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Der Israelit · 1898-10-20 · Heft 83 (20.10.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 83 (20.10.1898)
Date
1898-10-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1530 modificirt: „Der D. I. G- B. beschließt die Einsetzung einer Kommission, die über eine einheitliche Regelung der Altersversorgung der Gemeindebeamten und der Fürsorge für deren Hinterbliebene in Beratung zu treten und über deren Ergebniß dem Gemeindetag zu berichten hat." In dieser Form wird der Antrag mit großer Mehrheit angenommen und in die Kommission ein Vertreter der Gemeinde Potsdam und die Vorstände der schon bestehenden Provinzialverbände gewählt. Zum letzten Punkt der Tagesordnung: ,/Reuwahl des Ausschusses" werden auf Vorschlag des Herrn Dr. Karpeles— Berlin die noch fungirenden Mitglieder des Ausschusses durch Akklamation wiedergewählt. Justizrath Bensey—Hannover schließt sodann den achten Gemeindetag mit Worten lebhaften Dankes für die zur Berathung erschienenen Delegirten, für die so thätig arbeitenden Mitglieder des Ausschusses und mit einem von der Versammlung warm aufgenommenen Hoch auf den Vorsitzenden des Ausschusses Herrn Prof. Dr. Philippson. Herr Rothschild-Stadtoldendorf giebt dem Danke der Versammlung durch ein Hoch auf das Präsidium und die Schriftführer Ausdruck. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland.? Posen. Am 10. Oetober fand hier eine Wählerversammlung statt, in der Justizrath Lewinsky, ein Glaubensgenosse, der Schwiegersohn des großen Fabrikanten Toznansky in Lodz, als Wahlkandidat zum Abgeordnetenhaus sein Programm entwickelte. Der Redner, der früher nationalliberal gewesen ist, stellt sich jetzt auf den Standpunkt der freisinnigen Bereinigung. Wir übergehen seine allgemein politischen Ausführungen und geben aus dem Stenogramm seiner Rede nur einen Passus, welcher sich offenbar mit den Verhältnissen der Juden beschäftigt, obwohl dieselben nicht ausdrücklich genannt werden. Lewinsky sagte: „Im Landtage wird es sich wesentlich darum handeln, den rückschrittlichen Tendenzen auch fernerhin erfolgreichen Widerstand zu leisten. Einem Bolksschulgesetzentwurs, wie demjenigen des Grafen Zedlitz, würde ich niemals meine Zustimmung geben können, auch einem solchen nicht, welcher auch nur den Athem dieses Gesetzes in sich trüge. Ebensowenig würde ich einer Umsturzvorlage und einem Affefforenparagraphen, wie er dem Landtage vorgelegt wurde, jemals zuneigen können. Es ist selbstverständlich, daß wenn ich meinen obigen Standpunkt, wie geschehen, präzisirte, ich damit auch ausgedrückt habe, daß ich eintreten würde, für die Gleichberechtigung stimmt licher Staatsbürger auf allen Gebieten, nationalen wie konfessionellen Lebens, auf allen Gebieten der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Macht. Ich halte dafür, das was in der Verfaffung steht, nicht auf dem Papier stehen bleiben soll, sondern in die Wirklichkeit übertragen werden muß, und daß die Verwaltung dem Sinne und Geiste der Gesetze zu entsprechen habe. Es ist ebenso selbstverständlich, daß ich eintreten würde gegen jeden Zwang, welcher die Gewissensfreiheit des Einzelnen beschränken könnte. Es ist unmöglich, ein liberaler, ein freisinniger Mann zu sein, wenn man nach dieser Richtung nicht mit Schonung und Toleranz Vorgehen wollte. Ich verstehe darunter nicht blos, daß der Staat in innere Glaubenssachen nicht hineinzugreifen hat, sondern auch, daß alles dasjenige, was Gegenstand pietätvoller Verehrung einer Glaubensgemeinschaft ist, unter allen Umständen Anspruch auf Schutz und auf Schonung seitens des Staates hat. Obwohl ich selbst auf einem freieren Standpunkte insofern stehe, als ich höheren Werth auf die innere Vertiefung als auf die äußere Betätigung lege, so meine ich doch, daß alle jene Dinge, welche Gegenstand einer rituellen oder ceremoniellen Beobachtung sind, und an denen eine Glaubensgemeinschaft hängt, ihrer innersten Natur nach auf tiefsittlichen Ideen beruhen und der auf ethischer Grundlage aufgebaute Staat gerade deshalb ihnen Duldsamkeit und Schonung entgegenbringen muß. Es ist das eigentlich etwas Selbstverständliches und bloß mit Rücksicht auf angeregte Zweifel habe ich geglaubt, es bestimmt und präzise betonen zu müffen." Hamburg, 16. Okt. Gestern am nwa rep fand, wie es in Hamburg alte und schöne Sitte ist, ein Nachklang von rmn Tinctp statt, indem die;mvn deren es natüvticfy alljährlich ebenso viele giebt wie hierorts Synagogen vorhanden sind (circa dreißig) großen Empfang veranstalteten, zu welchem sich mehr oder minder großer Zuspruch einstellt. Der Tag aber sollte nicht in Freuden zu Ende gehen, denn kaum war es Nacht geworden, da verabschiedete sich ein von Allen hochverehrter Mann von uns. Herr Bernhardt I. Michael irw -p-c n 'nn s-n t>TO spi» hat nach langem, mit Ergebung und Gottvertrauen getragenen Leiden seine Augen geschlossen und mit ihm ist gewissermaßen ein Stück Gemeinde geschichte zu Grabe getragen worden. Der Verstorbene, einer der ältesten Hamburgischen frommen Familien entstammend, war bei Constitnirung des Synagogenverbandes im Jahre 1867 durch direkte Wahl zum Vorstandsmitgliede erwählt worden. Nun folgt er nach segensreichem Wirken seinen ihm voraufgegangenen Eollegen in die Ewigkeit. Schon heute Nachmittag 3l/2 Uhr fand die Beerdigung seinem ausdrücklichen

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