Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 83 (20.10.1898)
- Date
- 1898-10-20
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1542 von 13 Jahren stehende Burschen polnischer Zunge hervorgerufen wurde. Dieselben hatten Steine in die Synagoge geworfen, mehrere Fensterscheiben zertrümmert und wurden deßhalb von einigen Israeliten zur Feststellung ihrer Namen festgenommen. Indessen hatte sich auf die Hilferufe , der jugendlichen Uebelthäter vor der Synagoge eine kolosiale Menschenmenge angesammelt, die den Israeliten drohend gegenübertrai, so daß die in der Synagoge Zurückgebliebenen sich durch die Noththür flüchten mußten. Unter anderem wurden Drohungen laut, die Polen sollten sich sammeln, die Juden Niederschlagen und die Synagoge in Brand stecken. Erst durch das Eingreifen der Polizei wurde die Menge zerstreut. Gegen die Urheber dieser Panik sowie gegen Diejenigen, die sich solcher aufreizenden Redensarten bedienten, müßte ernstlich vorgegangen werden, zumal ähnliche Fälle hier schon häufig vorgekommen sind. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. L. Wie«, 17. Oct. (Die confessionellen Schulklassen.) Ein alter Schulmann schreibt: In der Debatte über die confessionellen Schulklaffen Hai ein Mitglied der Gemeinderaths-Majorität für sein Votum „pädagogische Gründe" angegeben. Worin diese pädagogischen Gründe bestehen sollen, dies auseinanderzusetzen hat jedoch dieser Redner unterlassen. Und doch wäre es nothwendig gewesen, denn der betreffende Herr ist keine pädagogische Autorität, und daher ist der einfache Pauschalhinweis auf pädagogische Gründe aus seinem Munde werthlos. Möge es mir als einem vielerfahrenen Schulveteranen gestattet sein, die pädagogische Seite dieser Frage vorurtheilssrei zu erörtern. Warum sollen eigentlich die christlichen und die jüdischen Kinder getrennt unterrichtet werden d Ist etwa der Lehrstoff in den weltlichen Gegenständen für die beiden Kategorien von Schülern ein verschiedener? Nein. Ist die Lehrmethode eine verschiedene? Nein. Für Christen und Juden gilt derselbe Lehrplan. Es ist auch nicht einzusehen, wieso der christliche oder der jüdische Glaube einen Unterschied für den Unterricht beispielsweise im Rechnen, in der Sprachlehre, in der Naturkunde, ja selbst in der Profangeschichte auf der Stufe der Volksschule begründen sollte. Für Christen und Juden bleibt das Einmaleins dasselbe, ebenso die Regeln der Sprachlehre. Die Erde macht auf ihrer Bahn für die Juden keine anderen Evolutionen als für die Christen, und jener großer Monarch, welcher den „allen Menschen gewidmeten Erlustigungsort" geschaffen, ist für alle Menschen gleich verehrungswürdig. Wenn also nicht im Lehrstoff der Grund für die in Rede stehenden Trennung zu suchen ist, so müßte er in den Schülern liegen. Ein solcher existirt nicht. Es wird doch Niemand behaupten wollen, daß die Juden ausnahmslos eine bessere geistige Auffaffungskraft als die Christen haben oder das Umgekehrte. Nur in diesem Falle wäre es gerechtfertigt, für Juden und Christen getrennten Unterricht einzuführen, um etwa bei der einen Kategorie von Schülern in kürzerer Zeit günstigere Erfolge und weiter gesteckte Ziele zu erreichen. Allein die Erfahrung zeigt, daß in jeder Schulklasse Schüler der verschiedensten Begabung Vorkommen, und das gilt von Christen wie von Juden. Darin besteht nun die Hauptaufgabe des Lehrers, seinen Unterricht nicht nur der Gesammtheit der Klasse auzupaffen, sondern auch die Individualität der einzelnen Schüler möglichst zu berücksichtigen, und zwar umsomehr, aus einer je tieferen Stufe der Unterricht steht. Mögen nun die Schüler ausschließlich Christen oder ausschließlich Juden sein oder gemischt, so bleibt die Sache immer die gleiche. Ein Schlagwort mit dem gewisse Parteiführer bei der großen Masse große Erfolge erzielen, ist der von ihnen erfundene Gegensatz zwischen jüdischer und christlicher Moral, und darauf gründen sie die Behauptung, das Zusammensein der christlichen Schüler mit den jüdischen in derselben Klasse wäre für die Moralität der erfteren schädlich. Allerdings ist es vergebliche Mühe, diesen Leuten mit Vernunftgründen entgegentreten zu wollen, da sie sich in jene Idee so verrannt haben, daß dieselbe in ihrem Gehirn gleichsam als fixes petrificirtes Truggebilde jur unheilbaren Krankheit geworden ist. Doch aus Rücksicht für die Allgemeinheit möchte ich wenige Worte über diesen Gegenstand Vorbringen. Was ist denn das Fundament der jüdischen Moral? Antwort: Der Dekalog. Derselbe Dekalog ist auch die Grunlage für die christliche Moral. Wie kann man da einen Unterschied zwischen beiden heraussinden? Dieselben Gebote gelten für Christen wie für Juden. Vom ersten bis zum zehnten Punkt stimmt, was für Beide geboten und verboten wird, vollständig überein. Daß Gebote übertreten werden, kommt vor, hierin gleichen sich aber Juden und Christen. Wer behaupten tvolle, daß in dieser Hinsicht die Christen besser sind als die Juden, ist im großem Jrrthum. Keinesfalls aber liegt die Schuld für etwaige Sünden am Glaubensbekenntniß. Wenn man nun aus diesen Erörterungen die Folgerungen ableitet, so kommt man zu dem Schluffe, daß die Trennung der Schulkinder nach der Confession nicht nothwendig sei. Aber man könnte doch glauben, re wäre zulässig und keineswegs nachtheilig. Ja wol, wo es sich um eine ganze Schule handelt, gebe ich das zu. Eine ganze Schule ausschließlich für Kinder eines und desselben Glaubensbekenntnisses zit errichten, hat vom pädagogischen Gesichtspunkte aus