wir danken dies besonders der eifrigen Thütigkeit, welche die Herren M. L. Laefer, L. Levifon, E. Hartog, I. Ifaar und Prof. Herrmann entfaltet

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.