Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 82 (17.10.1898)
- Date
- 1898-10-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1513 fcnutuift fein, was fic von dieser Centrumspartei und dieser Centrumspresse zu halten haben." Darauf antwortete die „Köln. Volkztg." folgendes: „Wir fürchten, der Appell der Deutschen Wacht an das Centrnm wird vergeblich sein. Wenn ein Theil der französischen Katholiken das Bedürfnis; fühlt, die Dreifuß-Affaire zu einer großen StaatS-Aetion aufzubauschen und dabei möglicher Weise genau so hereinfallen, wie bei der Verbrüderung mit dem tapferen Bonlanger, so ist das ihre Sache. Wir sehen keinen Grund, ein derartiges Abenteuer mitzumachen aus dem einzigen Grund, weil Dreyfuß Jude ist. Vielleicht ist der Mann schuldig, vielleicht unschuldig; aber so viel steht fest, daß seine Gegner gefälscht und mit der Justiz ein schmachvolles Spiel getrieben haben und zu treiben fortfahren. Ob es Herrn Zimmmermann wohl ist in der Gesellschaft des Obersten Henry und des edlen Esterhazy, muß er selbst wissen." H. Jnowrazlaw. (Verspätet.) Am >. Cllul verstarb plötzlich einer der geachteten und frömmsten Männer unserer jüdischen Gemeinde Herr Mutier S a l o m on I a eo b s o h n im 7*. Lebensjahre. Durch das Hinscheiden dieses streng-religiösen, redlichenMannrS haben die Angehörigen und feine hiesigen Freunde einen großen Verlust erlitten. Herr J. seligen Angedenkens gehörte mit ganzem Herzen der orthodoren Gesinnung an und hing mit allen Kräften bis zu seinem letzten Athemznge an unserer heiligen Neligivu, besuchte vor seinem Tode den hiesigen Tempel und war jeden Tag der erste im Teuipel. Morgens und Ab.mds kam er zuletzt aus dem Tempel. Der Verblichene, welcher Mitbegründer des WohlthätiakAts.Vereins gewesen, hat 10 Jahre laug lus zu seinem Tode als Vorsitzender dem Verein seine Kraft geweiht und denselben nur;um Besten der Bedürftigen geleitet. Die Mttglwöer des Vereins, welche die froruuie Lebensweise und den biederen Sinn des Verstorbenen gekannt, verliereil in ihm einen treuen Freund imö Beraiher und betrauern seinen zu frühen Heimgang. Sein Wirken wird uns unvergeßlich sein. Das Leichenbegängnis; fand am Mittwoch den L4. August, Nachmittags um 4 Uhr unter Betheitigllng einer großen Menge von Leidtragenden statt. Vom Jnowrazlawer Nabbinat ivar der hiesige Ortßrabbiner Herr Dr. K o h n und der Rabbinatsassessor Herr Dr. Tietz anwesend, sowie einige Vorstandsmitglieder der hiesigen Gemeinde. Leichenreden hat sich der Verstorbene bei seinen Lebzeiten verbeten, weßhalb nur die Liturgie durch den Ortsrabbiner Herrn Dr. Kohn gehalten wurde. Wie man in Bezug aus Kaschrus nie vorsichtig genug sein kann, lehrt folgender Vorfall, der sich vor einigen Tagen in unserer Gemeinde zugetragen hat. Eine hiesige strengreligiöse Hausfrau Namens Z. D. schickte ein nichtjüdisches Dienstmädchen mit einer Henne zum hiesigen Schochet, der dieselbe rituell schlachten sollte. Das Dienstmädchen kam mit der geschlachteten Henne nach Hause. Der Schnitt war der betreffenden Hausfrau bald auffallend, was dieselben veranlaßte sich beim hiesigen Schächter zu erkundigen, ob die Henne von demselben geschlachtet wurde, was nicht der Fall war. Es existirl hier die Einrichtung, daß die Schächter verpflichtet sind, aus Verlangen dem Dienstpersonal Zettel mit der Aufschrift koscher und den Tag des ausgeübten Schlachtens von Geflügel zu ertheilen. Diese betreffenden Schlachtzettel werden leider sehr selten von dem Dienstpersonal gefordert, resp. werden dieselben von ihrer Herrschaft selten dazu beauftragt, was doch eigentlich eine wichtige Pflicht derselben wäre. Der hiesige Orlsrabbiner Herr Dr. Kohn hat in seinen Predigten von der Kanzel davon gesprochen und die hiesigen jüdischen Hausfrauen dazu ermahnt dieses Gebot zu beobachten, was von den wenigsten Hausfrauen der hiesigen Gemeinde gehalten wird. Es wäre doch münschensmerth, wenn in dieser Angelegenheit Abhülfe geschaffen werden rnöchte; indem jedes Stück Geflügel mil dem Siegel des Schächters versehen würde. O e st e r r.- Ungar. M o n a r ch i e. Aus Mähren, 10. Oktober. In der uralten, einst so wackeren Enltusgemeinde Pohrlitz, deren Söhne bis vor Kurzem treue Kinder des Judenthums, brave Anhänger ihres Glaubens waren, vollziehen sich Dinge, die jeden Jehiidi mit tiefster Betrübniß erfüllen müffeii. Der starke Verkehr mit Brünn, das Haschen und Jagen nach materiellen Gütern, der von gewissen Personen dorthin verpflanzte sogenailille Aufktärnngsgeist hat die Bewohner dieser Cultilsgemeittde für Religion ganz apathisch gemacht, hat sie naturgemäß aus tluempfäuglichkelt für alles Ideale in's ueologe Lager getrieben und dadurch die Griiiidvesten dieser einst so blühenden Gemeinde erschüttert; die Conservativen sind verschwundeii und an der Spitze der Cnltnsgemeinde stehen Fortschrittler iind Freigeister von reinstein Wasser, die sich mit bewuildernswerthem, einer besseret; Sache würdigeren Eifer bemühetl, das was in der Gemeinde noch jüdisch ist, zu zerbröckeln und zu vernichtet!. Die Funktionen eines Seelsorgers versieht Nabbincr Dr. Weiß, ein würdiger Greis von fast <o Jahren, ein feuriger Anhänger feines Glaubens, viel zu feurig für seine vorn eonservativen Judenthum losgesagten Geuteindekinder, ein Feind jeder Neuerung und Abbröckelung aut rituellem Gebiete, der von sich während seiner llbjährigen Dhätigkeit in diesem Orte sagen kattn x? •;». Daß die im Widerspruche mit der Majorität der Gemeindenmitglieder eingchaltenc