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Der Israelit · 1898-10-17 · Heft 82 (17.10.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 82 (17.10.1898)
Date
1898-10-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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151.9 schmutziger und zerlumpter Kinder zusammeugedrängt sind, deren ungesunde Ausdünstungen die Luft verpesten und deren Schmutz ansteckende Krankheiten erzeugt. Die Kinder, auf schmalen Bänken um ihren Lehrer kauernd, der selber in morgcnländischer Weise dasitzt, geben ihrem Körper eine unnatürliche, wackelnde Bewegung. Der Lehrer liest mit näselnder Stimme einen Vers ab, den alle Kinder auf einmal in nicht zu melodischer Weise uachschreien. Inmitten des Unterrichts laufen die Schüler ohne Ordnung uitb mit großem Geräusch hinaus und herein, es entstehen Streitigkeiten und der Lehrer, dem es an allem moralischen Ansehen fehlt, hat kein anderes Mittel um die Eintracht wieder herzustellen oder um zu strafen, als die kräftige Handhabung des Ochsenziemers. Das Material dieser Schule besteht in einigen zerrissenen Bibeln und einigen talmudischcn und rabbinischen Werken. Von den Schülern hat jeder eine Schilfrohrfeder, womit sie einen hebräischen Buchstaben hinmalen. Der Gesammt-Unterricht erstreckt sich auf das Studium der religiösen Sprache; und die Schulaufgabe ist gelöst, wenn der Schüler im Stande ist, die theologischen Werke zu lesen und theilweise zu verstehen. Algier zählte im Jahre 1842, 12 solcher Schulen mit 885 Kindern." „Schon vor dem Erscheinen der letzten königl. Verordnung hatte sich die französische Verwaltung bcimtt beschäftigt die guten Anlagen der israelitischen Jugend durch Unterricht zu bilden. Selbst unter den Lumpen des größten Elends gewahrte Ulan bei diesen Kindern Spuren der bedeutendsten Fähigkeiten." „Ihre hohe und breite Stirn, das Feuer ihrer Augen, das lebhafte Spiel ihrer Physiognomie, alles kündigt eine Fassungskraft und ciitou Scharfsinn au, die nur der Entwickelung bedürfen. In Algier ist eine französische Schule für die Juden im Mittel- Viuift der Stadt errichtet worden; sie steht unter der Leitung des Herrn Weit, dessen Eiser befricdigende Ergebnisse erzielt hat. Einer andern Schule für Mädchen steht Demoiselle Hartoch, eine sehr gebildete französische 3üMu, vor. Die Zöglinge in beiden Anstalten machen täglich neue Fortschritte; bei der letzten Wiedereröffnung betrug ihre Anzahl 8o in der ersten und 5<> in der zweiten Klasse." „Vor den Ferien fand in der Synagoge der Seipiostraße eine Prämien Vertheilung an die Zöglinge der für die einheimischen Israeliten gegründeten Schulen statt, welcher die angesehensten Mitglieder der Verwaltung, des öffentlichen Unterrichts, der Gerichtsbehörden und des Advocatenstandes beiwohnten. Den Vorsitz führte ein gelehrter, eigentlich aus Ungarn stammender Orientalist, Hr. Albert Eohn, der Algerien besuchte, um an dem Werke der Bildung seiner Glaubensgenossen arbeiten zu helfen, und in einer feurigen Rede, die er zuerst französisch sprach und dauit hebräisch und arabisch wiederholte, alle Wohlthaten aufzählte, welche die Israeliten Frankreich zu verdanken haben, seine jungen Zuhörer ermahnend, sich derselben würdig zu zeigen. Sodann vertheilte er an die fünf besten Zöglinge jeder Schule Sparkassenbücher, mittelst deren sie mit 15 oder 20 Jahren ein kleines Vermögen werden erheben können. Herr Albert Cohn ist bereits wieder nach Paris zurttckgekehrt, und gedenkt in Kurzem in einer eigenen Schrift die Beobachtungen, welche er auf seiner mehrmonatlichen Reise über den gegenwärtigen Zustand der Juden in Algerictt gemacht, zu veröffentlichen. Herr I. I. Altaras ist durch Entscheid des Kriegsministers vom 18. Rov. mit dem ehrenvolle Aufträge betraut worden, der algerischen Verwaltung mit seiner Einsicht und seiner Erfahrung zur Hand zu gehen und die geeignetesten Maßnahmen zu treffen, um die Ausführung der Verordnung vom 0. November erleichtern und die kirchlichen Behörden uttb Schulen für die Juden im französischen Afrika nach liberalen Grundsätzen einrichten zu helfen." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 14. Okt. Das jüngste Heft von „Nord und Süd" bringt das Porträt Humperdiuck's, der durch sein Talent und durch die geschickte Verwendung populärer Kinderlieber in seiner „Hansel und Gretcl"-Oper zu einer großen Beliebtheit gelangt ist. Merkwürdig ist der Tert, mit dem Herr Reitzel, der ausgezeichnete Kritiker der „Kölnischen Zeitung", in der genannten Monatsschrift das Porträt seines Freundes begleitet. Das Berliner „Kl. Journal" schreibt hierüber unter der Ehiffre St- Folgendes: Dieser Tert ist sehr indiserct und läßt Herrn Humperdinck erzählen, er habe sich einst um den Preis der Meyerbccr-Stiftung beworben. Natürlich habe er Wagner gegenüber nichts von seiner Bewerbung geäußert, da er fürchtete, der Name Meycrbeer würde seine Laune verderben. Er habe sich daher wie ein armes, junges Mädchen geschämt, das sich soeben mit einem reichen, alten Herrn verlobt hat, als er in Wahnfried mit der Sicgesnachricht erschien, daß er auch dem Meyerbeer-Preise nicht entgangen sei. Aber Wagner habe ihn lustig auf die Backen geklopft und gesagt: ..Non ölet, non ölet!" Herr Humperdinck war also dem baaren Gelde der Meyerbeer-Stiftuug, das er augenscheinlich brauchte, nicht entgangen und hatte sich geschänrt, nachdem er es einkassirt hatte, und wenn

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