Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 82 (17.10.1898)
- Date
- 1898-10-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1514 Richtung des Rabbiners den Fortschrittlern ein Dorn im Auge ist, und daß aus den angeführten Gründen ernste Konflikte entstehen, ist zweifellos, wie es auch aus nachstehenden zwei Fällen ersichtlich ist. Im Vorjahre wurde ein großer Theil der Eultusvertretung von einer unwiderstehlichen Sehnsucht befallen, die Orgel, das einzige Rettungsmittel des Judenthums, in den Tempel einzusührcn und ein aus dem Schoße dieser Vertretung diesbezüglich gestellter Antrag gelangte trotz des heftigsten Widerspruches des Seelsorgers zur Annahme. Warum dieser Beschluß, trotzdem seit dieser Zeit mehr als ein Jahr verstrichen ist, nicht ausgeführt wurde, ist dem Schreiber dieser Zeilen nicht bekannt. Ist es vielleicht die Scheu, diese Gemeinde, die bis nun, wiewohl dort vieles innerlich faul ist, als 8tutm8 guo-Gemeinde galt, als Reformgemeinde aufzählen zu lassend Oder sind vielleicht noch materielle Schwierigkeiten zu bewältigen? Wer mag es ergründen? Run ein anderer Fall. Im Pohrlitzer Tempel wurde am rca er zu nrrje das mer rwer gebetet; alles blickte nach dem Rabbiner hin und wartete mit Sehnsucht darauf, daß er bald das Achtzehngebet beenden werde; doch dieser wollte noch immer nicht mit dem miw? uss? fertig werden; da stieg dem gestrengen Herrn Vorsteher die Zornesröthe in's Gesicht — einige kühne Schritte und da stand mit fliegendem Alhem der ungeduldige Herr vor der Lade, riß dieselbe, bevor noch der Rabbiner urv' mtr** ausgegangen war, mit donnerähnlichem Gepolter ans unb befahl dem Cantor, daß er anfangen sollte. Das war die Rache dafür, daß derRabbiner in einer vorhergehenden Predigt gesagt hat, die Fortschrittler seien Schalen ohne Kern und Muster ohne Werth. Diese offenbare Hintansetztnig der Autorität des Rabbiners hatte zur Folge, daß dieser die Kanzel bestieg, den Kantor erinnerte, daß er in rituellen Dingen nur ihm Gehorsam leisten ntüsse, und zu den ungeduldigen Herren sagte, sie mochten sich entseelten, wenn es ihnen zu lange dauere, worauf diese währeltd der Predigt in gereiztem Tone erwiederten. Diese und noch andere Fälle zeigen, welch unwürdige, ja schmachvolle Zustände tu der erwähnten Kultusgemeinde herrschen und zu bedauern ist mir der greise Rabbiner, der fast vier Jahrzehnte dort lvirkt und schwach geworden ist, 31t bedauern ist es, daß seine bedeutenden talmudischen Kenntniffe unb seilt unleugbares Rednertalent so wenig geschützt werden. Kei der Redaktion neu emgegangene Suchet (Besprechung Vorbehalten.) hsd nobnn nnrozi minnDnn nmn ,mt7n mun c.mno gnw D’jDin enißn'D twopww rrw ."n 2->.i •NpN“lp *pV .«UP 3’P milY -TI H’3 vernrischtes. Lippa. Tas Löhnchen de^ hiesigen GefällSbeamten Ignaz Braun, Aterander, ist am Tage seiner Beschneidung gestorben, angebliä, an Blutvergiftung, da das Messer, das bei diesem heiligen Arte benützt wurde, nickt rein gewesen sein soll, liegen unfern Rabbinatsverlveser, der die Beschneidniig vornahm, und die Hebamme wurde eine Unter snchiing eingeleitet. Möge dieser TynU zur Warnung für andere Mohalim dienen! Feuilleton. —verkauft. 1— (Sine E r z ä h l lt n g a lt s Ungarn. 1:0 Von Samuel B. Nosner. VI. Rüben Friedberg genoß an seinem sich herrlich entwickelnden Kinde rin Glück, wie er es so stolz, so rein nie erhofft hatte. Schnlamit mar dreizehn Jthre alt geworden und stand an der Schwelle des Jungfrauenalters. Sie übertraf in ihrer äußeren Erscheinung und geistigen Anlage seine kühnsten Träume. Schlank in die Höhe strebend, bot sie einen königlichen Anblick. Alles an ihr war Ebennraß und liatürliche Aninuth. Aus ihren glänzenden braunen Augen strahlte gewinnende Herzensgüte und über diesen Augen wölb e sich eine reine, hohe Stirne, welche den Stempel zartester und zugleich hoheitsvoller Jungfräulichkeit trug. Um Kinn und Mund, den sie in einer eigenthnmlichen, kindlichen Art zu kräuseln pflegte, spielte ein sinnverwirrender Rciz. Wie eine Blume, so natürlich wuchs sie in ihrer natürlichen Umgebung auf. Ihre Seele war erfüllt von dem Sternenschein des ländlichen Himmels, von dem Flüstern und Rauschen der Wälder, von dem Klingen und Murmeln der Bergquellen. Ihr ganzes Wesen aber übergoß mit ihrem Duft die schönste Blume des weiblichen Gemüths: eine kindlich fromme innige Gläubigkeit. Die Religion mar ihrem schönen Herzen ein Bedürsniß. Mit hingebungsvoller Liebe oblag sie den religiösen Uebnngen, deren jede zu ihrenr Genrüth eine lebendige herlige Sprache redete, und in dessen Tiefe eine zarte Saite erklingen machte. Diese Hebungen waren ihr ebenso viele Blumen eines herrlichen Straußes, und sie empfand ganz den eigenthünilichen Duft einer jeden. Da gab es zartstrlle, sanf.e Veilchen, leuchtende Pffngftrosen und schaurig, schöne exotische Nachtsonnen. Ganz besonders lieb war ihr das Gebetbüchlein. Es war aber ganz abgegriffen vom Gebrauch und ihr Vater hatte ein-