Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 82 (17.10.1898)
- Date
- 1898-10-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1516 Moscheh wich jeder Tropfen Blut aus dem Gesichte. Ein Zittern, von seinem Herzen ausgehend, durchfuhr seinen ganzen Körper. Und dann ging'S los — wie Axtschläge hämmerte es ihm in der Brust — bis in die Schläfen hinaus. Er hastete stammelnd nach Worten — er wisse nicht . . . seine Mutter werde das besser wissen. Rüben wiegte nachdenklich den Kops; man hatte das Nebel schon zu weit gedeihen lassen. Wenn's nur nicht schon überhaupt zu spät sein wird! Der Junge verlor ja schon bei dem bloßen Gedanken an die Fremde förmlich die Besinnung. Er wollte mit Mirjam darüber reden. Moscheh war den ganzen Tag verstört. Er fühlte sich so unsagbar elend. Er sollte weg, viele, viele Meilen weit, auf eine lange Zeit, während welcher sich daheinl so Vieles zutragen konnte . . . Es war ihm, als ob sich eilt finsterer Schleier aus das Lebensziel gesenkt hätte, welches ihm vorschwebte, seinen Blick verhüllend. Er sah es nicht mehr . - . Zum ersten Male zerriß der Schleier der allmählig sich entwickelten Illusion und er sah die Verhältnisse in ihrer für ihn trostlosen Wirklichkeit .... Zum ersten Male fühlte er, daß seine glänzenden Hoffnungen, die ihm als einziger Lebenszweck vorschwebten, in nichts Anderem wurzelten, als in seiner durch eine lange Reihe von Jahren gehegten Einbildung! Die ganze schwache Stütze, aus welche sich seine Hoffnungen stützten, war seine Anwesenheit, sein trauter Verkehr in dem theueren Hause und der erste Gedanke, der ihn sich an einem anderen Orte zeigte, machte Alles aus eirunal als leeres Hirngespinst in der Lust zerstieben. Das Aussehen Moschehs war in den nächstfolgenden Tagen ein krankhaftes. Und er war auch wirklich krank. Seilt Herz klopfte so unruhig, daß es ihm oft den Atheni benahm, auch fühlte er in der Herzgegend unaufhörlich ein schmerzliches Stechen. Es war ihm dort so beklommen, so gepreßt, daß er manchmal glaubte, es müßte dort plötzlich etwas jäh auseinander reißetl. Am schlimmsten war es in der Nacht, aus dem schlaflosen Lager. Ein endloser Schtvarnr von Gedanken ließ sein Herz nicht zu Ruhe tlild Schlaf kommen. Rüben theilte bei der tlächsten Gelegenheit seine Absichten und Besorgnisse Mirjam mit, welche ihm in Allem beipflichtete, denn es war ein langehegter Wunsch der alten Frau, ihr jüngstes Kind als „berühmten Bocher" in einer der großen „Jeschiwas" des Landes zu selten. Seiner Mutier gegenüber war Moscheh gefaßter und er hatte den Muth, ihr feinen heißen Wunsch zu verrathen, )u Hanse bleiben zu dürfen. „Thora lernen" könne er ja daheim bei seinem theuren Meister, dem weltberühmten „Gaon", viel besser, als wo immer sonst und was wollte er denn anders in der Fremde suchen '4 Und überdies — die Mutter sei alt und schwach — er genösse fern von ihr keines ruhigen Augenblicks und es sei besser, wenn er zu ihrer Stütze bei ihr verbleibe. Die alte Frau, voll diesen Gründen bestochen, ließ sich leicht überreden, zumal auch ihr eigenes Herz dafür sprach, ihr jüngstes Kind bei sich zu behalten. Und so blieb es denn ailch, Moscheh verblieb weiter zu Hanse. (Fortsetzung folgt). Woche« - Kalender. Freitag, 21. Cctobcv, '>. Marcheschwan. Sabbat Anfang in Mainz und Avauffuvt a. M. f< Utiv Min. Sauiftag, 22. Cctol'cr, <>. Marche ick» van, m Sabbat-Auagang in Mainz und Fraulfurt a. M. C> Uhr >v> Mm. Berlin •> Uhr Ai in. München ü Ubr '>'> Ai in- .VutmnnuT •» Uhr lv Ai in. SUrUgarr Uhr et; Min. Prag v Uhr M Min. Straß barg <> Ubr in Aiin. Rasen Uhr 21 Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, MoMtttgN und UonneritaeK, jedesmal in mindestens zwei Boaen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. 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Inhalt der Beilnaer peilender Artikel: Sie algerischen Fudeu uar fünfzig Fahren Feitnugsuachrichten und Eorrejpoiidenzen: Berlin. Oesterr Ungar. Monarchie: Füuskirchen. Griechenland: Alhen. Personalien- Beriuischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Jsraclck", ^Lchottstraßc Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen HofbuchdruckereEAetien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.