Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 81 (13.10.1898)
- Date
- 1898-10-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1494 bar, denn Herr Markus versteht es, durch sein begeistertes und begeisterndes Wort seine Zuhörer zu feffeln und zu ergreifen. Seine Predigten sind nicht schablonenhaft, deren Geist zeugt vielmehr, daß der Redner selbst ein achter und wahrer Jehudi ist. Des Oefteren hatten wir Gelegenheit, die Wahrnehmung zu machen, daß Herr Markus auch auf dem ungeheuren Meere des Talmuds und der Midraschim zu Hause ist und haben wir ihn im privaten Verkehr durch seine großen Kenntnisse in der rabbinischen Literatur sehr schätzen gelernt. Am mxj? vw hielt Herr Rabbiner Dr. David eine Predigt, deren Inhalt es verdient, daß der großen Oessentlichkeit davon Kenntniß gegeben werde. Nachdem der Redner begründete, weßhalb die Ordner der Liturgie das Buch „Kohelet" für das Sukkothfest einsetzten, wählte er aus diesem Buche den Text: :"H2 3‘B rVCttb CS '3 02 2'C ['S d. h. : „ks glebt nichts Besseres für den Menschen, als sich zu freuen und Gutes zu wirken." Unter sich „freuen" versteht Kohelet nicht die Freude an den irdischen Gütern, denn diese bezeichnet er ja selbst als eitel und vergänglich, er meint vielmehr die Freude, die wir in uns selbst haben, die Freude mit Gott und seinem Gesetze. Auf dem Krankenlager liegt ein Mann in der Blüthe seiner Jahre. Eine tückische Krankheit hat ihn niedergeworfen. An dem Bette steht seine jugendliche Gattin, eine junonische Erscheinung. Auf den Armen hält sie den lang ersehnten Sprößling. Da plötzlich scheint der Kranke wieder aufzuleben, er betet mit lauter Stimme bhAw ruioxm rmxn jenen Hymnus, der am Versöhnungstage in unseren Synagogen ertönt und der uns die Größe, die Allmacht, die Majestät des Ewiglebenden verkündet. Die Stimme wird schwächer und schwächer, das Gebet ertönt leiser, bis der Kranke den letzten Athemzug thut. Seine Freude mit Gott und seinem Gesetze verließ ihn bis zum letzten Augenblicke nicht. „Glaubet nicht," so ruft der Redner hier aus, „daß dieses Phantasie, eine Erdichtung sei, nein, es ist etwas Selbsterlebtes, ein Ereigniß aus der Zeit meiner Jugend." Zum zweiten Theil seines Textes übergehend, der besagt, daß es für den Menschen nichts Besseres gäbe, als Gutes zu wirken, weist Herr Dr. David nach, welch reiches Arbeitsfeld sich hier dem denkenden Menschen und dem Wohlthäter darbiete. „Vor einiger Zeit," so erzählt der Redner, „kam ich in meiner Eigenschaft als Seelsorger in das hiesige Strafgefängniß, das drei jüdische Insassen birgt, zwei davon sind junge Leute, die dem Kaufmannsstande angehören. Nicht bloßer Zufall sei es, daß gerade dem Handlungsstande angehörende junge Leute solches Geschick treffe. Wer heutzutage sich deren Leben und Treiben im Hinblick auf die Religion ansehe, könne sich nicht wundern, wenn sie schließlich auf verbotene Wege gcrathen. Durch Verkehr und im Anschluß mit Familien, sowie durch Vereinigungen müsse hier Wandel geschaffen werden. Die Prinzipale sollten nicht allein für das leibliche, sondern auch für das geistige Wohl ihrer Angestellten Sorge tragen." Herr Dr. David hat damit eine Frage der Neuzeit berührt, die bisher unseres Wissens noch sehr wenig die weiten Kreise unserer Glaubensgenossen beschäftigte. Wir haben hier zunächst das religiöse Moment im Auge. Wer, wie Schreiber dieses, so oft Gelegenheit hat mit jungen Leuten zu verkehren, weiß wie unwissend sie im „Jüdischen" sind. Es scheint fast, als exislirc für sie keine Thora. Sabbate und Festtage muthen sie an, als etwas was in die Vergangenheit gehört. Fremde Sprachen sind ihnen geläufig, die Laute der hebräischen Sprache dagegen verstehen sie nicht, deren Zeichen erscheinen ihnen als Hieroglyphen. Die Lösung dieser Frage ist gewiß des Schweißes der Edlen werth. Durch Gründung von Vereinen, in welchen von Zeit zu Zeit populäre religiöse Vorträge gehalten werden, würde mancher junge Mann mehr Interesse für das Judenthum gewinnen. Vielleicht könnte ein Leser d. Bl. mittheilen, ob und wie weit in anderen Städten in dieser Beziehung Remedur geschaffen wurde. xipx anp\s bb^x! Coblerrz, 6. Oktober. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Herr Hermann Nahm, langjähriges Mitglied des Repräsentanten- Eollegiums und Vorsteher des isr. Wohlthäligkeittz- Vereins, ist gestern plötzlich und unerwartet in ein besseres Jenseits ab berufen worden. Strengreligiös (er war der einzige hier, der sein Geschäft an er rztr geschlossen hielt), ein echter Jehuoi erfreute er sich durch seine Rechtschaffenheit und Biederkeit der allgemeinen Hochachtung in allen hiesigen Kreisen. Dies gaben auch der Vorstand und das Repräsentanten-Collegiuin der Synagogen-Gemeinde in der „Coblenzer Zeitung" in nachstehenden Worten kund: „Durch seine streng religiöse Gesinnung, sein biederes Wesen, seine stets bereite Opferwrlligkeil war er uns das Vorbild eines rechtschaffenen Mannes, dessen Andenken wir stets in Ehren halten werden." rrzit.T O est err.- Un g ar. Monarchie. W. Lundenburg. (Ein Bürger meifter- Iubiläu m.) Die Stadtgemeinde Lundenburg feierte mit Rücksicht auf die Landestrauer im engsten Kreise den 25jährigen Gedenktag der Wahl des Großindustriellen H. Kussner zum Bürgermeister der Stadtgemeinde Lundenburg. Vice-Bürgermeister Dr.