Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 82 (17.10.1898)
- Date
- 1898-10-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1510 es nicht, daß cs noch nicht solange her ist, da sich jenes traurige Drama abgespielt hatte? Die Sündfluth ist ein Bild der Geschichte unseres Volkes im Mittelalter, und geben wir uns keiner Illusion hin — und in unserer Zeit. Oder, so wir die thränenreiche Geschichte Israels mit einem Worte kennzeichnen wollen, fänden wir ein erschöpfenderes Wort als das der Sündfluth? Von oben und unten kam die Fluth zur Zeit nj, war dies nicht auch in der Geschichte Israels so? Kamen die Fluthen des Hasses nicht von der Höhe der Intelligenz und der Tiefe der Unwissenheit? Erfüllte sich nicht auch an der antisem. Fluth das talmudische Wort: nev -*? px ct®b rrtoy Din:’ ptr nbysbo. Entfesselte nicht ein Tropfen des Hasses von der Höhe der Intelligenz gesprochen, eine uns weniger sympathisch klingende Redewendung der Fürsten die Schleusten des Hasses in den unteren Schichten der Bevölkerung? Gleicht die Lage Israels im Mittelalter und in unserer Zeit nicht der Lage des nj, der in einer zerbrechlichen Arche auf mächtig wogenden Gewässern einherschwamm, während Himmel und Erde sich gegen ihn verschworen zu haben schienen? Erhielt sich Israel nicht, wie n: auf den Fluthen, allein durch den Schutz Gottes? Zu den Worten der Thora nanb rwvr\ mx bemerken unsere Weisen naiv px oncix p^n oneix e*\ Noach schwimmt auf den Fluthen, ist seines Lebens nicht sicher, jeder Moment kann ihm Untergang bringen, ein mäßiger Stoß, die Arche ist zertrümmert und er findet sein Grab in den Wellen. In dieser entsetzlichen Lage vergißt er sein eigenes Elend, die Gefahr, in die er mit den Seinen schwebt und sein Herz blutet ihm nur wegen des Unterganges seiner Mitmenschen. Ist dieses pbn, dieser Ausblick auf das Unglück seiner Mitmenschen nicht ein 712-« px, ein herrlicher Eharaktcrzug von n;, der einem Edelsteine gleich an der Arche leuchtete? Und hatte Israel an seiner Arche auf den Fluthen der feindlichen Strömung nicht gleichfalls ein solches pbn, einen solchen naiv px? Die Wogen des Hasses strömten vernichtend auf Israel herab, es fühlte in allen Gliedern den Schmerz der Wunden, welche ihm die Feinde geschlagen, und that es nicht dasselbe, was ~j gelhan hat? Es schaute in die nichtjüdische Welt hinaus, und beklagte nicht sein eigenes Loos, sondern die Tiefe der Gesittung, in welcher seine Hasser standen, die in den selbst erzeugten Fluthen als Menschen unterzugehen drohten. Während Israel unsäglichen Druck erdulden mußte, betete es für die sittliche Besserung und geistige Erleuchtung seiner Unterdrücker, kannte cs keinen höheren Wunsch als den herrlichen Gedanken, die Menschheit, die es hassende, verfolgende, mordende und tötende Menschheit dem goldenen Zeitalter wahrer Veredelung und Gotteserkenntniß entgegen zu führen! Können wir uns das Judenthum in seiner von sciudlichcn Fluthen umrauschten Stellung mit feilten weltbeglückendcn Idealen unter einenl schöneren Bilde denken als unter dem der ans gewaltigen Wogen schwimmenden Arche mit dem leuchtenden Edelstein an ihrer Seite? Rief Israel nicht auch in jener düsteren Zeit und ruft es nicht auch in unserer Zeit.° n zur, zvr b'aab ’-r, das Göttliche bleibt trotz der Fluthen, die gegen es sich thürmen, unerschütterlich und die Menschheit reift dennoch, wenn auch nur allmählig und mit häufigen Rückfällen dem von Gott gesteckten herrlichen Zukunftsidealc entgegen? Unsere Weisen sagen im Midrasch: nenn rx^ xS -px "n xP na\na nj "7!v' trnn a"1 bz n^n xim 'h nrm rrPrc xbx nb'bz njabn txP xP ova M’nit» rwai cm xintr jth »».■» w: xns« nye»si nwx . nb'b xhk* snr 'n Die edle Gesinnung Israels seinen Feinden gegenüber ist der Thora entnommen, die der hell glänzende Edelstein ist, der Israels Lager erleuchtete. An der Helle des Edelsteines erkannte man, ob der Lebenshimmel Israels klar unb hell oder umwölkt ist. Wann es in den Wohnungen Israels etwas Heller geworden ist, der Druck der Völker nachgelassen hat, dann leuchtete das Licht der Thora matt, das hcreinstrvmcndc Licht veS aufgegangeneu Morgen rothes einer besseren Zeit dämpfte das Licht der Thora; so oft aber düstere Wolken des Mißgeschickes Israels Himmel trübten, über es die Rächt hereingebrochen war, begann in den Häusern Israels die Flamme der Thora zu leuchten. Und dann mochte es draußen stürmen, in Israel strahlte der hellste Sonnenglauz. Und befinden sich in der Arche Israels nicht wie in der Arche n: die beiden Vögel? Der treulose Rabe, der bei weiterem Ausfluge die grünen Spitzen erblickend, nicht mehr wiederkchrt, und die zarte und treue Taube, die weggeschickt, mit bitterem Oelblatt im Schnabel zurückkehrt? Es ist dies der Abtrünnige, der die grünen Spitzen des ihm entgegenlächclndcn Weltenglückcs erblickend, sich verlocken läßt linb dem Judenthumc den Rückest kehrt, und der Sohn der Treue und des Glaubens, der ausharrt, freudig das bittere Oelblatt des herben Geschickes im Munde trägt. Sprach Israel nicht im m1?:, was der Midrasch die Taube verkünden läßt: träne fpwe xb' rrapn bw rrr nne pno 'rrtr atrc x"a bv wc-i. Wies Israel nicht seine Feinde, die es durch Verlockungen zum Absalle von Gott verleiten wollten, standhaft ab und zog es vor im Elende zu verharren, wenn es sein irdisches Glück nur mit dem Verluste seines Glaubens erkaufen konnte? Das abgepflückte Oelblatt im Schnabel der Taube zeugte von ihrer Treue, das bittere Oelbtatt in der Geschichte Israels erzeugte in seinem Herzen Treue und Liebe zu Gott. Sinnig sagt die nmce: nxxe xb