Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 83 (20.10.1898)
- Date
- 1898-10-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1532 sich tiefe Frömmigkeit und achtungsvolle Liebe für das Profane paarten, zwischen Beiden gleichsam die Mitte hielt. Abneigung und Zuneigung keimen oft mit der Plötzlichkeit des Blitzes ohne jede vorhergehende Ursache und Begründung. Eine ähnliche Abneigung entstand in Glaser gegen seinen Kollegen sofort, als er ihm das erste mal im „Bet hamidrasch" *) begegnete. Chajim Glaser war bereits ein Semester in der Jeschiwa gewesen, als Porges aus dem fernen Osten kommend sich an derselben niederließ. Zwischen dem Beschluß des einen und dem Beginn des andern Semesters, das ist so beiläufig sechs Wochen um „Peßach" und „Sukkoth" herum, bieten die kleineren Jeschiwas ein kaleidoskopisch wechselndes Bild, das mit jedem Tage sein Aussehen ändert, fast jeden Tag giebt es neue Gesichter und neue „Talisbeutel". Das ist ein Kommen und Gehen, ein Schwärmen und Schwanken, wie unr einen Bienenkorb herum. In einer jeden der kleinern Jeschiwas wird um diese Zeit ein Theil der Bachurim flügge um das Eontingent der das Land durchziehenden fahrenden Schülern zu bereichern. Die meisten treibt die Noth zur Ausübung dieses idealisirten Gewerbes, aber es giebt auch Viele, welche es nicht gerade thun müßten. In unserer, der Romantik feindseligen Zeit, hat auch diese Wanderzügigkeit der Bachurim viel von dem Nimbus ehrwürdiger Tradition eingebüßt, die sie ehedem umgab; aber es hat eine Zeit gegeben, wo derjenige gar nicht als vollbürtiger Bocher galt, der nicht in der genannten Zeit sein „Sträßl" machte. Auf der Wanderschaft wurde gleichzeitig unter den Jeschiwas des Landes Umschau gehalten, man merkte sich diejenigen, von welchen man sich angezogen fühlte und kehrte nach Absolvirung des Reiseprogamnls dahin zurück, oder *) Lehrhaus. Der „Israelit" erscheint wSeheitlieli iwelmal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindesten- -wei Boae«. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder Vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Per -uchtzan-el verkehrt dnrch E. ffeinta, -laßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig dir 4spalüge Petitzelle ober deren Raum. Preis der Zeile im Reclamethell 75 Pfennig. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark oder S fl. Ssterr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine «SAfen-mrdar *» Mi Nadoktt»» eirrgesanvter» Marrrrseripterr flirtet nicht statt, man dittet deshatd, flch »an aüen Ginsendnnsen eine «opie zurückzubehalten. JsNihatt (chanptt»t«»tt>. Leitender Artikel.' Deutsch-Israelitischer Gemeinde-Bund. Zeitungsnachrichten und E nrresvondenzen: Deutschland: Posen- Hamburg. — Feuilleton: Verkauft- Eine Erzählung aus Ungarn. Von Samuel B. Nosner- (Fortsetzung.) . Inhalt der ersten Beilage t Leitender Artikel: Deutsch-Israelitischer Gemeinde-Bund. Zeltungsnackrichleu und Eorrejpondenzen: Deutschland: Gailingen. Dänemark: Kopenhagen. Afrika: Iohannisdurg. Mittheilnngen aus den Armenvereinen. Bei der Nedaciion neu eingegangene Bücher. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Köln. Kassel. Elberfeld. Dchrimm- Oesterr-Hngar. Monarchie: Wien. Amerika: Netv-Aork. Palästina: Jerusalem. Jaffa. Persien: Ispaban. Vermischtes. Extra-Beilage r Spenden-Verzeichnisse._ Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen HofbuchdruckereEActien-Gesellschast in Mainz. Hierzu drei Beilagen. auch, wenn die Zeit vorgerückt war, legte man den Wanderstab einfach bei Seite, schüttelte den Wanderstaub von den Füßen und ließ sich dort, die Reise unterbrechend, gleich nieder. Mit Jeruchem Porges war es anders. Er hatte an seinem früheren Aufenthaltsorte es verstanden, sich eine bevorzugte Stellung zu verschaffen, die es ihm ermöglichte, von dem landesüblichen Wandern Abstand zu nehmen. Er war zielbewußt aus der Jeschiwa des Marmaroscher Comitates, wo er bis dahin „gelernt" hatte, heraufgekommen, angelockt von dem großen Rufe, den der greise Rabbi als talmndische Koryphäe genoß. Schon einige Wochen früher brachten durchreisende Bachurim die große Neuigkeit, daß der „große" Jeruchem Porges kommen werde, um an der Jeschiwa zu verbleiben. Es ist zweifellos, daß man zur Größe prädestinirt sein muß. Der Nymbus gewiffer Menschen entsteht wie eine dunkle Mythe, deren Ursprung Niemand kennt und die trotzdem einer dem Andern voll Ueberzeugung mittheilt und nachbetet. Würde nun irgend ein Skeptiker alle diese Leute nach den Quellen und nach den Motiven ihrer Ueberzeugung befragen, so ist es sehr wahrscheinlich, daß sie ihn mit verdutzten Mienen, ohne ein Wort zu finden, angaffen würden. Es fällt aber Niemanden ein zu fragen, die Thatsache ist ein Axiom, das keiner Begründung bedarf. Jeruchenl Porges galt für einen ganz exquisiten Bocher, quasi für einen geheiligten Menschen, noch ehe ihn Jemand kannte. Als er mm eines Tages beim Minchagebet im „Bet-Hamidrasch" austauchte, war er sofort ein Gegenstand der allgemeinen Aufmerksautkeil. (Fortsetzung folgt.)