Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 82 (17.10.1898)
- Date
- 1898-10-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448932--46934-2497266- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ab zr“ n**:r. , mja nxse ab 21:2 n:r "n ,r6n 7\zb mjD rr:a xxeri ab', rnn. Die Tattbe fand keine Ruhestätte und kehrte deshalb zurück: nrn "n ab rr,:o nxito toc hätte sie eine Ruhestätte gefunden, sie wäre nicht zurück gekehrt. Und gilt dies nicht auch von Israels Es fand unter den Völkern keine Ruhe, es findet auch heute keine Ruhe und darum bewahrte es in der alten Zeit seine Gottestreue und darum kehrt es heute zu seinen Idealen zurück, beginnt in unserer Zeit Ln den Herzen das Bewußtsein zu dämmern, daß Israel nur in der Nähe Gottes wahres Heil erblüheil kann. Wenn unsere Weisen von der Taube aussagcn: bza vbsrt bv öttj cvrx smr\ '•c;2 b'; nnj n;rn so gilt dies in vollem Maße auch von Israel. Die anderen Völker arbeiten und finden dann den Lohn der Arbeit in der süßen Ruhe, die nicht gestört mirb; Israel hingegen kann nur der Taube gleich im Fluge ausruhen, nur wenn es die Schwingen seines Geistes lüstet, vom Irdischen zum Göttlichen sich emporschwingt, findet es Ruhe. Und woher, fragt der Midrasch, brachte die Taube das grüne Blatt? Der eine antwortet: aus dem Paradiese: der andere: vom Oelberge. Und woher nahm Israel, fragen wir, die Kraft das Bittere seines Looses in Geduld zu tragen? Wir antworten mit dem Midrasch, aus dem Garten Eden, in welchem der Baum der Erkenntniß blühte und vom Oelberge, dessen Oel in dem heiligen Leuchter brennend, die leuchtende Gottesidee darstellte. Die hohe Gotteserkenntniß Israels und das Bewußtsein seiner Mission, der Menschheit voran zu leuchten, verlieh ihm jene hohe sittliche Kraft, die es in allen Leiden glänzend bewährte. Wie zur Zeit des r,2 die Flutheu endlich schwanden, und aus dem zerfließenden Gewölk ein bis dahin nicht gesehener farbenreicher Regenbogen hervorleuchtete, so hoffen wir mit Zuversicht, daß die düsteren Wolken, welche jetzt den Himmel der Völker trüben, schwinden werden. Gott, der die» Menschen zur sittlichen Veredlung geschaffen, wird sie nicht immer tiefer sinken lassen. Werden sie sich nicht selber ermannen, so wird sie Gott mit seiner Allgewalt aus der Tiefe 51t jener Höhe emportragen, auf welcher sie als im Edenbilde Gottes geschaffene Menschen stehen sollen. Es wird besser werden, dies können wir getrost Gott übertaffen. Des Einsatzes unserer ganzen Kraft bedarf es jedoch, um die Heranwachsende Generation mit sittlich-religiöser Stärke auszurüsten, damit die Stürme der Zeit, die unleugbar für Israel sehr eruste ist, sie nicht beugen und entntuthigen. Es gehört ein hoher Grad innigen und tiefen Gottvertraueus dazu, um in einer zerbrechlichen Arche auf stürmischen Fluthen schwimmend, nur seiner sittlich-religiösen Aufgabe zu leben. Diese sittlich religiöse Kraft und dieses tiefe und unerschüt terliche Gottvertrauen können wir allein aus dem göttlichen Quell der Thora schöpfen. Ernst und trübe ist die Zeit, lassen wir in unseren Häusern daher den Edelstein hell glänzen. Wir werden beim göttlichen Glanze der Thora, der unsere Häuser durchstrahlt, die Finsterniß draußen weniger empfinden, unsere Jugend wird von diesem Glanze erfüllt, vom nichtigen Schein der ihnen anderswo winkenden Glücksgüter nicht geblendet werden, je finsterer die Zeiten sind, desto treuer bei der noch lange nicht erfüllten Mission unseres Volkes ausharren, mit stolzem Bewußtsein das Banner des Judenthums hochtragen, um die Ideale der Thora, die durch Israel in der Menschheit verwirklicht werden sollen, feurigen Herzens sich schaaren, und jene Zeit in Ruhe und unerschütterlicher Gottestreue erwarten, in welcher die Menschheit mit Bewunderung und Israel mit inniger Glückseligkeit auf seine Vergangenheit blicken wird, in welcher es in einer zerbrechlichen Arche dem Anstürme mächtiger Fluthen dauernden Widerstand geleistet, leisten konnte, weil in seiner Arche der Edelstein der Thora im hellsten Lichtglauze strahlte. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 12. Oktober. (Konfessionelle Kandidat u re n.) Man schreibt dem „Berl. Tagebl.." von geschätzter Seite: „Ein neues Schlagwort scheint in dem bevorstehenden Wahlkampf zum preußischen Landtag eine Rolle spielen zu sollen. Wie die Katholiken in der Centrumspartei die Vertretung ihrer partikularen Interessen finden, so wird den Juden untergestellt, daß auch sie in einer sogenannten „jüdischen Sonderkandidatur" eine Interessenvertretung der Allgemeinheit gegenüber anstreben. Wenn dieser Vorwurf begründet wäre, so würden wir dies tief beklagen. Wir trauen aber auch unseren jüdischen Mitbürgern eine solche That nicht zu. Es wäre, vom rein praktisch-politischen Standpunkt aus schon eine Verblendung, wenn sie glaubten, sie könnten bei ihrer geringen Anzahl und geographischen Zersplitterung eine neue Centrumspartei im Parlament bilden. Eine ganz andere Frage ist aber die, wie weit das unter den jüdischen Mitbürgern verbreitete Gefühl der Zurücksetzung berechtigt ist, welches dadurch verursacht wird, daß die Juden vom preußischen Landtag vollständig ausgeschlossen und im Reichstage lediglich in der sozialdemokratischen Fraktion zügelaffen sind. Sollte das deutsche Judenthum, das früher so hervorragende Parlamentarier gestellt hat, jetzt so