Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 81 (13.10.1898)
- Date
- 1898-10-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1490 der Juden in Sibirien und über ihre Zulaffung zur Advokatur, endlich im Ministerium des Innern ein Reformproject für die jüdische Fleischsteuer. Auf Veranlassung des Justizministers erscheint übrigens demnächst ein Buch von Losinsky, einem hervorragenden Senatsbeamten, in dem die Entscheidungen des Senats, soweit sie die Juden betressen, zusammengestellt sind. Amerika.? NeW-Nork. Dank der erfreulichen Intervention der Jewish Gazette wird hier dafür Sorge getragen, daß die jüdischen Soldaten in der Armee der Vereinigten Staaten, welche ihren Patriotismus mit dem Tode besiegelt haben, eine unfern rituellen Anforderungen entsprechende Grabstätte finden. Die Gesellschaft Agudath Achim Shel Emeth hat in ihrer Begrabnißanstalt auf State Island das dazunölhige Terrain anerkennenswerther Weise gratis zur Verfügung gestellt und die Erlaubnis ausgewirkt, daß die Leichen der Gefallenen dorthin überführt werden dürfen. Es ist daher ein Aufruf in allen Zeitungen erlassen worden, und sind die Verwandten der jüdischen Soldaten, die im Kriege geblieben sind, gebeten worden, alle nähere Mittheilungen der Jewish Gazette zu übermitteln, die dann das Weitere besorgen wird. Afrika.? Algier. Leider kommen wir immer wieder mit Klagen und unsere Situation wird von Tag zu Tag schlechter. Seitdem der Gcneralgvuverneur sich so offen auf die Seite der Antisemiten gestellt hat, haben diese geradezu behördlichen Schutz und werden täglich dreister. Der Generatgouverneur hat versucht den Juden folgende unerhörte Falle zu legen-. Er rief eine Anzahl jüdischer Notabeln um sich und schlug ihnen vor, freiwillig aus die Ausübung ihrer Bürgerrechte, besonders des Wahlrechts, für einige Zeit zu verzichten, denn das Ediet Cremieur sei seinerzeit ein großer Fehler gewesen und die Juden verdankten die ganze Hetze nur seiner schädlichen Wirkung. Die jüdischen Notabeln lehnten aber einen solchen freiwilligen Verzicht energisch ab und mit Recht, denn im Falle ihrer Annahme hätte man sofort geschloffen, die Juden legen keinen Werth aus ihre staatsbürgerlichen Rechte, folglich kann man sie ihnen nehmen, ohne ihnen Unrecht zu thun. Handel und Wandel stehen aber zur Zeit vollkommen still uub auf das Memorandum, das das hiesige Handelssyndicat dem Generalgouverneur überreicht hat und in dem es Schutz gegen die Straßenerceffe für alle ruhige Arbeiter fordert, ist noch nicht einmal eine Antwort gekommen. Eine Erleichterung bringt uns vielleicht der neue Zwist zwischen den beiden antisemitischen Größen Marchah und Max Negis. Aber freilich, Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. ‘i Süd-Afrika. Unter den schlechten Verhältnissen, die hier im Handel uub Wandel herrschen, leiden natürlich auch die jüdischen sechs Wohlthätigkeitsgesellschaften. So hatte die Jewish Helping Hand and Aureal Society nicht weniger als 25"/,, Verluste an ihren Einnahmerl, welche von 16 tun» Mk. auf 120<><» sanken. Dagegen ist die Zahl der Gesuche sehr bedeutend gewachsen und das Elend besonders in Johannesburg fängt an enorme Dirnen sionen anzunehmen. Eine Windpockenepidemie ist jetzt arlch noch ausgebrochen, so daß die Roth der armen Klaffen noch durch Krankheit verschärft wird. Vermischtes Geroldshaufen. Per einigen ragen verschied hier nach langem, schweren Leiden die äußerst gottesfürcbtige, leutselige, liedende und geliebte Frau, Merline e n m a n n, ged- Selig mann, ein 7'li im wahrsten Sinne des BLortes- Von der innigsten Liebe zu Gott und der Menschheit durchdrungen, war es stets ihr cisrigstes Bestreben, ans den Pfaden der Arömmigfeit, lugend, Demiith und Bescheidenheit zu wandeln, des Lebens Aufgabe zu erfassen, das Tagewerk so rubmlich zu vollenden, wie es begonnen wurde. Tie Zeit ihres irdischen Daseins weihte die theure Entschlafene hauptsächlich der nt>’Dn miayn. Ten Armen, Dürftigen und Rorbleideilden leistete sie hilfreichen Beistand- Feuilleton. —•w-r<Q verkauft. — Eine Erzähl u n g a u s Ungar n. 11) Von Sainuel B. Rosner. Und vollerids wenn die luftige Laubhütte im Hof gezimmert wurde, da gabs alle Hände voll zu thun. Da rvurde vor allem der herbstlich angewelkte Rain durchsucht, wo zwischen gelb gewordenen Blättern, die rothen Hagebutten im Winde zitterten. In den Nächten schauerte es schon kühl, frostig. Die Sonne hatte nicht mehr die frühere Kraft und der nächtliche Thau hielt sich bis in den späten Vormittag in glitzernden Tropfen auf den Blättern, daß es anssah wie Thränerr, welche man zu trocknerl vergaß. Die Hagebutten wurden aus lauge Schnüre gefaßt, aus buntem Papier wurden Körbchen und Ketten geformt; ausgehöhlte Kürbisse, denen man das Aussehen von fratzenhaften Masken gab, mit Augen, Rase und Mund, sollten als Lampions dienen. Rüffe und Pflaumen wurden vergoldet, bestimmt von der Decke der Laubhütte herunterzubaumcln. Und als dann das Balierngefährte in der Frühe am Vorabend des Festes in den Wald hinausfuhren um Tanuenreis zu holen, da kletterte Moscheh und Schulanlit ebenfalls auf den Wagen und fuhren mit. Es war der letzte Besuch, welche sie dem Walde in diesem