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Der Israelit · 1898-10-13 · Heft 81 (13.10.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 81 (13.10.1898)
Date
1898-10-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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■i % % ’i 1 WWWWWWW WWW 1489 davor, die Denkweise des Talmud als „jüdisch" hin zustellen, während sich doch gleichartiges in den Literaturen jener Jahrhunderte auch sonst vielfach findet. Alles in allem — es gibt gar keinen größeren Gegensatz als den zwischen dem edlen, human denkenden Gustav Freytag und der antisemitischen Hetzerei. Oester r.- U lt g a r. M o n a r ch i c. Wien, 10. Oktober. Der Eassationshos verhandelte die Beschwerde des jüdischen Kaufmannes Jacob Hagel, welcher vom Kreisgerichte Rzeszow auf Grund des if 303 St.-G. zu einem Jahre schweren Kerkers verurtheilt wurde. Im Juli dieses Jahres waren nämlich in Strzyzow aus Anlaß der antisemitischen Unruhen zwei Abtheilungen Husaren eingerückt und der Detegirte des Bürgermeisters, welcher die Einquartierung des Militärs zu besorgen hatte, Ladislaus Wyzykowski, wies den Pferden der Husaren bis zur weiteren Unterbringung einen nicht mehr benutzten jüdischen Friedhof an, der hinter dem jüdischen Bethause liegt. Hagel rief nun in verletztem religiösen Gefühle Wyzykowski zu: „Führt Euch die Pferde auf Euren Friedhof oder in Eure Kirche, die Kirche ist groß, dort werden sie besser stehen", oder nach einer zweiten Version, „dort werden sie besseren Schatten haben". Hierin fand der Staatsanwalt das Verbrechen der öffentlichen Gewaltthätigkeit durch Verspottung und Provoeirung der anwesenden Katholiken und das Vergehen nach £ 303 durch Beleidigung der Einrichtungen der Kirche. Die von Hagel erhobene und durch Dr. Rosenblatt vertretene sticht igkeits - Beschwerde wurde von dem Eassationshof zurückgcwiesen. Die Strafe jedoch auf zwei Monate Kerker herabgesetzt.? Budapest. Der Bischof von Neutra war kürzlich auf feinem Gute in Mocsonok, und empfing bei dieser Gelegenheit die Deputation der dortigen, jüdischen Gemeinde, welche ihm bei dieser Gelegenheit mittheilte, daß sie die Absicht habe eine neue Synagoge zu bauen. Der Bischof stellte ihnen aus seinem Privatvermögen eine namhafte Geldsumme zur Verfügung und veranlaßte die Ortsbehörde, der jüdische Gemeinde die Baustelle für die Synagoge zu schenken. E. Krakau, 10. Okt. (Zur Entstehungsgeschichte der antisemitischen Excesse in W e st g n l i z i en.) Einen bemerkenswerthen Beitrag zur Entstehungsgeschichte der antisemitischen Ercesse in Westgalizien lieferte eine dieser Tage vor dem Kceisgerichte in Jaslo durchgeführte Verhandlung. Polnische Blätter berichten hierüber Folgendes: Der Angeklagte Niemiec erzählt, er habe vom Mitangeklagten Miczkowski vernommen, daß dieser in den Zeitungen gelesen habe, es werde bis zum Dezember keine Juden mehr im Lande geben. Die Angeklagten Kunrer und Modlizeweski bestätigen, daß ihnen Niemiec dies berichtet habe. Miczkowski erklärt, er habe in der Pszczolka StojalowsU's gelesen, das Brod würde billiger werden, wenn dreitausend Juden aufgeknöpft würden. Das habe er dem Niemiec mitgetheilt. Niemiec bestätigt dies mit dem Bemerken, er habe nur so viel verstanden, daß es angezeigt wäre dreitausend Juden aufzuhenken. Der Vorsitzende konstatirt hierauf, daß in der Stojalowski'schen Pszczolka vom 14. Mai 1898 tatsächlich zu lesen war: „Für diesen Antrag (Aufhebung der Getreidezölle) wurden denn auch Verkauf und Kolischer von den christlich-socialen Abgeordneten P. Dr. Scheicher und Gregorig scharf gegeißelt, welche mit Recht sagten: „Wollt ihr, daß das Brod billiger werde, so macht es, wie man in früheren Zeiten gethan hat, und bestraft die Spekulanten," und Gregorig fügte hinzu; „Knüpft dreitausend jüdische Getreide-Spekulanten auf, und man wird sofort billiges Brod haben." Bei galizischen Bauern fanden somit die Wort Gregorig'S Verständniß, und sie beeilten sich, als sie von ihnen Dank der Vermittelung Stojalowskr' Kenntniß erlangten, den im Parlamente gemachten christlich-sozialen Vorschlag zur Verbilligung der Lebensmittel praktisch anzuwenden. Rußland. Petersburg, im Oet. Wohl in keinem Bevölkerungstheile des vielgestaltigen russischen Reiches ist das Friedensmanifest des russischen Czaren mit solcher Begeisterung ausgenommen worden, als von den russischen Juden. Freilich hat auch keine andere der vielen Sekten und Stämme so schwer unter der Mtlitärlast zu leiden, als die Judenheit und gegen kein anderes Volk werden die Rekrutirungsgesetze so grausam gehandhabt, wie gegen die russischen Juden. — Eine Bewegung ist jetzt im Zuge, eigene Gymnasien für die Juden zu errichten, aber man kann diesem Unternehmen kein günstiges Prognostikon stellen. Ein solches Gymnasium nur für Juden bestand eine zeitlang in Odessa und eine ähnliche Anstalt exiftirt noch in Jekaterinoslaw, aber beide sind sehr schlecht besucht und diese schlechte Frequenz ist auch ganz berechtigt, denn die Schüler wissen nur zu wohl, daß sie keine Aussicht haben, nach Absolvirung dieser Institute auf einer russischen Universität Zulassung zu erlangen. Uebrigens plant man im Unterrichtsministerium eine Reform der jüdischen Schulen, speziell der Talmud Torahs und der Sabbatunb Abendschulen. Freilich darf man kaum hoffen, daß ein erfreuliches Resuliai bei diesen „Reformen" herauskommen wird. Ueberhaupt beschäftigen die Ministerien sich eifrig mit der Judenfrage, im Ackerbauministerium bearbeitet man ein neues Gesetz über die Kolonien in Südrußland, im Justizministerium liegen zwei Entwürfe vor über das Aufenthaltsrecht

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