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Der Israelit · 1898-10-20 · Heft 83 (20.10.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 83 (20.10.1898)
Date
1898-10-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1504 durch Schaffung von Bezirksrabbinaten, sowie durch Subventionirung derjenigen Gemeinden, die das Rabbinergehalt aus eigenen Mitteln nicht aufzubringen vermögen, diesen Zweck zu fördern." Auf Vorschlag von Dr. R e i ch—Breslau wird beschlossen, diese beiden Anträge dem D. I. G. B. und den Bezirksverbänden als für die Erstrebung des gesteckten Zieles überaus wichtiges Material zu überweisen. Es erhält alsdann als Referent Herr Oberlehrer Dr. B l a s ch k e—Berlin das Wort zu Punkt 2 a: „Einrichtung von Religionsunterricht in kleinen Gemeinden." In seinem sehr eingehenden, überaus sachlichen und von der Versammlung mit lebhaftem Beifall begleiteten Referate betont er die Nothwendigkeit der Einrichtung des Religionsunterrichts in kleinen Gemeinden und beleuchtet den Punkt nach den drei Theilen, der Frage des Lehrers, der Lehraufgabe und der Lehrmittel. Der Redner schlägt die im Einzelnen dabei zu beschreitenden Wege vor. Nach sehr ausführlicher Debatte, an der sich die Herren Cobtenz—Bielefeld, SßoÜftein-^ceßlau, Loevy—Birkenfeld, Walter—Bromberg, Hirsch— Halberstadt, Lehrer Loevy—Berlin beteiligten, gelangt zunächst ein Antrag Kroner zur Annahme: „Jeder Verband hat 1. darüber sich in steter Kenntniß zu erhallen, ob in allen seinen Gemeinden israelitischer Religionsunterricht ertheilt wird und ob derselbe ausreicht; 2. in den Gemeinden, welche keinen israelitischen Religionsunterricht haben, einen solchen, soweit es möglich ist, einzurichten; falls eine Gemeinde beharrlich jeden israelitischen Unterricht abweift, dem D. I. G. B. Kenntniß zu geben und, wenn dessen Bemühung erfolglos ist, die Regierung zu benachrichtigen." Die im Laufe der Debatte eingegangenen Anträge von F e i l ch e n f e l d—Schwerin: „Für die sehr vielen kleinen Gemeinden Deutschlands, welche bedauerlicher Weise keine jüdische Volksschule haben und auch sür den Religionsunterricht keinen seminaristisch gebildeten Lehrer gewinnen können, sowie sür die vielen anderen etwas größeren Gemeinden, welche neben ihrem Rabbiner oder seminaristisch gebildeten Lehrer noch für die unteren Klaffen einen Lehrer zur Hilfe brauchen, möge an einer oder mehreren Stätten die Schächter und Vorbeter zugleich auch zu Religionslehrern ausgebildet werden," und von dem Referenten B l a s ch k e—Berlin; „Der jüdische Religionsunterricht soll nur von geprüften Lehrern ertheilt werden", werden auf Anregung von Kroner—Stuttgart bis zur Besprechung des Punktes 2d über Vorbildung der Cantoren und Schächter zurückgestellt. Ein zur Geschäftsordnung eingebrachter Antrag G a l l i n g e r—Nürnberg: „Die Frage des Wanderbettelns, die doch wohl eine der wichtigsten Fragen des heutigen Tages ist, vor 2 d, e, und f vorzunehmcn, wird einstimmig zum Beschluß erhoben. Es tritt alsdann eine halbstündige Pause ein. Zu Punkt 2b: „Inspektiondes Religionsunterrichts durch die Gemeindeverbände" hält darauf Herr Oberlehrer Dr. Schäfer Berlin das ein leitende Referat. Er weist auf die in Westfalen bestehende mustergültige Organisation hin und empfiehlt, erfahrene Lehrer und geeignete Rabbiner zu Inspektoren des Religionsunterrichts zu wählen. Nach sehr angeregter Debatte, an welcher sich die Herren Davidsohn, Gallinger, Kroner, Eoblenz, Reich und Strauß—Nassau betheiligten, wird als Ergebniß der Berathung der Antrag Kroner angenommen: „Jeder Verband hat dafür zu sorgen, daß geeignete, schulmännisch tüchtige Persönlichkeiten eine regelmäßige Inspektion des Religionsunterrichtes in ihrem Bezirke einrichten und zu ihren Berichten geeignete Berichtsformulare verwenden, über die ein Gestimmt bericht an den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund erstattet wird." Es erhält alsdann zu Punkt 3 der Tagesordnung: „Wanderbettelei und Organisation der allgemeinen Armenunterstützuug, Arbeitsnachweis," das Wort Herr Eugen Rosen ft iel -Berlin. In einem etwa dreiviertel Stunden währenden Vortrag unterzieht er die Frage der Wanderbettelei einer sehr eingehenden Erörterung, giebt überans reiches statistisches Material und schließt seine sehr interessanten, unter dem lebhaftesten Beifall der Versammlung aufgenommenen Darlegungen mit dem Vorschläge der Einsetzung einer aus Mitgliedern der verschiedenen Bezirksverbändezusammengesitzten Kommission, die unter Leitung und Mitwirkung des Ausschusses des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes die Angelegenheit ernstlich beräth und ihre Vorschläge innerhalb sechs Monaten macht. (Unserer Ansicht nach, wäre es klüger und weniger leichtfertig gewesen, wenn Herr Rosenstiel nicht so sehr über die jüdischen „Bettler", die doch schließlich auch seine Brüder sind, in breitester Oessentlichkeit hergefallen wäre. Beweis: Der einmüthige Jubel sämmtlicher Antisemitenblätter, denen Herr R. werthvolles Material lieferte. Daß die Versammlung auch bei dieser Rede in den üblichen „lebhaftesten Beifall" ausbrach, giebt sehr zu denken. Red. d. Jsr.) In der Diskussion spricht Herr L e b r e ch t— Nürnberg, der Vorsitzende des israelitischen Armenvereins in Nürnberg, in dankenswerther Weise über die bestehende Organisation des Armenwesens in Bayern. Außer dem Anträge des Referenten, der einstimmig angenommen wird, wird noch der folgende Antrag Kroner Rosenstiel—Voge lstein mit überwiegender Majorität zum Beschluß erhoben: „Jeder Verband wirke dahin, daß 1. in jeder Gemeinde des Verbandes dieisraelitischenOrts-

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