Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 81 (13.10.1898)
- Date
- 1898-10-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXIX« Jahrgang. Erste Beilage zu M 81 des «IsraM*. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 10. Okt. Mit dem Herannahen unseres „Freudenfestes" war in diesem Jahre doppelte Freude in mein Herz gezogen. Da es mir nämlich nicht möglich war, in meinem Hause eine eigene Sucka zu errichten, war ich in den letzten Jahren gezwungen, eine Sucka zu benützen, die von meiner .Wohnung ziemlich entfernt war; daß dieses mit mancherlei Umständen und Schwierigkeiten verbunden ist, zumal wenn man sämmtliche Mahlzeiten in der Sucka einnehmen will, ist wohl begreiflich; indeflen übei wand ich gern jene Hindernisse, obgleich die Sucka, die mir zur Verfügung stand, auf einem Boden lag, zu dem man erst drei ziemlich steile Treppen ersteigen mußte. Ich freute mich daher außerordentlich, als ich erfuhr, daß in diesem Jahre in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung, auf dem Hofe der Synagoge Lützowstraße eine neue, große Sucka auf Kosten der Jüdischen Gemeinde gebaut wurde. Da ich — aus bestimmten Gründen — nur eine Privatsynagoge besuche, von den Gemeindesynagogen also keinen Gebrauch mache und mir auch die Freude versagen muß, die Predigten der Herren Gemeinderabbiner zu hören, so hoffte ich, wenigstens in der Benützung der neuen Sucka ein Aequivalent für meine Gemeindesteuer zu finden. Zu meiner großen Verwunderung bemerke ich jedoch kurz vor dem Feste, daß die Sucka leider unbrauchbar war, da sie nnn, unter zwei starken Bäumen errichtet worden war, die ihre dichten Zweige gerade über dem Dache der Sucka auSbreiteten! Daß überhaupt nicht das ganze Dach, wie man es erwarten sollte, mit Laub gedeckt war, sondern nur ein kleiner Ausschnitt desselben, der an Flächeninhalt kaum die Hälfte des Daches betrug, will ich nicht besonders betonen, da ich annehme, daß die Baumeister jener Sucka die Vorschriften über -npr.' sei-! genau kannten und durch Herstellung jenes Daches eine Probe ihres Wissens ablegen wollten. Wenn diese Herren h gelehrt sind, wie es den Anschein hat, wie konnte ihnen der Satz nnn wsx wiyn entgehen? Von Platzmangel kann keine Rede sein, da auf dem dortigen Grundstück Raum genug für zehn Suckot ist, die sämmtlich unter freiem Himmel stehen können. Und überdies — es mar doch so leicht und so bequem, die beiden Bäume einfach zu entfernen, was aber, wie ich mich Ende voriger Woche überzeugte, nicht geschehen ist. Genug, „meine Freude war eitel." Aber bezeichnend für die Zustände inZder hiesigenjJüdischen Gemeinde ist es doch, daß eine neue Sucka gebaut wird, ohne daß ein Rabbiner sein Gutachten abzugeben hat, ob sie auch den rituellen Anforderungen genügt, — denn ein geschnitztes Magen David und elektrische Beleuchtung allein sind für die Brauchbarkeit einer Sucka noch nicht entscheidend, — sodann daß ein oder mehrere Rabbiner im Anschluß an den Gottesdienst die Sucka ohne weiteres benutzten und sich selbst, sowie die Gemeindemilglieder der Gefahr aussetzten eine n^v-y nrc zu sprechen. Die Herren der Verwaltung mögen allerdings gedacht haben, es sei nur consequent, neben einer Synagoge mit deutschen Gebeten und Orgelklang und Mädchensang eine Sucka zu errichten, die bivv ist. . . . nr,' b*k. K.Ii. Berlin, 11. Oktober. Aus der Abendsitzung der Repräsentantenversammlung der jüd. Gemeinde vom tt. d. M. habe ich nur wenig zu berichten: Der Vorsitzende verlas ein Schreiben des Rektor Dr. Adler des Inhalts, daß derselbe die ihm für Vertretung des verstorbenen Dr. Apolant überwiesenen loon Mk. dankend ablehnt. Die Familie des Herrn Moritz Heilmann hat dem jüd. Krankenhause 9000 Mk. zur Errichtung einer Moritz Heilmann-Stiftung überwiesen. Dem Hilfsprediger Rabb. Dr. Kalischer sind für acht Predigten und acht Liturgien noo Mk. und den Mitgliedern des Chores der Synagoge Lützowstraße 50 Mk. für abgehaltene Proben bewilligt worden. Roch in diesem Monat werden die Herren Rabb. Dr. Kopfstein—Beuthen, Dr. Goldschmidt—Königshütte und vielleicht auch Dr. Blumenthal Ratibor in der alten Synagoge Gastpredigten halten.? Berlin. Mit den Privattöchterschulen der westlichen Stadttheile beschäftigt sich der folgende Antrag, der von dem Stadtverordneten Justizrath Dr. Friedemann in Gemeinschaft mit noch 19 Mitgliedern der neuen Fraktion der Linken in der Stadtverordnetenversammlung eingebracht worden ist: „Da in einem großen Theile der Privattöchterschulen des Westens die Aufnahme der Schülerinnen von konfessionellen Rücksichten abhängig gemacht wird, ersucht die Stadtverodnetenversammlung den Magistrat, eine zweite höhere städtische Mädchenschule im Westen zu errichten. Düsseldorf, 10. Okt. Wie im vorigen'Jahre, so hatte auch zu den vergangenen hohen Feiertagen der Vorstand unserer Synagogengemeinde als Prediger für einen zweiten Gottesdienst den^Rabbinats-Cadidaten, Herrn David Mar ku!s aus Köln, berufen. Wir sind dem Vorstand dafür^sehr dank-