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Der Israelit · 1898-10-13 · Heft 81 (13.10.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 81 (13.10.1898)
Date
1898-10-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Robert Speck begrüßte die vollzählig erschienenen Vertreter der Gemeinde, die Vorstände der hiesigen Staatsbehörden, die Lehrkörper der deutschen und cz:chischen Schulen und die sonstigen Corporationen, und hob in längerer Rede die mannigfachen Verdienste des Jubilars um das Gemeinwesen hervor. Zum Schlüsse brachte der Redner ein dreifaches Hoch auf Bürgermeister Kuffner aus. Der Jubilar dankte in bewegten Worren für die ihm dargebrachte Kundgebung, durch welche er sich im hohen Grade geehrt fühle. England. London. Am Montag. 3. October, fand hier in der Astembly Hall eine jüdische Massenversammlung statt, so kolossal, wie sie London noch nicht gesehen hat. Beinahe 7000 Juden aus dem Osten der Stadt füllten den ungeheueren Saal bis auf den letzten Platz. Bemerkcnswerther Weise waren aber fast nur eingewandcrte russische und polnische Israeliten anwesend, während die eingeborenen englischen Juden sich demonstrativ fernhielten und von den Spitzen der Gemeinde war keine einzige Persönlichkeit erschienen, mit Ausnahme des Chacham Gaster und Dr. Friedländer. Der neu-jüdische „Resch Gelutha" Dr. Herzl fand mit seinen Ausführungen, die aber gar nichts Neues boten, selbstverständlich jubelnden Beifall und das gleiche Glück hatten die folgenden Redner, die in seinem Sinne sprachen nämlich die Herren Herbert Beutwich, Nev. Green, der liberale Rabbiner der Hampstead-Synagoge, Rabbi Werner, der Raw der orthodoxen russischen Gemeinde Machsike Hadaß, Chacham-Gaster und der katholische Mönch Pater Ignatius. Als dagegen Hermann Landau das Wort ergriff, um gegen Dr. Herzl zu sprechen und vor der Kolonialbank zu warnen, wurde er ausgepfiffen und niedergeschrien. Trotz dieses äußerlich glänzenden Verlaufes läßt sich nicht behaupten, daß die Massenversammlung einen Schritt weiter in London bedeutet für die Herzliche Bewegung. Der Osten mit feinen russisch-polnischen Juden gehört ohnehin dent Zionismus, die anderen Schichten der jüdischen Bevölkerung werden durch ein solches Massenmeeting kaum beeinflußt, geschweige denn gewonnen.? London. Der neue amerikanische Gesandte in Konftantinopel Hon. Oscar Straus weilte auf der Durchreise einige Tage hier und begab sich dann nach Paris, wo er. mit der Baronin Hirsch, deren .Vertrauensmann er ist, zu konferiren hat. Er überbringt dem Sultan die Erklärung des Gouvernements in Washington, daß man beabsichtige den Posten bei der Türkei zum Range eines Botschafters zu erheben, wenn die Türkei dasselbe mit ihrem Gesandten in Washington thue. Straus würde dann der erste Botschafter Amerikas in der Türkei fein. i T ü r k e.i. K. Z. Rhodos. (Von ben ä gäischen Inseln.) Die Juden erfreuen sich der Begünstigung, innerhalb der Festungsmauern von Rhodos wohnen zu dürfen. In Wahrheit ist es um diese „Bevorzugung" ziemlich mißlich bestellt. Den Juden ist innerhalb der Stadt ein besonderes, scharf abgegrenztes Viertel angewiesen. In der Türkenstadt selbst ist ihnen der Wohnsitz versagt, und wenn die Christen in der Zeit, da die Sonne unter dem Horizont steht, in die Festung nicht hinein dürfen, so dürfen die Juden nicht heraus, ebensowenig wie die Mohamedaner aus ihrem selbstgewählten Ghetto. Der Prozentsatz der israelitischen Bevölkerung ist verhältnißmäßig groß. Den L600 Christen in den Vorstädten stehen in der Stadt Rhodos etwas über 0000 Mohamedaner und 1500 Juden gegenüber. Man findet daher auch im Bazar eine starke Zahl von Läden, deren Besitzer Juden sind. Das Judenviertel unterscheidet sich durchaus von der todtenstillen Türkenstadt. Die Gassen sind zwar nicht viel weiter und auch nicht viel sauberer, und die Häuser erbärmlich. Aber hier herrscht doch wenigstens Leben und Bewegung. Hier find alle Thüren und Fenster weit geöffnet, und aus jedem Fenster und von jeder Thür blicken dunkle Augen mit naiver Zudringlichkeit auf die Fremden herab. Auf den Schwellen der HauSthür hocken kleinere und größere Gruppen älterer und jüngerer Weiber und Mädchen, denen der Mund nicht einen Augenblick still steht. Auf den Wegen lärmen und balgen sich schwarzlockige Kinder, unter denen einige wunderhübsch sind. Wir haben den Sabbat zur genaueren Besichtigung des Judenviertels gewählt. Der Bazar ist denn auch wie ausgeftorben, alle jüdischen Händler heiligen den Feiertag. Die jüngern Männer tragen heute frisch gewaschene helle Linnenjacken mit weißem Untergründe und buntfarbiger Musterung, die altern den mit Fuchspelz besetzten Kaftan. Den meist gekräuselten Vollbart tragen sie nach unten zugespitzt. Alle haben den Fes der Türken angenommen, wie die breite Schärpe, welche die langen, bauschigen Pluderhosen hält und zugleich als Magazin für alle tragbaren Bedarfsgegenstände dient: für den Geldsack, den Tabaksbeutel, das Messer u. s. w. Besonders charakteristisch ist ihre Tracht nicht. Ebensowenig die der Weiber und Mädchen. Den alten jüdischen Feiertagsschmuck, der den Jüdinnen von Saloniki einen so eigenartigen Reiz verleiht, sieht man hier nur stlten. Den Ruf besonderer Schönheit, dessen sich die Jüdinnen von Rhodos im ganzen Orient erfreuen, habe ich eigentlich nicht gerechtfertigt finden können. Einige junge Mädchen waren freilich sehr hübsch,

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